1.Mai 09 in Linz: Darstellung eines Betroffenen
Das Subversivmesse-Original-Text-Service dokumentiert ungefragt und unkommentiert folgende öffentliche Aussage eines Demonstrationsteilnehmers, der am 1.Mai in Linz von der Polizei festgenommen und arrestiert wurde. Diese Aussage wurde von der Person am 9.5.09 im Rahmen einer Pressekonferenz des "Bündnis gegen Polizeigewalt" getätigt.
Ganz ausdrücklich möchte ich darauf hinweisen, dass ich keiner Partei angehöre.
Seit ich in jungen Jahren im Fernsehen gesehen habe, wie 1989 die
Menschen in der DDR auf die Straße gegangen sind, um gegen unhaltbaren
Zustände Widerstand zu leisten, bin ich mir darüber bewusst, wie
wichtig und richtig es ist, auf die Straße demonstrieren zu gehen und
für demokratische Verhältnisse einzutreten. Darum mache ich das auch
seit vielen Jahren!
Dies ist die Schilderung der Ereignisse, wie ich sie erlebt habe:
An jenem 1.Mai 2009 ging ich zum alternativen 1.Mai Aufmarsch. Die
Stimmung war zu Beginn friedlich und unaufgeregt. Als Polizeieinheiten
eine wahllos ausgesuchte Gruppe umstellten, nahm ich das zunächst gar
nicht als Gefahr wahr. Von diesen umstellten Personen trugen nur einige
wenige zu Beginn eine Kapuze, manche eine Sonnenbrille. Von Personen,
die Nase und Mund bedeckt haben sollen, habe ich nichts mitgekommen,
ich habe keine gesehen. Darüber hinaus muss noch festgestellt werden,
dass sich zwar sehr viele Jugendliche (14-20 jährige) aber auch einige
ältere Menschen in diesem Kessel befanden.
Erst als einige der Beamten Beschimpfungen und Bedrohungen von
sich gaben änderte sich die Lage. Verwunderung und Empörung breitete
sich aus. Um die Situation zu entschärfen haben sich die Umstellten auf
den Boden gesetzt. Auf Gerüchte, dass die Polizei die Aufnahme der
Personalien forderte, protestierte ich mit Worten. Niemals habe ich von
Gewalt Gebrauch gemacht.
Erst als die Provokationen der Polizei handgreiflich wurden und
Schreie zu vernehmen waren, sind alle wieder aufgestanden. Die Beamten
haben den Kreis immer enger gezogen. Aufgrund des hohen Ausmaßes der
Bedrohung auf unsere Unversehrtheit habe ich mich an der Person neben
mir festgehalten. Genau auf diese Stelle erfolgte dann der Angriff, der
im Video zu sehen ist. Ich habe die Anzahl der Schläge nicht
mitbekommen, da in erster Linie mein Nebenmann getroffen wurde. Ich
wurde dann von vielen Armen gepackt, ich ließ meinen Körper erschlaffen
und leistete somit nicht den geringsten Funken von Widerstand. Trotzdem
zerrten die viele Arme meine Extremitäten in alle Richtungen. Ich habe
?Aua, Aua? gerufen und mir wurden Handschellen angelegt, eigentlich war
es zunächst eine starre Fixierung, später wurden mir bewegliche
Handschellen angelegt. In der Nietschestraße wurde ich wieder wie ein
Mensch behandelt, also wie auf einem normalen Amt. Mir wurde
?Aggressives Verhalten? vorgeworfen, nach einer Stunde wurde ich aus
der Haft entlassen.
Meine Empfindungen zu dieser Sache kann ich folgendermaßen beschreiben:
Viel mehr als die Schläge und die unschöne Verhaftung schmerzen
mich die Worte der höchsten Sicherheitsbeamten. Ich bin zu tiefst
empört, dass der Versuch unternommen wird, mich mit Begriffen, die eine
negative Assoziation hervorrufen sollen, zu diffamieren und darüber,
dass haltlose Vorwürfe verbreitet werden.
Ich danke allen Menschen, die sich jetzt solidarisch erklären und mir helfen und möchte mit einem Zitat von Vaclav Havel enden:
"Ein natürlicher Nachteil der Demokratie ist, dass sie denen die Hände bindet, die es ernst mit ihr meinen."
07.05.2009
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Re:1.Mai 09 in Linz: Darstellung eines Betroffenen
Ohne dir oder deinen Mitdemonstranten zu nahe zu treten oder die Polizeigewalt abzuwerten, muss ich sagen, dass es bei uns in Berlin keine Ausnahme war mit Schlagstöcken malträtiert zu werden!
Bei meiner Festnahme haben fünf oder sechs Bullen gleichzeitig auf mich eingeschlagen (einer hat mehrmals versucht mir mit seinen Handschuhen die Nase zu brechen - zumindest hat er mit der Faust auf mein Gesicht eingeschlagen) und ich war einer der wenigen Ausnahmen in der GESA, da ich nur minimale Verletzungen davon getragen habe.
Anderen erging es da weniger gut, es gab fast niemanden der nicht verletzt war.
Interessiert die Massenmedien nur leider nicht, deshalb freut es mich, dass es in Österreich einen solchen Widerhall fand!
Alles gute bei der nächsten Demo.
Re:1.Mai 09 in Linz: Darstellung eines Betroffenen