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Deprohibition #1: das liberale Argument

01.12.2008 by kle, filed under Untergraben

Eines der nobelsten Themen im Kampf um Befreiung und Emanzipation ist zweifelsohne der Kampf gegen die Prohibition. Oder wäre es zumindest. Wenn die Welt nicht zugegeben noch etliche schlimmere Dinge auf Lager hätte (Festung Europa oder Irakkrieg zum Beispiel; vielleicht auch Ewald Stadler). Aber dennoch: die willkürliche Kriminalisierung von bestimmten Substanzen und der freie Verkauf von gewissen anderen Substanzen stehen im krassen Widerspruch zu modernen Konzepten wie „Wissenschaftlichkeit“, „Fairness“ oder ganz einfach Cleverness.

Besonders krass ist das Beispiel Cannabis. Ich will jetzt nicht eine Pflanze in den blauen Himmel loben, prinzipiell jedoch ist Gras eine richtig geile Sache. Aber: MarihuanakäuferInnen bekommen Ärger mit dem Prohibitionsregime im Gewande des Rechtsstaates. Menschen, die sich hingegen ungleich derbere Rauschmittel reinhauen wollen, zB. eine Flasche Billigfuselwodka voweeeeedm Hofer, müssen halt älter als 16 ausschauen und die Sache ist gebongt. Dabei wird kaum jemand abstreiten, dass eine Flasche Wodka für 8 Euro ungleich verhängnisvoller ist als eine Gramm Gras für 8 Euro.

 Die Wurzeln für diese juristische Unterscheidung sind vorwiegend historisch: Alkohol ist ein seit Jahrhunderten in Europa gebräuchliches Rauschgift, dessen Illegalisierung (wenn sich das irgendwer blöderweise wünschen würde) politisch, sozial und ökonomisch nicht durchsetzbar wäre. Das sagt nicht nur der Hausverstand, sondern auch die Geschichte: vor allem in den USA versuchten puritanische Bewegungen mehrmals mit bescheidenem Erfolg landesweite Alkoholverbote durchzusetzen. Die Gründe für die Illegalisierung von Marihuana in Europa sind vielschichtig: neben der fehlenden Cannabisrauschtradition hierzulande war es nicht zuletzt die Kunststoffindustrie, die von den USA ausgehend (Nutz-)Hanf diskreditierte und dessen auch in Europa reichhaltige Verbreitung stoppte. In Folge reichte eine Bösartigkeit der anderen die Hand: rassistische Argumente gegen die „Negro“-Droge, Vorurteile gegen Rausch an sich, Xenophobie, Hippiehatz, ökonomisches Loposterbbying, Sündenbockfunktion, Schneeballeffekte, ... Spätestens mit dem von Nixon ausgerufenen War On Drugs (der tatsächlich mehr mit den innen- sowie vor allem außenpolitischen Interessen der USA zusammenhängt als mit der Bekämpfung von Drogen) waren die Schienen in der (nicht nur) westlichen Welt endgültig gestellt: Kiffen ist illegal.

Marihuana und Haschisch sollen hier nicht verharmlost werden: vor allem die Verbrennung des Rauschgiftes Marihuana/Haschisch beim Rauchen kann Langzeitschäden hervorrufen, im schlimmsten Fall auch Karziome in den Atemwegen (wie beim Zigarettentabak). Zudem können vor allem labile oder junge KonsumentInnen schnell psychische Abhängigkeiten entwickeln, die wie jede Sucht maßgeblich den Alltag dieser Menschen determinieren und damit erschweren. Im schlimmsten Fall können sogar vorhandene psychische Krankheiten zum Druchbruch kommen oder verstärkt werden.

Aber lassen wir uns doch Klartext reden: ich bin ein erwachsener Mensch, und ich bin verantwortungsfähig genug, darüber zu entscheiden, wie weit ich meine Gesundheit riskieren möchte. Und die Risiken von Cannabis sind kalkulierbar, vor allem im Vergleich mit anderen Rauschmitteln unserer Gesellschaft (Alkohol, Tabak, Pharmazeutika, Koffein). Ich bin ein Kind der Moderne, und ich kann die Risiken vom Skifahren, Tropenreisen, Überholmanövern und Kiffen gut einschätzen und sie selbst verantworten. Zumal ich beim Kiffen - im Gegensatz zum Skifahren und Überholen - keine Mitmenschen gefährde. Ich bin fähig und willens, selbst über meinen Körper zu ampelentscheiden („Meine Lunge gehört mir!“), ich bin ausgestattet mit Souveränität über mein Handeln, solange ich meine Umwelt nicht maßgeblich beeinträchtige oder gefährde.

Die Konsequenzen daraus sind, auch wenn ich plötzlich erstaunlich liberal klingen mag, glasklar: Cannabisprodukte sofort legaliseren. Über die Implikationen und Einzelheiten (Regelungen gegen Gefährdung im Straßenverkehr, Abgabeschranken, Altersgrenzen) möge der Rechtsstaat entscheiden, über die Grundfrage aber nicht: das Recht auf Eigenverantwortung, auf Rausch, auf Selbstständigkeit. In einer Welt, die dem Menschen in sozialen und ökonomischen Belangen immer mehr Flexibilität und individuelle Verantwortung aufhalst, ist eine Cannabisprohibition ein schmerzhafter, ewiggestriger Anachronismus ohne wissenschaftliche oder gesellschaftliche Haltbarkeit.

 

 

Deprohibition #2 (Das ökonomische Argument) erscheint in Kürze. Oder zumindest in nicht all zu weiter Zukunft. 

Weiterführende Links:


New York, Helsinki und die Kultur der zerbrochenen Scheiben

28.11.2008 by socke, filed under Theorie, Polizei, Underground

sprayerGraffiti gehört zu jeder "richtigen" Stadt, ist aus der urbanen Kultur nicht wegzudenken. Versuche diese Form der (Sub)Kultur mit repressiven Maßnahmen zu unterbinden gibt es seit die erste Wand (in Harlem?) angeschmiert wurde. Rudi Giuliani, Ex- Bürgermeister von New York guilianiund einer der 9-11 Helden ist leidenschaftlicher Verfechter der "broken window- Theorie", ein leider nicht völlig absurder Ansatz zur Kriminalitätsbekämpfung. Sie geht davon aus, dass die konsequente Verfolgung von Kleinstdelikten schwere Verbrechen verhindert. Wird ein zerbrochenes Fenster nicht sofort repariert, senkt es die Hemmschwelle für Bösewichte, noch mehr Scheiben einzuschlagen. Selbiges gilt für Graffiti. Einbrüche usw. sind die Folge. Wer eine Gegendapple also verkommen läßt, schafft Kriminalität. So weit die Theorie. Guiliani überzog den Big Apple nach seinem Amtsantritt 1994 mit einer noch nie dagewesenen Law&Order-Politik. Die Statistik und vor allem das subjektive Sicherheitsgefühl der New Yorker scheinen seinen Ansatz zu bestätigen. Vor allem die Horrorzahlen der Mordstatistik konnten drastisch gesenkt werden. Repression als Prävention setzte sich nach und nach auch in anderen amerikanischen Großstädten durch. Die finnische Hauptstadt Helsinki ging einen ähnlichen Weg. Vor allem dem Sprayen wurde der Kampf angesagt-bis vor kurzem. Keine Ahnung, wie viele Menschen in der Hafenstadt ermordet werden, mit Kunst hat das anscheinend nichts zu tun, denn Helsinki helsinki

änderte seine Politik. Seit wenigen Tagen gilt Graffiti als Teil der Stadtkultur, wird gefördert und anerkannt (sofern die Besitzer damit einverstanden sind). Böse Zungen behaupten, dass dies vor allem daran liegt, dass der Stadt das Geld für die sofortige Entfernung der Kunstwerke ausging und die Entscheidung wohl eher pragmatische Gründe hat. Trotzdem finnlandist Helsinki vielleicht Trendsetter. Der Repressions-Hype könnte sich langsam überholt haben, mal sehen, welche Stadt die nächste ist. Ich geh mal davon aus, dass sich diese nicht in Österreich findet.


Andreas Wahl: "09"

Ein Kommentar von Andi Wahl

24.11.2008 by kle, filed under Spionage
Den folgenden Kommentar zur Präsentation des finalen Programmbuches zur Kulturhauptstadt stellt uns netterweise der oö. Kulturaktivist Andreas Wahl zur Verfügung.

 

gestern waren ich und uschi auf der pressekonferenz von linz09 (programmbuch). unser aller kulturstadtrat watzl hat diese damit eingeleitet, dass im theater poenix die figur heller mit einem leiberl "watzl is my schatzl" auftreten wird. er hat daraufhin in seiner abteilung einen dicht-wettbewerb abgehalten um auch einen slogan zu erfinden. herausgekommen ist - so watzl :

"mit dem heller
werden wir zum bestseller"


wenn man vom verfehlten verbmass absieht ist das doch eine wunderbare ansage - das ist die orientierung der stadt bei der 09-sachepb3: wir wollen uns verkaufen, verkaufen,
verkaufen!
ausserdem hat ein rein maennliches podium ein programmbuch mit zwei eiern drauf praesentiert. wahrscheinlich um die potenz des programmes zu unterstreichen. - schade, dass das sigmund freud nicht mehr erlebt hat.

alles liebe
andi 


Warum sich ein paar Leondinger nicht mehr so wohl fühlen

19.11.2008 by socke, filed under Aufstand, Leonding

Fortsetzung:

leondingWie gesagt, Leonding ist eine Stadt zum Wohlfühlen.  Auch ein Teil unseres Subversiv-Blogger-Teams ist in dieser Idylle aufgewachsen. In die Schule gingen wir aber in Linz, ein Grund warum sich heute in Leonding kein Feuerwehrmann mit Dreads findet. Andererseits hätten wir vielleicht keine ausgeflippten Frisuren, wenn wir in Leonding geblieben wären und uns ins Dorfleben integriert hätten. Aber egal. Als wir hörten, dass sich Leonding nun endlich (heuer) seiner Vergangenheit stellt und im Stadtmuseum (wunderschöne Location in einem der Türme derturm bausteine Maximilianischen Befestigungslinie) eine Sonderausstellung zum Thema "Hitler und Leonding" organisiert wird, waren wir angenehm überrascht. Die Ausstellung ist nett und jedenfalls sehenswert (auch das berühmte Sofa steht dort). Viel Detail, wenig Zusammenhänge, aber wie gesagt sehr ok. Leondinger HobbyhistorikerInnen haben das Material zusammengetragen,  begleitet wird das ganze von einer kleinen Vortragsreihe, in der ebendiese ihre Ergebnisse präsentieren. Keine Frage, dass wir uns einen Vortrag anhörten. Am 13.11. referierte Josef A. Kauer, der inoffizielle Stadthistoriker, der regelmäßig im Gemeindebrief zur Leondinger Geschichte schreibt, über Hitlers Leonding. Ein amateurhafter Vortrag, aber wie alles in Leonding ganz nett. Allerdings nur bis kurz vor Schluss.

haare raufenSein Conclusio war haarsträubend und skandalös, auch wenn das außer uns keinen zu stören schien.

Im Folgenden (sinngemäß) die wichtigsten Punkte seines Resümees:

- Vor allem die Appeasement-Politik Frankreichs und Englands habe den Aufstieg Hitlers ermöglicht

- Die Waffen-SS wäre zum Großteil eine ganz normale Kampfeinheit gewesen

- Urteile über die Beteiligten stünden uns "Nachgeborenen" nicht zu

- Nach 70 (!) Jahren Aufarbeitung sei es endlich an der Zeit einen Schlussstrich zu ziehen

- Frankreich z.B. hätte seine Verbrechen im algerischen Kolonialkrieg auch nicht aufgearbeitet

- Von den Menschen damals Widerstand einzufordern sei unangebracht, weil das einem Todesurteil gleichgekommen wäre

- Nach der Befreiung sind in Hörsching NS-Funktionäre mit Hakenkreuzsymbolen gekennzeichnet worden, das "ist ja dasselbe, was mit den Juden gemacht wurde"

Vor allem der letzte Punkt rief lautstarke Unmutsäußerungen unsererseits hervor, wie gesagt blieben wir damit aber alleine. Der Abend endete also mit einem Schock und auf dieturm zerstören Wut folgte ein Anflug von Resignation. Nun gibt es zumindest drei Leondinger, die sich nicht mehr ganz so wohl fühlen. Trotzdem werden wir uns auch den nächsten Vortrag anhören. Alles weitere wird sich zeigen, eines ist aber sicher: Wir werden uns nicht in unser Großstadtidyll zurückziehen und das Dorf Dorf sein lassen. Einmischen ist angesagt! Wer Ideen hat ist herzlich eingeladen mitzumachen! 


die krise macht mir angst!

17.11.2008 by Kurto, filed under Untergraben, Spionage, Aktion, Underground

 meine angst vor der krise wird immer größer!
ich wollte einen 50 euro schein verkaufen und die sicherheit hat mich einfach gelöscht, erreichen kann man dort niemand, ist das geld jetzt schon völlig wertlos? habe ich zu hoch angesetzt? andererseits hat tulpe178 den schein verkaufen dürfen und hat immerhin 46,50 euro dafür gekriegt. warum ist man ein finanzgenie, wenn man/frau an der börse auf sinkende aktien spekuliert und wenn man sein erspartes verkauft, wird man gelöscht?
ich verkauf jetzt noch meinen 20er, vielleicht ist der nicht verboten! ich hoffe es! dann kann ich nachher meinen 50er in 2 20er und einen 10er tauschen und auch verkaufen! ich wär so froh, wenn das alles schon vorbei wäre!
ich hab angst.
bitte kauft mein geld! werdet glücklich damit!
ich kann es nicht mehr!


von den medien werd ich nur verarscht. das find ich echt gemein! (faz , news , diepresse ) vielleicht könnt ihr leserInnenbriefe schreiben. oder mitsteigern. oder ganz was anderes tun!


In Leonding fühlen sich ALLE wohl

14.11.2008 by socke, filed under Niederlage, Leonding

Leonding ist eine Stadt zum Wohlfühlen. hitlerhaus25.500 EinwohnerInnen leben in 22 Ortschaften, die 1975 zur Stadtgemeinde erhoben wurden. Vielen in Leonding gehts gut, die Wirtschaft ist stark, Mittelstand wohin man blickt. Vorzeigefirmen wie der Feuerwehrausstatter Rosenbauer füllen das Stadtbudget. Hier existieren die alten dörflichen Strukturen neben den vielen Zugezogenen. Die "Großstadt" Linz ist quasi nebenan, wer in Leonding aufwächst hat beides: Stadt und Land. Einfamilienhäuser zwischen Maisfeldern und Textilfabriken. Die Stadt kann sich einiges leisten, moderne Infrastruktur, Kultureinrichtungen, Freibäder, Seniorenwohnstätten und Sportanlagen schiessen nur so aus dem Boden. In Leonding meint es jeder gut mit jedem, alle verstehen sich, politische Konflikte drehen sich fast ausschließlich um Banalitäten, wie die Aufstellung von Mülltonnen. Und Leonding wird seit fast 100 Jahren von der SPÖ regiert. So weit so gut.

Wenn da nicht dieser blöde Zufall wäre: 1899 suchte ein pensionierter k.k. Zollbeamter mit seiner Familie ein Haus in der Umgebung von Linz und wurde ausgerechnet hier fündig. Alois Hitler war sein Name, sein Sohn Adolf verbrachte acht Jahre seiner Kindheit hier. Die Eltern liegen auf dem hitler am grabLeondinger Friedhof begraben. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde das Wohlfühl-Kaff plötzlich zur "Weihestätte des deutschen Volkes". Illegale Nazis benutzten das Elterngrab als Aufmarschplatz, als Möglichkeit sich trotz des Verbots öffentlich zu deklarieren. Im Laufe der Jahre pilgerten hunderttausende (!) Fans nach Leonding, der Besuch am Elterngrab war Pflicht. Göring, Goebbels, Schirach - alle waren sie da. Bis zu 15.000 Funktionäre auf einmal marschierten in militärischer Formation vor dem Grab auf und besichtigten das Haus, in dem Hitler angeblich seine sofaVisionen entwickelte. Er selbst war zweimal zu Besuch. Der Führertourismus ebbte nach der Befreiung zwar ab, hörte aber nie ganz auf. Noch heute kommen Besucher aus allen Teilen der Welt und besichtigen z.B. das Sofa, auf dem der alte Alois Hitler angeblich sein Leben ausgehaucht hat.

hitler kindWie geht eine so unschuldige Gemeinde damit um? Ein Dorf in dem niemand anecken will, in dem noch heute betont wird, wie alle während des Krieges zusammenhielten, egal ob Nazis oder Sozis, Bauern oder Arbeiter. Die Antwort ist einfach: gar nicht. Und das jahrzehntelang. Es dauerte 60 Jahre, bis sich zu den beiden Kriegerdenkmälern ein Denkmal für die Opfer des NS- Regimes gesellte. Das Hitler-Haus ist passenderweise ein Sarglager der Leondinger Bestattungsfirma, das Grab wird unkommentiert gepflegt.

Fortsetzung folgt..

 


Die USA, der 4.November 2008 und warum die Welt nun tatsächlich ein besserer Ort ist

07.11.2008 by kle, filed under Volksfest, Sieg
usa

 

Am 4.November 2008 hielt die Welt den Atem an: unzählige Menschen strömten in den USA zu den Wahllokalen, hofften auf Glück bei den Wahlmaschinen und auf eine historische Wende zum Besseren. Schliesslich ging's diesmal wirklich um was - selten ließ sich die Welt so klar in "gut" und "böse" unterteilen: auf der einen Seite die Stimme der Vernunft, Wissenschaft und Würde, auf der anderen Seite Rückwärtsgewandtheit, Fundamentalismus und Verblendung. Und - als trotz guter Vorzeichen eigentlich schon niemand mehr so recht dran glauben wollte (man traut den Amis ja ALLES zu) - dann geschah das Wunder, der Schritt nach Vorne, der Durchbruch in eine bessere Welt: am 4.November 2008 wurde demokratisch entschieden, dass in Massachusetts, USA von nun an der Besitz von bis zu einer Unze (ca. knappe 30 Gramm) Marihuana nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden darf. Allenfalls eine Verwaltungsstrafe von max. 100$ ist drin.

God Bless America!

 

Massachusetts Ballot Question 2

Voters approve marijuana law change

 



Yes they did it

06.11.2008 by socke, filed under Aufstand, Sieg

kkk-süd

Virginia, Colorado, New Mexico, Nevada - Südstaaten, Cowboyland, seit Jahrzehnten fest in republikanischer Hand, haben vorgestern gemeinsam mit allen swing states und den demokratischen Hochburgen Barak Hussein Obama zum ersten nicht-weißen Präsidenten der USA gewählt. Vor zwei Jahren noch undenkbar. Die höchste Wahlbeteiligung seit 100 Jahren und eine noch nie dagewesene Welle der Euphorie hat diesen historischen Schritt möglich gemacht. Und freilich George W., der unbeliebteste Präsident der Neuzeit, der acht Jahre lang den Boden dafür bereitet hat.

Darf sich ein Linker darüber freuen?

jfkObama kann nicht zaubern, auch ist er kein Sozialist, er wird den Kapitalismus nicht abschaffen, wird die gleichgeschlechtliche Ehe nicht zulassen, er wird kein schärferes Schusswaffengesetz initiieren und auch er wird nicht mit Osama verhandeln.

Trotzdem ist es eine Zeitenwende. Erstmals haben sich die demographischen Verschiebungen der letzten 20 Jahre auch auf ein Wahlergebnis ausgewirkt. Endlich dominiert nicht mehr das Land über die Stadt. Endlich sind auch die Jungen kkkzur Wahl gegangen, und die Schwarzen und die Hispanics. Endlich ein Präsident, der eine zeitgemäße Biographie hat, teilweise im Ausland aufgewachsen ist, eine lukrative Karriere als Top-Jurist ausgeschlagen hat und für 12 000$ im Jahr als Sozialarbeiter tätig war. Wichtiger als die Person ist die Wahlbewegung, die ihn ins weiße Haus getragen hat. Wer die Videos von den spontanen Partys in den Straßen rund um den Globus gesehen hat, bekommt einen kleinen Eindruck, was politische Mobilisierung bewirken kann. Sogar George W. wurde um seinen unverdienten Schlaf gebracht, als Tausende das Weiße Haus umlagerten und ausgelassen feierten. Es war ergreifend zu sehen, dass sogar der alte Haudegen Jesse Jackson die Freudentränen nicht zurückhalten konnte.

Also um die Frage zu beantworten: Ja, ich freue mich.freude Scheiss auf linken Dogmatismus und Radikalkritik an allem und jedem, zumindest heute und morgen. Es ist nicht egal wer im Weißen Haus sitzt, es ist nicht egal ob Obama oder Bush/McCain die Verhandlungen über eine globale Regulierung der Finanzmärkte führen. Es ist nicht egal wer künftig mit den iranischen Mullahs über ihr Vernichtungsspielzeug verhandelt und es ist nicht egal wer das marode Gesundheitssystem reformiert. Wenn es so wäre hätten wir uns alle über Bush nicht aufregen müssen.

faymann und pröllEinen Nebeneffekt hat die Wahlnacht allerdings auch gehabt. Österreichische Innenpolitik kann ich von nun an noch weniger ertragen, als das ohnehin schon der Fall war. Unpackbar und zum Glück für die Welt auch relativ irrelevant.

     


Von Affen und TalibanInnen

31.10.2008 by socke, filed under Lebensweisheit

Am Dienstag wählen die USA einen neuen Präsidenten. Nichts Neues, seit über einem Jahr wird wahlgekämpft. Einmal mehr werden evangelikale Christen (etwa 20% der Wahlberechtigten) den Urnengang entscheiden. Obama hat überhaupt nur deshalb Chancen, weil auch die gottesfürchtigen Fundis um ihren Kontostand bangen und Mc Cain wirtschaftspolitisch nichts zutrauen.

Evangelikale sind noch unheimlicher als herkömmliche Christen, weil sie doch tatsächlich die Bibel beim Wort nehmen. Freaks also, Abtreibungsgegner, Hardcore-Individualisten, homophobe und rassistische Mittelklasse. Sie sehen die Vereinigten Staaten als das neue Zion, sie fühlen sich von Gott auserwählt und berechtigt den Rest der Welt ins Licht zu führen. Zu Hause sind sie im sogenannten Bible Belt  bible beltzwischen Texas und Virginia und zu Hause unterrichten sie auch oft ihre Kinder, um sie vor den schädlichen Einflüssen staatlicher Schulen zu bewahren. Seit den 80er Jahren sind sie wieder auf dem Vormarsch, mächtiger und einflussreicher denn je. Dabei waren sie schon einmal geschlagen, von der Vernunft besiegt, der Lächerlichkeit preisgegeben. 1925 war das, in Dayton, Tennessee. Der Lehrer John Thomas Scopes stand vor Gericht, weil er in Biologie die Evolutionstheorie nach Charles Darwin unterrichtete. In Tennessee war das seit kurzem verboten, weil ja Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat, vor ungefähr 6000 Jahren. Und der Mensch wurde natürlich nach seinem Ebenbild geformt und ist sicher keine zufällige Weiterentwicklung irgendwelcher Primaten.affe Scopes wurde zu 100 Dollar Strafe verurteilt, der Prozess war trotzdem ein Meilenstein, denn Gott blieb die Beweisführung schuldig, die Vertreter der Anklage blamierten sich im Zeugenstand und die liberale Presse beider Küsten machte sich wochenlang über die einfältigen Hinterwäldler des Südens lustig scopes trial(zu sehen unter anderen in einem großartigen Film mit Spencer Tracey). Politisch waren die Fundis damit erledigt. Auf Jahrzehnte, bis ein gewisser George Bush senior mit ihrer Hilfe zum Präsidenten gewählt wurde. Wichtigstes Anliegen der neu formierten radikalen Christen ist neben der Abtreibungsfrage die Rückkehr der Schöpfungslehre an die amerikanischen Schulen. Kreationismus und Intelligent Design heißen die pseudowissenschaftlichen Disziplinen, die sich dem 6-Tage-Märchen verschrieben haben. darwin  

Es wird spannend, wieder einmal muss sich auch der alte Darwin einer Wahl stellen. Vote for Charles and fuck religion!  

 


Tatort Linz

30.10.2008 by kle, filed under Linz

tatorta

Ich schau' ja gerne Tatort. Fast jeden Sonntag. Nur bei einem Kommissar schalte ich um: beim Krassnitzer. Das ist dann immer Tatort auf österreichisch, sprich: g'miatlich, abgekupfert, langsam, fad.

Und was macht der Schweizer? Er bestellt sich einen Krassnitzer-Tatort in Linz. Das kostet nicht nur, sondern ist mir irgendwie sehr unangenehm; im Sinne von „fremdschämen“. Aber es sagt eigentlich alles, was man zur Kulturhauptstadt wissen muss.

Ob der Schweizer auch dutzende Drehbücher wegen „mangelnder Qualität“ oder „mangelnder Rotzigkeit“ abgelehnt hat?

 


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