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Kapitalismushygiene

01.08.2008 by kle, filed under Niederlage, Volksfest
Die österreichische Innenpolitik ist ein Quell heller Freude, der mein Dasein als Couch Potato zutiefst bereichert und in gewisser Weise sogar erträglich macht. Ich kann stundenlang bekifft auf der Couch liegen und mir Wahlkampfgespräche, Straßenumfragen und ORF-Analysen ansehen. Natürlich hat diese Art von Politik eigentlich nichts mehr mit Politik zu tun, was aber nichts macht, weil ja die Politik ohnehin keine Politik machen kann sondern ebendiese nur verwalten. „Kapitalismushygiene“, sage ich. „Gestalten“, sagt der Herr Khol. Aber das glaube ich dem alten Sack kein Wort.

 

Momentan schwimme ich in einem Bad tetrahydracannabinolgetränkter Endorphine und gebe mich dem Vorwahlkampf hin, der ja oft besser als der eigentliche Wahlkampf oder gar dessen Ergebnis ist. Diesmal besonders spannend: wer tritt überhaupt an? Hier mein Ranking der potentiellen AnwärterInnen, gereiht nach Unterhaltungswert, unabhängig von den medialen Streuung desselbigen.

 

  1. Die Christen: ein besonderes Zuckerl für den advanced Pothead! Eine protokatholische Überzeugungstäterpartei mit Pro-Life Attitüde und zusammengezwickten Arschbackerln. Ich habe das Wort „Unzucht“ schon lange nicht mehr gehört, bei den Christen ist es mir auf nur einer Seite drei mal untergekommen. Extrapluspunkte für österreich-patriotische Abendgebete auf der Homepage!

  2. Die Monarchisten: eine humorvolle Truppe wackerer Senioren, die trotz hohem Alter zum Spagat fähig sind: modernes BlaBla und humanistisches TamTam einerseits, aber andererseits die Installation einer Erbmonarchie fordern. Repräsentationspolitik via DNA zu bestreiten ist ziemlich freakig, oder?

  3. FPÖBZÖ: sind das glatte Gegenteil der Grünen: abwechslungsreich, innovativ, clownesk, absurd und einfach unglaublich! Diese Woche haben sie einen der Chefs zu 9 Monaten bedingt verknackt. Der andere hat eine neue blonde Frau und ist – wie ich finde – geil (vom pornographischen Standpunkt betrachtet, natürlich). Der ganz andere Chef dieser Partei ist hingegen schon wieder ziemlich spooky – ich möchte dem nicht alleine nächtens in einer Kärntner Disko begegnen. Diese Partei könnte mit der Nominierung eines neuen (spooky) Spitzenkandidaten ganz schnell auf Platz 1 aufrücken!

  4. Die Linke: beeindruckend durch ihr markantes Auftreten („Die oberen 10.000 enteignen!“) - leider anfällig für linke Selbstzerfleischung und Retrotendenzen. Dennoch erfrischend ehrlich, aber etwas altbacken. Werden medial wohl kaum durchkommen – außer sie klotzen weiter. Hoffentlich!

  5. Dinkelgruber (oder wie der heißt): ein Entertainer sondergleichen („Liste Fritz“ - sic!), der vor allem durch seine Bündnispartner für humorvolles Aufsehen im Wahlkampf sorgen wird. Leider ist's mit HP Martin und ihm nix geworden – als Siegfried & Roy der österreichischen Innenpolitik hätten sie abgeräumt, ohne Zweifel. Aber die Ärztekammer und so... die sind auch vielversprechend!

  6. SPÖVP: über weite Strecken eine langweilige Partei, die sich aber durch eine Reihe exzentrischer Persönlichkeiten auszeichnet, die mich regelmäßig erfreuen. Ich mein': einen Schüssel findet man kein zweites Mal. Mein Lieblingsparteimitglied: Buchinger (der mit dem Moped und dem Groupie, bloß schade um den Bart). Auch nicht schlecht: Kdolsky, Gusi, Dichand.

  7. LIF: Das liberale Forum könnte eigentlich schon amüsant sein, ist es aber irgendwie nicht. Mich quälen zwei Fragen, die jeden aufkommenden Spaß überdecken: wie passt einer der größten Bau-Tycoonen Europas da hinein (und die Antwort steht im Wirtschaftsprogramm) und vor allem: wieso tut es sich das noch einmal an, das alte Schlachtroß? In ihrem Alter! Ich versteh' das nicht.

  8. Grüne: sind vom Unterhaltungswert die vernachlässigbarste Partei. Und andere Kriterien sind nicht relevant. Ich weiß nichts über diese Partei. Gibt’s die überhaupt noch? Oder hat Frau Glawischnig schon länger kein Kind mehr in die Welt gesetzt?

 

 


Re:Kapitalismushygiene

Posted by Rosa Abart at 01.08.2008 13:33

Frage an den Experten: Hat der Westi eigentlich auch bevor sie ihn verknackt haben immer in der 3. Person von sich gesprochen? Wenn ja: Wahrscheinlich, weil sie ihm in der HTL nicht ordentlich Deutsch beigebracht haben – ab zur Integrationsprüfung! Wenn nein: Spekuliert er jetzt, so er doch wieder mal unfreiwillig den Hut nehmen muss, mit einem Übertritt zu den Monarchisten? Oder – und das scheint bei ihm ja die plausibelste Erklärung zu sein – ist das Ausdruck einer tiefgreifenden Persönlichkeitsstörung? Dann sollte ihm auch im Verfahren die Kategorie geistig abnormer Rechtsbrecher zugestanden werden…

Re:Kapitalismushygiene

Posted by Experte at 01.08.2008 17:50

Der Westi redet schon länger so (ich glaub seit er beim bzö als einzelkämpfer jobbt). eine persönlichkeitsstörung würd ich aber trotzdem nicht ausschließen. da er für rassismus eigentlich zu unpolitisch ist könnte mehr hinter seiner namensänderung stecken, von hojac zu westenthaler..

Re:Kapitalismushygiene

Posted by Craden at 02.08.2008 22:20

Ich will ja nichts sagen, aber die Monarchisten haben das jüngste Durchschnittsalter aller Parteien! Soviel zu den "wackeren Senioren"

zur altersstruktur der monarchisten

Posted by kle at 06.08.2008 16:42

lieber craden,
insider hin und klotzen her - das bildmaterial der monarchisten spricht gegen dich: http://www.youtube.com/SchwarzGelb2008
ich hab' jetzt ehrlich versucht den altersschnitt der monarchisten rauszufinden, aber die monarchisten verweigern alle aussagen über anzahl und zusammensetzung ihrer mitglieder. kann aber auch am alzheimer liegen.

Feuchtgebiete 1: Die Lektüre

08.08.2008 by Rosa Abart , filed under Erfindung, Untergraben, Lebensweisheit, Aktion

FeuchtgebieteIm Frühjahr 2008 erschienen, avancierte Charlotte Roches Debütroman Feuchtgebiete (Dumont) - als Skandalroman gehandelt - rasch zum Bestseller. Im kommenden Herbst wird der Roman  am Neuen Theater in Halle als gleichnamiges Stück erstmals inszeniert. hier gehts zum link

Feuchtgebiete erfreut sich in erstaunlich vielfältigen LerserInnenkreisen großer Beliebtheit. Offenbar entspricht die Wirkung dem Inhalt: Wie bei einem schrecklichen Unfall gibt es viele Schaulustige. Angeregt durch die sehr unterschiedlichen Rezeptionen der AugenzeugInnen  und die öffentliche Diskussion steht das Werk nun auch in meinem Bücherregal, zwischen Catherine Millet und Virginie Despentes. 

 

Die Geschichte handelt von der erst 18jährigen Helen Memel, die nach einer missglückten Intimrasur auf der Inneren Abteilung eines Krankenhauses liegt und sich nicht nur den als „unmädchenhaft“ geltenden Stellen ihres Körpers widmet, sondern auch den langsam und im Verlauf des Romans immer stärker auseinander klaffenden Wunden ihrer Seele.  Roche

 

„Ich sehe meinen Roman ja durchaus als Masturbationslektüre: Es gibt eine nachdenkliche Ebene, und es gibt die Ebene, die Männer und Frauen aufgeilen soll“, so die Autorin im Süddeutsche-Interview

.

 

Die literarische Verschränkung dieser beiden Ebenen ist im Roman auch sehr gut gelungen, Lust und Verletzlichkeit durch den eigenen Körper werden in provokanten, amüsanten und berührenden Episoden thematisiert. Wirklich ekelerregend sind nur die wenigsten Stellen, vor denen mich der Buchhändler beim Erwerb des Werkes auch gleich eindringlich zu warnen versuchte. Der Eindruck, der bereits aus der öffentlichen Diskussion des Romans entstanden ist, mit seitenweise Brechreiz erweckenden Ausführungen provozieren zu wollen, bestätigte sich bei der Lektüre überhaupt nicht. Einzig die „Gulaschmahlzeit“ und die eigenwillige Art der Toilettenreinigung lesen sich als Überschreitung, andere Schmankerl aus Helens „Körperrecycling“ kommen eher lustig daher.

Letztendlich ist das Scheidungskind Helen auf der Suche nach Zuwendung. Sie ist eine zerbrechliche Antiheldin, die Tabus bricht, weil ihre Familie zu den Fragen, die ihr auf der Seele brennen, schweigt. Witzig und traurig zugleich ist der Roman unbedingt lesenswert (!!!) und noch eines auf jeden Fall: subversiv. Gängige Identitätsangebote und Verhaltensregeln für Frauen werden auf radikale Weise – zumindest literarisch – untergraben (für die Praxis sind wir ja selbst zuständig ;). Ganz nebenbei gibt’s auch noch brauchbare Tipps zur Avocadozucht. Ein Happy End findet aber nur, wer eines haben will…

Avocado 

 


Feuchtgebiete 2: Praktische Emanzipation

08.08.2008 by Rosa Abart , filed under Untergraben, Lebensweisheit

Eine andere Frage, die die Diskussion um den Roman in den Raum stellt, ist jene nach seinem feministischen Gehalt. In dieser Hinsicht bleibt die Geschichte vage, ambivalent und lässt eine grundlegende Botschaft vermissen. Was prinzipiell ja dem Zeitgeist entspricht.

Die im Roman aufgegriffene Forderung nach Selbstbestimmung über den eigenen –weiblichen -  Körper ist bekanntlich feministisch. Anatomische und sexuelle Selbsterforschung wie –erfahrung erlangten bereits vor knapp 40 Jahren Bedeutung in feministischem Diskurs und Praxis. Etwas später zeigte Nina Nina HagenHagen auf legendäre Weise (Club 2) vor, wie Frauen erfolgreich zum Orgasmus kommen. Feuchtgebiete erweitert diese Tradition um etliche Sexualpraktiken, interessante Masturbationstechniken, ein beachtliches Vokabular („Perlenrüssel“, „Vanillekipferl“ usw.) und unglaubliche Alternativen zum Konsum diverser Hygieneartikel – die allerdings nicht unbedingt zum Nachahmen animieren. Dennoch keine Frage, der Bruch mit Tabus und Weiblichkeitsnormen ist auch heute relevant. Die Lockerheit, mit der sich die Lektüre „gegen Hygienehysterie und sterile Frauenzeitschriftästhetik“ sowie gegen den „standardisierten Umgang mit dem weiblichen Körper“ (Roche) wendet, wirkt stellenweise tatsächlich regelrecht befreiend. In dieser Hinsicht ist das Buch jedenfalls als Beitrag zur Emanzipation zu werten.

Achselhaar

„Frauen haben nach der Lektüre meines Buches gesagt: Jetzt ist mir nichts mehr peinlich.“  (Roche)

hier gehts zum link

 

Emanzipation vom Emanzentum?

 Verstehen wir Feminismus aber als politische Bewegung mit dem Ziel der Gleichstellung von und Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen, reichen sexuelle Lust, selbstbewusste Provokation und trotziger Individualismus nicht mehr aus; es ist nicht zu vermuten, dass exzessiver Sex oder der Verzicht auf Körperhygiene zur Aufhebung der Einkommensschere führt, die Charlotte Roche im Spiegel Interview als Beleg für die noch nicht erreichte Gleichstellung anspricht. Roche selbst führt die Einkommensschere darauf zurück, dass Frauen erst lernen müssten, ihr Gehalt vernünftig zu verhandeln. hier gehts zum link

Die Abgrenzung zum „Schwarzer“ – Feminismus markiert Roche (auch im Spiegel Interview) über die Forderung nach lustvoller Freizügigkeit statt politisch korrektem Sexualverhalten. Klar, aber Alice Schwarzers Zeit als symbolisch feministische Integrationsfigur ist doch bekanntlich lange und definitiv vorbei (Wetten dass???) und die entsprechende Schwarzer(Sexual)Moral auch!? Würde mich interessieren, wie viele Frauen, die das Bedürfnis danach verspüren, sich tatsächlich wegen Alice Schwarzer von Porno schauen und SM Praktiken abhalten lassen… also nicht so ganz nachvollziehbar diese Forderung.
Außerdem gabs neben jenen Feministinnen, die heterosexuelle Praktiken dogmatisch als Unterdrückung von Frauen betrachteten, immer auch feministisch gesinnte Menschen, die das subversive Potential von Sexualität exzessiv (be)lebten.

Charlotte Roche nimmt das von den Medien angetragene Label einer neuen „Feministin“ zwar gerne an, die von ihr im Interview explizierte Botschaft des Romans fällt dann aber enttäuschend aus: „Aber wenn ich einen zarten Appell formulieren darf, dann so: Ich hätte gerne, dass es auf Frauen einen weniger großen Druck gibt, sich komplett zu enthaaren. Frauen rasieren sich aus einem vorauseilenden Gehorsam. Ich glaube, dass sogar Männer über ein paar weibliche Schamhaare ganz dankbar wären, weil sie ja mit Frauen, nicht mit Kindern schlafen wollen.“ (Das würde vermutlich auch Alice gefallen;))
Trotzdem soll Helens sympathischer Lösungsvorschlag nicht vorenthalten werden: „Ich finde, wenn Männer rasierte Frauen wollen, sollen sie auch das rasieren übernehmen, Und nicht den Frauen die ganze Arbeit aufhalsen. Frauen wäre es doch ohne Männer ganz egal, wie behaart sie sind. Wenn beide sich so gegenseitig rasieren, wie sie es am hübschesten finden, dann ist das das beste Vorspiel, das ich mir vorstellen kann.“ (Helen in Feuchtgebiete)


Feuchtgebiete 3: Ein feministisches Buch?

08.08.2008 by Rosa Abart , filed under Untergraben, Lebensweisheit

BarbieDer „Rasurzwang“ (Roche) und ähnliche Lifestyle – ja/nein Debatten (z. Bsp. Brust OPs, Stöckelschuhe, …) sind auch andernorts zu beliebten Themen avanciert (vgl. auch Rubrik Haltungsnote in diestandard.at), die Polarisierung in lust- oder zwangvolle Anpassung an gängige Schönheitsideale oder die Rebellion dagegen wird gern zur Gretchenfrage einer sich selbstverständlich als locker begreifenden allgemeinen „feministischen Haltung“ stilisiert. In dieser moderaten Form bleibt Feminismus zwar auch in Klischees verhaftet, ist aber offensichtlich wieder salonfähig. Der gemeinsame Feind sind Normen, der Weisheit letzter Schluss ist immer das Credo individueller Freiheit, so auch bei Roche: „Ich möchte nur, dass Frauen die Wahl haben, den einen oder einen anderen Weg zu gehen.“ hier gehts zum link

Aber welche Wege das sein, und wie sie beschritten werden könnten, bleibt offen. Feuchtgebiete bringt zwar keine neuen RocheSchwarzerJelinekfeministischen Perspektiven, fängt aber auf unterhaltsame Weise einige grundlegende Stimmungen und Erfahrungen postmodernen „Frau-Seins“ ein. Es gibt genug Identitätsangebote, von denen man sich als Frau abgrenzen kann oder sollte – aber offenbar wenige, die einer Identifikation wert sind.  

Vielfältige Arten des weiblichen Orgasmus zu kennen (wie von Helen ausführlich dargelegt), ein ausgefeiltes Vokabular für Sexualorgane und –praktiken zu haben oder provokante Kritik an Hygiene und Weiblichkeitsnormen sind erfrischend und erfreulich, aber noch keine politische Strategie zur Gleichstellung. Auch nicht, wenn sie zum selbstbestimmten Umgang mit dem eigenen Körper ermutigen sollen und das Selbstbewusstsein heben. Zudem ist die Freizügigkeit der Protagonistin nicht bruchlos selbstbestimmt, wenn sie sie als Mittel einsetzt, um Anerkennung und Zuwendung zu finden.

Nun sind es gerade diese Bruchstellen, die zwischen provokanter Abgrenzung zum Althergebrachten bzw. „Angebrachten“ und der Suche nach individuell vertretbaren Lösungen zum Ausdruck kommen, die Helen authentisch und sympathisch machen. Der Autorin kann durchaus auch aus Sicht der Leserin zugestimmt werden, wenn sie sagt: „Was Helen sich in dem Buch denkt, hat viel mit mir zu tun.“  hier gehts zum link

MaudeObwohl Roches Interviews und Ausführungen zum Buch oft oberflächlich bleiben, definiert sie doch sehr klar und direkt, was Feminismus für sie bedeutet: „Konkret bedeutet das, dass meine Mutter mir beigebracht hat, dass die Welt frauenfeindlich ist und dass es noch viel zu tun gibt, bis Frauen dieselben Chancen haben wie Männer. Das hat auch etwas mit Zivilcourage zu tun: Wir müssen uns streiten.“  hier gehts zum link

Da hat sie recht – und dafür ist Selbstbewusstsein hilfreich und freche Schamlosigkeit wirklich oft heilsam. Und dazu kann man bzw. frau in Feuchtgebiete tatsächlich einiges lernen.


Die Klassenlotterie

13.08.2008 by kle, filed under Niederlage, Lebensweisheit

Mein subversives Potential erschöpft sich in einer rebellischen Adoleszenz und der nachhaltigen Umgehung des Betäubungsmittelgesetzes. Immerhin, möchte ich betonen, denn manche sind einfach nur so doof. 

Lotto Trainer

Der Werdegang ist also klassisch, vom Klein- zum Bildungsbürger, mit einigen Jugendsünden (ich habe z.B. im Jahr 1999 einmal die SPÖ gewählt, um Schwarz/Blau zu verhindern und habe mich auch manchmal ohne jeden Grund gerauft; für beides schäme ich mich sehr). Es verwundert in Folge nicht einmal mich selber, dass ich ohne einen Wimperzucker etwas wechsle, das manche Altvorderen „Klasse“ nennen. Also vom unmotivierten Arbeitnehmer zum unmotivierten Jungunternehmer (aka „Neuer Selbstständiger“) mutiere. Unfreiwillig, weil es mir wie vieles im Leben halt so passiert und die zufällig anwesende Abendessenrunde mich einhellig darin unterstützt hat. Und diese ganze Klassenrhetorik ja eh tendenziell großer Humbug ist.

Und jetzt stehe ich da, als umsatzsteuerbefreiter Kleinunternehmer mit SVA-Selbstversicherung, Angst vor der Einkommenssteuerprüfung und dem festen GEldVorsatz, nie wieder krank zu werden. Weil soviel verdienen, dass ich mir 20% Selbstbehalt beim Arzt leisten kann, möchte ich eigentlich gar nicht. Ich bin nämlich insgeheim der Meinung, dass Verdienste im vierstelligen Eurobereich die Unmoral fördern sowie überhaupt deppert machen können. 

Dass die arbeitsteilige Gesellschaft ihre Produktivkräfte auch durch individuelle Initiative zu neuen Höhen der Entfesselung führen muss, glaube ich Euch sofort. Sogar als guter Sozialist, der ich nicht bin. Aber eigentlich will ich damit nichts zu tun haben und ich sag's euch gleich: mit mir wird kein Wirtschaftswachstum bestritten und keine Rezession abgewehrt. Einberufen könnt ihr mich, aber wenn's ernst wird leg` ich mich auf die Couch und tu' das was ich am besten kann: ich umgehe das Betäubungsmittelgesetz.

 

 

 


Re:Die Klassenlotterie

Posted by socke at 14.08.2008 10:09

die zufällig anwesende abendessenrunde lehnt jede verantwortung für deinen klassenverrat ab.

Re:Abendessenrunde

Posted by kle at 14.08.2008 12:05

Die Abendessenrunde hieß mich freudig in ihrem Kreise willkommen!

Profi am Werk

18.08.2008 by Harald Schmutzhard, filed under Erfindung, Untergraben, Aktion

Wahlplakate zu verändern und mit etwas Kreativität deren Botschaften zu unterlaufen ist ja ein "traditioneller" Denksport in Vorwahlzeiten. Das untenstehende Beispiel zeugt aber von einer Professionalität die nur durch langjähriges eigenhändiges Plakatieren zu erreichen ist. Hut ab und tiefer Kniefall vor der UrheberIn - oder ist die subversive Tat bereits in der Logistik der Werbefirma passiert und nicht erst durch das Arbeitsproletariat (mit dem Kleisterpinsel in der Hand)?

Die "echte" Wahl

 


James Powderly (Graffiti Research Lab) detained in Bejing

22.08.2008 by Harald Schmutzhard, filed under Aktion, Polizei, Underground

James Powderly, co-founder of Graffiti Research Lab (GRL) was detained by
Chinese Authorities in Bejing while preparing an intervention in support of the
Students for a Free Tibet protest. His current whereabouts remain
unknown. Since text messages reading "detained
since 3am" and "there's 8 of us here, we're all OK", nothing has been
heard from them. (22th August 08)

More Infos:
http://www.graffitiresearch.com
http://www.nytimes.com/


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