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"Noch so ein Sieg und wir sind verloren"

02.10.2008 by socke, filed under Niederlage

...könnte Werner Faymann am Wahlabend bilanziert haben. Im engsten Kreise, wie es die Spielregeln der Politik für Ehrlichkeit vorgesehen haben. Er wars aber nicht.

 

Pyrrhus von Epirus                                            faymann2

 

Das Zitat, das exakt die Situation der SPÖ beschreibt, stammt von einem ehrgeizigen griechischen König, der 280 v. Chr. auszog, um Unteritalien vor dem Zugriff des Römischen Reichs zu bewahren.

Pyrrhus von Epirus war ein geschickter Politiker und genialer Feldherr. Mit taktischer Raffinesse und seinen Kriegselefanten eilte er von Sieg zu Sieg. Zuerst gewann er zwei große Schlachten gegen die Römer, danach vertrieb er die Karthager aus Sizilien. Doch mit jeder gewonnenen Schlacht schrumpften seine Aussichten den Krieg insgesamt zu gewinnen. Hohe Verluste und das ungünstige strategische Umfeld schwächten die Position des Pyrrhus, bis er schließlich von einer römischen Armee geschlagen wurde und Italien räumen musste. Der Krieg markiert den Aufstieg Roms zur Großmacht im Mittelmeerraum.Römer

"Pyrrhussiege" sind eigentlich Niederlagen, weil für sie unverhältnismäßig viele Ressourcen geopfert werden müssen oder sie in eine auswegslose strategische Lage führen. Oft auch beides. Ein Blick in den Irak zeigt eindrucksvoll, wie auch heute noch Pyrrhussiege erfochten werden. Aber was dem alten Griechen sehr wohl bewußt war, konnte sich der ahnungslose George W. nicht mal im Traum vorstellen. Amis verlieren nicht gerne, schon gar nicht, wenn sie ja schon gewonnen haben.mission accomplished

Von Faymann war zum Glück noch kein "mission accomplished" zu hören, denn Politik ist permanenter Krieg und nach der Schlacht ist vor der Schlacht. Die SPÖ schrumpft sich von Sieg zu Sieg und das nur, weil die ÖVP noch stärker schrumpft und sich das dritte Lager auf keinen gemeinsamen Führer einigen kann. Schon nächstes Mal könnte die Party vorbei sein, denn die Römer haben einen neuen General ins Feld geschickt. Der Faymann-Truppe ist außer dem Lorbeerkranz wenig geblieben: das schlechteste Ergebnis aller Zeiten, schwach bei den Frauen, noch schwächer bei den Jungen, die treuen Stammwähler bekommen fast alle mittlerweile Essen auf Rädern und - last but not least - der Pakt mit dem Kleinformat. Glaubwürdigkeit - eine mitunter kriegsentscheidende Ressource - wurde gegen ein paar Elefanten ausgetauscht, zwar furchteinflößende, aber auch sehr störrische Tiere, die auch schon mal aus Versehen in den eigenen Reihen wüten.

Dumbo                                                           Hans D

Frau Prammer wenigstens wird ihren Job behalten dürfen, ansonsten findet sich Österreich fest im Griff der Rechten . Und die Linke (sofern es sowas bei uns gibt) steht mit heruntergelassenen Hosen da. Keine Visionen, keine Perspektiven, keine Angebote. Die Grünen stagnieren und altern, KPÖ und Die Linke treten schlauerweise getrennt voneinander an und die SPÖ ist oft nur aufgrund der  anachronistischen Sitzordnung im Parlament als links zu erkennen.

Was sie von Pyrrhus lernen könnte? Gewinnen kann gefährlich sein, vor allem, wenn es notwendige Veränderungen blockiert. Warum etwa Josef Cap immer noch Feldmarschall spielen darf, ist mir völlig unverständlich.

 

Unten: Original- Luftaufnahme der Schlacht bei Ausculum

 

Schlacht


Die Mühlen mahlen langsam

09.10.2008 by Hans Hochhaus, filed under Wien, Sieg

Das Leopold Museum mit Werbung! Laut Indymedia von Kunstschutz= offizier_innen angebracht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Umgang mit der eigenen Nazivergangenheit ist in Österreich seit jeher durch Verleugnen, Verdrehen und Verdrängen gekennzeichnet. Eine spezielle Rolle spielte dabei der Umgang mit den von den Nazis geraubten und unter Zwang gekauften Besitztümern. Nach der Niederlage des Deutschen Reichs waren die BürokratInnen der 2.Republik tunlichst darum bemüht möglichst wenig Besitz an die großteils jüdischen EigentümerInnen zurück zu geben. Da viele beraubte JüdInnen ermordet wurden, Dokumente auf der Flucht verloren gingen bzw. schlicht keine Unterlagen vorhanden gewesen sind, die die Besitzverhältnisse ausgewiesen hätten, fiel es den Zuständigen nicht schwer, die Rückgabeforderungen vor Gericht in die Länge zu ziehen, die EigentümerInnen mit billigen Kaufangeboten abzuspeisen, oder den Naziraub einfach sang und klanglos in staatlichen Besitz übergehen zu lassen.


Darunter fällt auch der Umgang mit NS-Raubkunst. Erst als 1998 zwei Bilder aus der Sammlung Leopold (Schieles "Bildnis Wally" und "Tote Stadt III") in den USA beschlagnahmt wurden, beschloss die Republik ihre Archive zu öffnen, und gezielt Nachforschungen anzustellen. (siehe auch: Provenienzforschung). Dazu wurde ein Kunstrückgabegesetz verabschiedet - ausdrücklich ausgenommen ist hierbei skurrilerweise die Sammlung Leopold, die als Stiftung geführt wird und vom Bund subventioniert wird.


Jahrelang konnte Rudolf Leopold jeden Raubkunstvorwurf erfolgreich von sich weisen, und mit absurden Argumentationen vor Gericht punkten. Das Bild “Der Sensendengler” von Albin Egger-Lienz, könne, laut Leopold unmöglich NS-Raubkunst sein, weil der Maler nicht dem durchschnittlichen Geschmack von JüdInnen entsprochen hätte. Falls die Beweise doch gefunden werden, was Leopold offenbar befürchtet, sei trotzdem von einer Restitution abzusehen. Den Betroffenen würde es nur ums Geld gehen, so Leopold mit dem Verweis auf die Familie Rothschild, die ihre aus dem Kunsthistorischen Museum restituierten Kunstwerke versteigern ließen.


Weil Leopold im Frühjahr 2008 seine stolze Sammlung an Albin Egger-Lienz Bildern zu dessen 140 jährigen Geburtstag in einer Sonderausstellung präsentierte, wurden von JournalistInnen und der IKG (Israelitische Kultusgemeinde) erneut Nachforschungen angestellt. Prompt fielen einige Werke unter den Verdacht der NS-Raubkunst. Die Kunst&Kulturministerin Claudia Schmied plante daraufhin das Kunstrückgabegesetz zu novellieren. So sollte auch das Museum Leopold diesem Gesetz unterstellt werden. Willhelm Molterer, die Kärtner Landesregierung, und natürlich Rudolf Leopold machten gegen die Novelle mobil. Damit wieder Ruhe ins Museum einzieht,  wurde vorläufig ein Kompromiss geschlossen. Eine Forscherin und ein Forscher gehen nun den NS-Raubkunstvorwürfen im Museum Leopold nach – über 60 Jahre nachdem die Nazis von den Alliierten besiegt worden sind.


Re:Die Mühlen mahlen langsam

Posted by jacky at 10.10.2008 08:19

das graffiti auf dem leopold war leider nur für einige stunden sichtbar, dann wurde es für einige tage notdürftig mit einer platte abgedeckt und dann wurde es mühsamst weggeschliffen. ich arbeite im mq und hab mich diebisch gefreut...

Bilder einer Tragödie

12.10.2008 by socke, filed under Volksfest

Schreckliche Szenen spielen sich an den Börsen weltweit ab. Die Blase ist geplatzt und reißt abertausende engagierte und idealistische Börsianer in den Abgrund. Solidarität ist angebracht. 9.11 wall street

"Sechs Milliarden Dollar wurden unter Führung Morgans der New Yorker Börse zur Verfügung gestellt, um weitere Kursstürze zu verhindern. Die letzten Tage waren die aufregendsten, die Amerika je erlebte. Weit über fünfzigtausend Existenzen wurden mit einem Schlage vernichtet, die Zahl der gestern infolge des Börsenkrachs erfolgten Selbstmorde wird mit sechseinhalbtausend beziffert."

(Die Neue Zeitung, 27.10.1929)

 

börsianer

 

 

 

 

 

 

"...das sind die äußeren Anzeichen des langerwarteten, lange vorausgesagten Unheils; diese starke Explosion ist vielleicht das Signal einer neuen Epoche. Denn nicht etwa wie ein Blitz downaus heiterem Himmel ist dieser Krach entstanden, es war nicht wie ein Schüttelfrost mitten in voller Gesundheit. Schon seit Monaten dauert das unaufhaltsame, wenn auch immer wieder unterbrochene Abgleiten der Kurse, und ein Blick auf die Ziffern, die wir in unserem gestrigen Morgenblatte veröffentlicht haben gibt Evidenz über diese Bewegung, deren Größe und Bedeutung noch gar nicht ermessen werden kann."

(Neue freie Presse, 26.10.1929)

 

Unfassbares Elend an der Wall Street in New York:

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Ebenso in Paris.

 
 

 

 

 

Tokyo versinkt im Chaos: tokyo crisis

 

 

 

 

 

Auch Frankfurt geht den Bach runter: frankfurt

 

 

 


 

Zürich ist verzweifelt:

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london

 

Auch in London ist alles verloren.

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In Moskau hatte man sich eben erst an den Kapitalismus gewöhnt, und schon ist alles vorbei.

 

 

Sogar Wien wurde von der Krise erfasst: vienna crisis

 

 

 

optimismus Bleibt nur zu hoffen, dass bald wieder Optimismus einkehrt, denn nur wenns der Wirtschaft gut geht, gehts uns allen gut. kinder


Re:Bilder einer Tragödie

Posted by Supergrott at 12.10.2008 18:25

Der Börsecrash-Opfercounter:

http://www.titanic-magazin.de/fileadmin/content/diverses/boersencrashcounter.gif

Re:Bilder einer Tragödie

Posted by Hans Hochhaus at 12.10.2008 22:51

"Das durch die Aktienverkäufe generierte Geld werde derzeit aus Angst einfach nicht weiter gegeben, sagte ein Händler. "Keiner traut sich mehr mit einem anderen handeln, weil man nicht weiß ob es Deinen Handelspartner in den nächsten 3 Stunden noch gibt oder schon zerfetzt hat", beschrieb ein Händler die Situation am Markt." (derstandard.at, 10.10.2008)

Dirty Diana

14.10.2008 by kle, filed under Niederlage, Volksfest
Aber jetzt endlich zum Eigentlichen: die Mythifizierung des Jörg Haider. Erste Hinweise darauf durfte ich noch am Todestag ORF-Bildern entnehmen: ein Zettel an der Lady Jörg Di HaiderTodesstelle mit der nicht unplatten Aussage „Jörg – du bist unsere Lady Di!“. Die Salzburger Nachrichten zogen in der gestrigen Ausgabe ebenfalls diesen Vergleich. Was vielleicht abwegig klingt, ist den Kärntnern jedenfalls zuzutrauen. Man schließe die Augen, lasse alle Vernunft fahren und stelle sich vor:

 

Als erster Schritt ein BZÖ-Landeswahlkampf 2009, der auf dem Mythos eines Toten aufbaut („Jörgl schau oba“). Kärnten liegt darnieder in Heldenverehrung. Ein Elton-John-Double singt tagein, tagaus „Candle In The Wind“. Wahlsieg des BZÖ; Dörfler übernimmt legitimiert von einer Absoluten die Landesführung, im Hintergrund zieht Petzner die Fäden. Erste politische Handlung nach Amtsantritt: Errichtung einer überlebensgroßen Stute von Petzners „Lebensmenschen“ vor dem Landhaus. Verkleinerte Kopien werden im Laufe der Zeit allen Gemeinden Kärntens zur Verfügung gestellt, Bedingung ist die Umbenennung der Hauptplätze in Dr.-Jörg-Haider-Plätze. Einzelne Exemplare werden bis nach Libyen und Nordkorea exportiert. Nach nur wenigen Monaten hängt in allen Kärntner Wohnzimmern ein Bild von Haider mit Heiligenschein, vorzugsweise im Herrgottswinkel. Das Bärental wird zur Erlebniswelt „Haiderland“ mit Museum, Achterbahn und Bu(r)schenschank. Bereits 2011 werden 71 Prozent aller männlichen Neugeborenen „Jörg“ getauft. 2013 löst sich die SP selbst auf, ein Jahr später die Volkspartei. Ein Rest Freiheitlicher bildet die Opposition und wird als „Linksabweichler“ zuerst diskreditiert und schließlich vom orangen Mob gejagt. 2015 gilt Kärnten als „slowenenfrei“, bis 2018 als „ausländerfrei“. 2021 hat Petzner seine erste Jörg-Erscheinung und schwingt sich zum absoluten Landeshauptmann von Gotten Gnaden auf, gelenkt vom seligen Propheten Jörg Haider himself. Pilger rutschen auf Knien von Kärnten nach Bad Goisern in die „Geburtskirche“. Der Opus-Dei drängt im Vatikan heftig auf eine Heiligsprechung von „Sankt Jörg“ (so heißt jetzt auch die Landeshauptstadt). 2028 erklärt sich Kärnten unabhängig, tritt aus Österreich sowie der EU aus. Wien überlegt die Sendung von Bundesheersoldaten zur Rückeroberung, ist aber letztendlich eh heilfroh. Einige Monate später anektiert „Vater Petzner“ auf direkten Befehl Gottes Slowenien. „Nach Osten“ flüstere im der Prophet Jörg im Schlafe zu, und Petzner folgt. Trotz Hautkrebs!

Erst 2031 hat der Spuk ein Ende: die NATO schickt Flugzeugträger in die Adria, schwere Bomber verwüsten die im ganzen Land errichteten Schreine und Altäre. Internationale Friedenstruppen schießen auf alles, was noch zuckt. Doch erst die Drohung, die Reliquien des inzwischen tatsächlich heiligen Jörg im slowenischen Boden zu vergraben, lässt Petzner und die letzten Gotteskrieger aufgeben. Den Haag wartet schon.

 


Der Mossad war's

Posted by kle2 at 15.10.2008 10:16

Warum es wie üblich die üblichen Versächtigen waren: http://www.khklement.at/component/option,com_jd-wp/Itemid,25/p,259/

;-)

Re:Dirty Diana

Posted by dr. joe at 15.10.2008 20:00

jetzt ist es übrigens offiziell: 1,8 promille, 162 kmh.

hai sei dank

15.10.2008 by Kurto, filed under Underground

stadtarchitektur ist manchmal sehr grausam, zumeist aber langweilig. selten aber passiert das, was be-ne-detto so trefflich als “still herbeigesehnt” umschreibt: an einem der häßlichsten häuser wien, ecke hörlgasse/wasagasse im wiener alsergrund, hat einE gönnerIn, oder auch mehrere, mir eine große freude bereitet, die sich täglich am weg zur arbeit wiederholt, indem sie/er einen süßen elefanten angebracht hat. wer auch immer hinter “hai” steckt, ich lade euch zum essen ein.

 

wasagassegraffiti 004.jpg


Re:hai sei dank

Posted by haidi at 17.10.2008 23:34

und angenommen ich hab was damit zu tun und schau vorbei bei dir. dann gibts was feines zum essen und zum nachtisch klicken dann die handschellen?

Gewinn! Gewinn!

17.10.2008 by Hans Hochhaus, filed under Messe

toepfernDas absolute Muss dieser Woche ist ein Besuch auf der Gewinn-Messe (Die europäische Messe für Kapitalanlage), die vom 16.10 bis 18.10 auf dem Wiener Messegelände stattfindet. Dort kann mensch sich die gebeutelten BankerInnen & BörsianerInnen zu Gemüte führen. Die Armen! Konnten sie sich am Wochenanfang  kurz erholen (siehe: sprengung2Kursfeuerwerk), ging es hernach wieder los mit dem Wechselbad der Gefühle (siehe: Achterbahn).
Geld weg, Geld wieder da usw. Panik vs. Hoffnung. Zu allem Überdruss sitzen nun auch noch PolitikerInnen in den Vorzimmern der braven BankerInnen und planen EinflussAchterbahn geltend zu machen. Schon wird von Gehaltsobergrenzen für Krisen-Banker gesprochen und neue Regeln sollen erstellt werden. (siehe: Kommunismusverdacht) Zusätzlicher Stress für die BankerInnen. Derweil soll lediglich der Kapitalismus gerettet werden. Das lassen sich die Regierungen aller Länder auch etwas Kosten. Zumbrecht2 Wohle der BürgerInnen. 500 Milliarden hier, 500 Milliarden dort usw. Die Vertrauenskrise sitzt jedoch tief. Da ist es gut, dass jetzt die Gewinn-Messe Souveränität und Stabilität ausstrahlt. Ein Leuchtturm inmitten des Sturmes, damit wir Anleger auch wissen welchen Hafen wir mit unserem Geld ansteuern können. Dort lernen wir:

“Um das Geld nicht willkürlich auf den Kopf zu hauen, sondern Ihr Vermögen vernünftig und effizient zu vermehren nutzen Sie das persönliche Gespräch mit kompetenten Fachleuten auf der GEWINN-Messe 2008. (...) Lernen Sie den Unterschied zwischen einer simplen Geldanlage und einer kompakten Geldanlage kennen – zwischen Sparen und Sparen.”

Das nenne ich eine Ansage. Also: Geld raus und investieren!


Klunkerlitzchen Gewinnmesse? Millionaire Fair München!

Posted by Miss Bling Bling at 18.10.2008 18:57

Wer sich nicht mit Börsenbagatellen herumschlagen will wird hier eher sein Glück finden.

MILLIONAIRE FAIR MUENCHEN http://www.millionaire-fair.de/

Wertkonservative Plattensammler, AC/DC und iTunes

19.10.2008 by kle, filed under Untergraben
"Maybe I'm just being old-fashioned, but this iTunes, God bless 'em, it's going to kill music if they're not careful. It's a monster, this thing. It just worries me. And I'm sure they're just doing it all in the interest of making as much cash as possible. Let's put it this way, it's certainly not for the love, let's get that out of the way, right away"
Brian Johnson von AC/DC über den iTunes Music Store

Politische Kämpfe werden in einer (angeblich) immaterialisierten Gesellschaft, in der Zugang zu Dienstleistungen, Daten und Informationen zur zentralen Frage wird, verstärkt im Rahmen der bestehenden Produktionsmittel geführt. Ich spreche vom Kampf um offene Quellen, um die Freiheit von Software ("Free as in free speech, not as in free beer", Robert Stallman), um die Verwendung und Verwertung geistiger Produkte, letztendlich um die Freiheit und Fähigkeit zur Teilhabe an moderner Kommunikation. Dies mag angesichts wieder zunehmender „realer“ Verarmung auch in den Metropolen zynisch, vulgärmarxistisch oder nach Science Fiction klingen, sollte aber bewusst sein (weil das Sein immer noch das Bewusstsein bestimmt? Aber sicher!).

 Nirgendwo äußert sich der Krieg um digitale Freiheiten so schön wie im angeblichen Untergang der „Musikindustrie“ (Hurra: schon der Begriff verschmilzt Adorno mit dem Selbstverständnis eines Wirtschaftszweiges. Huxley hätte es nicht besser gekonnt!). Erst das permanente Sudern und schließlich die Klagewellen der Musikindustrie brachten den Diskurs in den Mainstream und multiplizierten das „Problem“ fortlaufend: selbstermächtigtes Aneignen von „geistigen Produkten“ wie Musik durch User. Sogar die ProduzentInnen selbst führten schließlich den Kampf (in welchen anderen Bereichen der Produktion passiert das heute noch?): Metallica und Smodo empfinden Torrent & Co. als Diebstahl, Radiohead als Befreiung.dRM

Die nur halbherzige Antwort liefert(e) vorübergehend ein Konzern: „Apple“, ursprünglich Produzent von Yuppie-Hardware samt hardcore-proprietärer Software, erfand mit iTunes das Musikgeschäft fast neu. Auch der musikalische Underground (ProduzentInnen wie KonsumentInnen, die Unterteilung sei hier erlaubt) feiert die Zerlegung des guten, alten Albums in easy-consuming-Häppchen und den zu bezahlenden Download von einzelnen Songs. Trotz und wegen der Einführung von DRM. Easy Consuming ist in Zeiten von individualisiertem Konsumismus nachvollziehbar, aber bin ich wertkonservativ, wenn ich die industrielle Dekonstruktion eines künstlerischen KPlattenonzeptes bzw. Formates zum Kotzen finde, Hauptsache die Band kriegt ein paar Netsch? Mir ist klar - auch das Album an sich ist Resultat technischer Gegebenheiten: das Sein der vorhandenen Produktionsmittel (LP, Single) bestimmte einst das Bewusstsein des Produzenten, in solchen Rahmen zu denken und zu schaffen. Und die technologischen Produktionsrahmen der Gegenwart entsprechen der möglichst komprimierten acdcEinheiten und Einzelstücken. Und dennoch finde ich es dead cool: AC/DC boykottieren mit ihrem neuen Album den iTunes Music Store. Der unumgängliche digitale Vertrieb von „Black Ice“ findet nun ausschließlich über Kanäle statt, die das gesamte Album als solches (kommerziell) anbieten. Vom Album an sich zum Album für sich!

Das hat jetzt nichts mit Antikapitalismus zu tun, schon klar. Eher mit dem Selbstbewusstsein künstlerischen Produzierens. Und es hat politische Implikationen, wenn sich nicht nur die KonsumentInnen, sondern auch die ProduzentInnen gegenüber einer ehemals mächtigen Industrie selbst zur Handlung ermächtigen. War hätte gedacht, dass AC/DC auf ihre alten Tage tatsächlich noch derart rocken – und dabei habe ich noch keinen Ton des neuen Albums gehört.

"We don't make singles. We make albums."
Angus Young
 

TAZ-Interview mit R.Stallman

iTunes @ Wikipedia inkl. Kritik


ein euro fünfzig

22.10.2008 by Kurto, filed under Lebensweisheit, Theorie

die letzten wochen zeichneten sich durch eine schreckliche desolidarisierung aus. während regierungen rund um die uhr arbeiteen und sich um die rettung des okonomischen flows bemühten, lehnen sich die bevölkerungen zurück und legen ihr erspartes auf sparbücher.

nach einem kassasturz möchte ich diese passivität nun durchbrechen und zu einer bieterInnengemeinschaft zum ankauf der aua aufzurufen. ich steig mit einem euro fünfzig ein.

angebote bitte hier deponieren, vielleicht können wir nach linz schon mit sub-air fliegen oder dort jumbo-mäßig übernachten. bitte nur ernstgemeinte angebote!


Bilder auf Ebay

23.10.2008 by gudrun_tieraerztin, filed under Lebensweisheit

...Bilder die in den kommenden Tagen/Wochen/Monaten sicherlich nicht auf ebay versteigert werden...

Vol. 1:

 

 

 

 

                          kinderzeichnung

 

 

 


"I saw two shooting stars last night..."

25.10.2008 by kle, filed under Erfindung
 
space chavez

 

Hugo Chavez mag zwar nicht die Befreiungsikone sein, auf die wir vor einigen Jahren noch gehofft haben, aber er fügt sich gut in die globale Entertainmentmaschine der medialen Politinszenierung. Gute Freunde schwärmen heute noch von den stundenlangen „Alo Presidente!“-Sendungen, die Chavez allsonntäglich für bekiffte Polittouristen und seinen Fanclub abzuhalten pflegt. Ich erinnere mich gut an den schwefeligen Geruch des Satans, den Hugo am Rednerpult George Bushs vor der UN wahrgenommen haben wollte.

 

Aber Kiffen hin und realpolitische Hoffnungen her: endlich gibt’s wieder Visionen! Nach dem bösen Westen, China und Indien schießen nun die Linken raffinierte Technik ins Universum: der venezuelanische Satellit „Simon Bolivar“ wird künftig den Globus umrunden. Laut Wissenschaftsministerin Nuris Orihuela um auch den Armen Latein- & Südamerikas eBillyBraggndlich Partizipation an moderner Kommunikation zu ermöglichen (Handytelefonieren und 100 TV-Sender); die Gründung eine karibischen Waltraumorganisation soll folgen.

Dem popkulturell sozialisierten Blogger bleibt mit Billy Bragg nur eine Frage: „Is it wrong to wish on space hardware?“

 

Alo Presidente 1

Alo Presidente 2

Alo Presidente 3

 


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