Aufstand
Warum sich ein paar Leondinger nicht mehr so wohl fühlen
Fortsetzung:
Wie gesagt, Leonding ist eine Stadt zum Wohlfühlen. Auch ein Teil unseres Subversiv-Blogger-Teams ist in dieser Idylle aufgewachsen. In die Schule gingen wir aber in Linz, ein Grund warum sich heute in Leonding kein Feuerwehrmann mit Dreads findet. Andererseits hätten wir vielleicht keine ausgeflippten Frisuren, wenn wir in Leonding geblieben wären und uns ins Dorfleben integriert hätten. Aber egal. Als wir hörten, dass sich Leonding nun endlich (heuer) seiner Vergangenheit stellt und im Stadtmuseum (wunderschöne Location in einem der Türme der
Maximilianischen Befestigungslinie) eine Sonderausstellung zum Thema "Hitler und Leonding" organisiert wird, waren wir angenehm überrascht. Die Ausstellung ist nett und jedenfalls sehenswert (auch das berühmte Sofa steht dort). Viel Detail, wenig Zusammenhänge, aber wie gesagt sehr ok. Leondinger HobbyhistorikerInnen haben das Material zusammengetragen, begleitet wird das ganze von einer kleinen Vortragsreihe, in der ebendiese ihre Ergebnisse präsentieren. Keine Frage, dass wir uns einen Vortrag anhörten. Am 13.11. referierte Josef A. Kauer, der inoffizielle Stadthistoriker, der regelmäßig im Gemeindebrief zur Leondinger Geschichte schreibt, über Hitlers Leonding. Ein amateurhafter Vortrag, aber wie alles in Leonding ganz nett. Allerdings nur bis kurz vor Schluss.
Sein Conclusio war haarsträubend und skandalös, auch wenn das außer uns keinen zu stören schien.
Im Folgenden (sinngemäß) die wichtigsten Punkte seines Resümees:
- Vor allem die Appeasement-Politik Frankreichs und Englands habe den Aufstieg Hitlers ermöglicht
- Die Waffen-SS wäre zum Großteil eine ganz normale Kampfeinheit gewesen
- Urteile über die Beteiligten stünden uns "Nachgeborenen" nicht zu
- Nach 70 (!) Jahren Aufarbeitung sei es endlich an der Zeit einen Schlussstrich zu ziehen
- Frankreich z.B. hätte seine Verbrechen im algerischen Kolonialkrieg auch nicht aufgearbeitet
- Von den Menschen damals Widerstand einzufordern sei unangebracht, weil das einem Todesurteil gleichgekommen wäre
- Nach der Befreiung sind in Hörsching NS-Funktionäre mit Hakenkreuzsymbolen gekennzeichnet worden, das "ist ja dasselbe, was mit den Juden gemacht wurde"
Vor allem der letzte Punkt rief lautstarke Unmutsäußerungen unsererseits hervor, wie gesagt blieben wir damit aber alleine. Der Abend endete also mit einem Schock und auf die Wut folgte ein Anflug von Resignation. Nun gibt es zumindest drei Leondinger, die sich nicht mehr ganz so wohl fühlen. Trotzdem werden wir uns auch den nächsten Vortrag anhören. Alles weitere wird sich zeigen, eines ist aber sicher: Wir werden uns nicht in unser Großstadtidyll zurückziehen und das Dorf Dorf sein lassen. Einmischen ist angesagt! Wer Ideen hat ist herzlich eingeladen mitzumachen!
Yes they did it
Virginia, Colorado, New Mexico, Nevada - Südstaaten, Cowboyland, seit Jahrzehnten fest in republikanischer Hand, haben vorgestern gemeinsam mit allen swing states und den demokratischen Hochburgen Barak Hussein Obama zum ersten nicht-weißen Präsidenten der USA gewählt. Vor zwei Jahren noch undenkbar. Die höchste Wahlbeteiligung seit 100 Jahren und eine noch nie dagewesene Welle der Euphorie hat diesen historischen Schritt möglich gemacht. Und freilich George W., der unbeliebteste Präsident der Neuzeit, der acht Jahre lang den Boden dafür bereitet hat.
Darf sich ein Linker darüber freuen?
Obama kann nicht zaubern, auch ist er kein Sozialist, er wird den Kapitalismus nicht abschaffen, wird die gleichgeschlechtliche Ehe nicht zulassen, er wird kein schärferes Schusswaffengesetz initiieren und auch er wird nicht mit Osama verhandeln.
Trotzdem ist es eine Zeitenwende. Erstmals haben sich die demographischen Verschiebungen der letzten 20 Jahre auch auf ein Wahlergebnis ausgewirkt. Endlich dominiert nicht mehr das Land über die Stadt. Endlich sind auch die Jungen zur Wahl gegangen, und die Schwarzen und die Hispanics. Endlich ein Präsident, der eine zeitgemäße Biographie hat, teilweise im Ausland aufgewachsen ist, eine lukrative Karriere als Top-Jurist ausgeschlagen hat und für 12 000$ im Jahr als Sozialarbeiter tätig war. Wichtiger als die Person ist die Wahlbewegung, die ihn ins weiße Haus getragen hat. Wer die Videos von den spontanen Partys in den Straßen rund um den Globus gesehen hat, bekommt einen kleinen Eindruck, was politische Mobilisierung bewirken kann. Sogar George W. wurde um seinen unverdienten Schlaf gebracht, als Tausende das Weiße Haus umlagerten und ausgelassen feierten. Es war ergreifend zu sehen, dass sogar der alte Haudegen Jesse Jackson die Freudentränen nicht zurückhalten konnte.
Also um die Frage zu beantworten: Ja, ich freue mich. Scheiss auf linken Dogmatismus und Radikalkritik an allem und jedem, zumindest heute und morgen. Es ist nicht egal wer im Weißen Haus sitzt, es ist nicht egal ob Obama oder Bush/McCain die Verhandlungen über eine globale Regulierung der Finanzmärkte führen. Es ist nicht egal wer künftig mit den iranischen Mullahs über ihr Vernichtungsspielzeug verhandelt und es ist nicht egal wer das marode Gesundheitssystem reformiert. Wenn es so wäre hätten wir uns alle über Bush nicht aufregen müssen.
Einen Nebeneffekt hat die Wahlnacht allerdings auch gehabt. Österreichische Innenpolitik kann ich von nun an noch weniger ertragen, als das ohnehin schon der Fall war. Unpackbar und zum Glück für die Welt auch relativ irrelevant.
Hallelujah
Ein neuer Höhepunkt der Daily Soap österreichischer Innenpolitik als Farce wurde definitiv am vergangenen Mittwoch, 03.09.08 mit dem Auftritt von Alfons Adam, seines Zeichens selbsternannter gottgesandter Spitzenkandidat der Kleinpartei „Die Christen“ (vgl. Kapitalismushygiene ) in der ZIB 2 erreicht.
Die Sehnsucht nach dichotomer Vereinfachung (vgl. Die Fratze des Bösen) liegt mir fern, doch drängt sich die Vermutung auf, dass dieser Herr ein direkter Abgesandter der Hölle ist (wo er sich wahrscheinlich besinnend auf seinen Namensvetter Adam, dem biblischen Ursprung des männlichen Geschlechts, zum Retter anachronistischer Männlichkeitsideale aufschwang).
Fassen wir die Fakten zusammen: Da wurde uns ein Herr präsentiert, der offensichtlich größte Mühe hatte, seine cholerische Ader vor der Kamera zu beherrschen.
Zunächst wurde den ZuseherInnen zugemutet, dass Rumpelstilzchen sich zur Frage der Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruches positionieren darf. Offensichtlich ohne jegliche sachliche Qualifizierung – wie auch bei den übrigen Themen, aber das qualifiziert ja offenbar gerade für unsere Soap – fordern die Christen, Abtreibung unter Strafe zu stellen. Nun ist ja bekannt, dass die Strafbarkeit von Abtreibungen noch nie zu einem Anstieg der Geburtenraten, sondern maximal zu höherer Frauensterblichkeit geführt hat. Abtreibung gab und gibt es immer schon – die Zeiten, in denen diese von EngelmacherInnen oder selbst, z. Bsp. mit Stricknadeln vorgenommen wurden, sind noch gar nicht so lange vorbei.
Im Falle einer Vergewaltigung sei prinzipiell auch das ungeborene Leben zu schützen, man müsse jeden Einzelfall eben genauestens prüfen – und das kann Herrn AA zufolge ja wohl nur bedeuten …. prüfen, ob überhaupt eine Vergewaltigung vorliegt. Und ob die betroffene Frau nicht möglicherweise selbst daran schuld sein könnte. Was muss sie sich denn überhaupt allein, ohne Begleitschutz oder Öffentlichkeit mit Männern treffen oder überhaupt außerhalb des familiären Rahmens bewegen?
Hauptanliegen der Christen ist es nämlich, dass „die Österreicher wieder mehr Kinder bekommen“ und dass diese Kinder „gesund an Geist und Körper heranwachsen können“. Was aber nur möglich ist, wenn Mann und Frau ihre „natürlichen und gottgewollten“ Rollen übernehmen, so Alfons Adam. Daher sollen Kindergrippen geschlossen werden, weil
die Babies (und die Ehemänner) ihre Mammies (bzw. Ehefrauen) zu Hause brauchen. Und staatliche Familienleistungen sollte es dann auch nur für solche Familien geben – ein unglaubliches Sparpotential tut sich auf, denn wie wir wissen, wird in Österreich fast jede zweite Ehe geschieden. Und wenn wir Patchworkfamilien als unnatürlich und nicht gottgewollt betrachten, sollten sie auch keine Familienleistungen erhalten?
Selbstverständlich soll es keine Anerkennung, geschweige denn Ehe für Homosexuelle geben. Homosexualität ist ja „eine Krankheit“. Wissenschaftlich kann Herr Alfons Adam diese Aussage zwar nicht begründen (nona), aber er bietet gleich geifernd an, „einen Kontakt herzustellen“: Man möge doch einen ihm bekannten „geheilten Homosexuellen“ in die ZIB 2 einladen, der die Sache dann eindeutig klären könne. Bitte nicht.
Schließlich gibt er noch seine nach eigenen Angaben von der Paneuropabewegung inspirierten Vorstellungen über die Entwicklung der EU preis. Er sei ein vehementer Befürworter der europäischen Einigung, aber keinesfalls in der jetzigen Form, wo Gender Mainstreaming als Staatsideologie aufgezwungen werde. Vermutlich würde er eine inhaltliche Kehrtwende des Gender Mainstreaming vornehmen, so er denn könnte. Nach allem, was wir bisher wissen, könnte die von den Christlichen intendierte Definition in etwa lauten:
Gender Mainstreaming. Seit dem Mittelalter bewährte Praxis, wobei die Hexen eines Dorfes (Gender=“soziokulturelles Geschlecht“=Frevel an der gottgewollten und natürlichen Geschlechterordnung, der sowohl von Männern, als auch von Frauen betrieben werden kann) mit einem Mühlstein um den Hals in den Hauptfluss eines Dorfes oder einer Stadt (Mainstream) geworfen werden. In Österreich bot sich für das
Gender Mainstreaming seit jeher besonders die Donau an. Daraus entwickelten sich eigene lokale folkloristische Traditionen und Ausdrucksformen, z. Bsp. die Bezeichnung für die Mühlsteine im Wiener Raum: die Donauwalzer. Oder so.
Nach der unglaublichen Vorstellung in der ZIB 2 bleiben drängende Fragen offen:
Was passiert mit jenen, die trotz der gottgewollten natürlichen HERRlichkeitsordnung nicht gesund an Körper und Seele aufwachsen können?
Wie konnten „Die Christen“ es nur auf den Stimmzettel schaffen? Bieten FPÖ und BZÖ nicht mehr ausreichend Identifikationsfläche, um das heimische Idioten-, Ignoranten-, Faschisten- und Nationalsozialistenpotential aufzufangen?
Da es sich bei den Christen offenbar um eine österreichische Variante der international gefürchteten Fundamentalisten handelt – warum kommt hier nicht § 278a StGB, Bildung einer kriminellen Vereinigung zum Einsatz? Man könnte Herrn Alfons Adam doch zumindest bis nach der Wahl einsperren, sagen wir für 100 Tage?
Und schließlich, ganz egoistisch die Frage – wenn es zu einer
Koalition ÖVP und „Die Christen“ kommt – was werden die dann mit mir machen? Mich einsperren oder Gender Mainstreaming?
Schade, dass bei so viel Sprengstoff die Kommunisten völlig untergegangen sind. Mirko Mesner hat nur durch platte, zwar ideologisch korrekt kommunistische, aber leider doch nur populistische Forderungen und einen eklatanten Mangel an allem, was in die Nähe von konkret oder fundiert kommen könnte geglänzt. Leider auch bei der Begründung für das Nicht - Zustandekommen eines Linken Bündnisses. Es riecht nach Scharmützeln und Schrebergartenpolitik. Aus größeren und kleineren Zusammenhängen wohl bekannt. Ja, nicht nur die SPÖVP hat Koalitionsprobleme.
Die Idee der Sendung war spannend: Die Verteidiger von Gottes Willen und natürlicher Ordnung mit den Verfechtern von Religion als Opium fürs Volk zusammen zu bringen. Rausgekommen sind Vier Fäuste für ein Hallelujah. Danke Armin Wolf.
Das etwas andere Eva-Prinzip
Im Sommer 2006 veröffentlichte die (bald darauf) ehemalige ARD- Tagesschausprecherin und journalistische Dumpfbacke Eva Herman ein vielzuvieldiskutiertes Buch über die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Sie plädiert in "Das Eva-Prinzip" für eine Rückkehr zu den klassischen Rollenverhältnissen, Frauen sollten ihr Glück in der Mutterschaft suchen und auf egoistische Alleingänge (gemeint sind Karriere und Unabhängigkeit) verzichten. Wirklich tragisch ist, dass ausgerechnet die biblische Eva für den Titel dieses reaktionären Werkes herhalten musste, da sie ja eigentlich der mythologische Ausgangspunkt für Subversion und damit Emanzipation ist.
Mein Blogger- Kollege Hans Hochhaus hat bereits im April von der subversiven Eva berichtet. Gerade für unsere vom institutionalisierten Christentum gebeutelte Gesellschaft eine wichtige Erkenntnis und Grund genug die Thematik noch etwas zu vertiefen.
In seiner Vorlesung "Subversive Theorie" im WS 1989/90 an der FU Berlin ging der Politikwissenschaftler Johannes Agnoli der Geschichte der Subversion nach und skizzierte diese von ihren Anfängen im "Paradies" bis zur Französischen Revolution.*
Emanzipation als Produkt und Folge der Subversion bedeutet für Agnoli vor allem die Subjektwerdung des Menschen. Sowohl in der christlichen, als auch in der griechischen Mythologie ist der Mensch Objekt des einen Gottes bzw. der olympischen Götterschaar. Er ist unwissend, manipulierbar, ein unbewusster pflanzlicher Gegenstand. Als solcher lebt es sich ganz gut im Paradies, ein bisschen wie im Freigehege, aber immerhin. Adam fühlt sich ausgesprochen wohl und hört nur auf die Stimme seines Schöpfers. Ausgerecht die doppelt abgeleitete/abhängige Eva (abgeleitet von Gott und dann auch noch geformt aus Adams Rippe) aber, gibt sich nicht mit diesem Urzustand zufrieden. Sie vollzieht als erste in unserer Mittelmeerkultur den Schritt vom Objekt zum Subjekt, vom unbewussten zum bewussten Menschen, vom Mythos zum Logos, vom Glauben zum Denken. Das alles indem sie der Stimme der Ratio und nicht der Stimme Gottes Gehör schenkt und sich gegen die göttliche Ordnung auflehnt. Laut dieser darf nur der Schöpfer wissen, was Gut und was Böse ist, der unwissende Mensch ist somit ganz auf ihn angewiesen, das Ordnungsprinzip ist das Verbot vom Baum der Erkenntnis zu essen.
Eva bricht mit der Fremdbestimmung und Abhängigkeit, weil sie den Rat der Schlange befolgt und herzhaft zulangt (obs ein Apfel war ist bis heute umstritten, in der Bibel steht nichts davon). Wie fast immer in der Geschichte reagiert auch Gott auf Subversion mit Repression und schmeisst den armen Adam und die aufmüpfige Eva aus seinem Kleingarten.
Warum hat sich das im Religionsunterricht ganz anders angehört? Warum ist Eva nicht cool, sondern diejenige, die Schuld daran hat, dass wir aus dem Paradies geflogen sind und uns mit Hunger, Arbeit, Krankheiten, Alter und Schlechtwetter herumplagen müssen?
Das Christentum war anfangs ein vielfältiges und buntes Sammelsurium an Sekten, Glaubensgemeinschaften und Denkschulen, die nach und nach mit Feuer und Schwert ausgerottet bzw. von der Institution der Kirche aufgesaugt wurden. So z.B. die Ophiten, die Gott als das Böse ansahen und die Schlange als Vertreterin Luzifers (ein zu Unrecht von Gott gestürzter Engel) positiv interpretierten. Hätten sie sich durchgesetzt würde die Geschichte wohl etwas anders gepredigt werden. Der emanzipatorische Charakter der neuen jüdischen Glaubensrichtung wurde aber spätestens als sie römische Staatsreligion wurde endgültig ins Gegenteil verkehrt und ad absurdum geführt.
Schade drum? Irgendwie schon..
* Agnoli, Johannes: Subversive Theorie. "Die Sache selbst" und ihre Geschichte. Eine Berliner Vorlesung; ca ira Verlag, Freiburg, 1999
Neues aus Bayern
Wer schon einmal eine unerwünschte -click- Demo bei unseren bayrischen Nachbarn miterlebt hat, weiß, dass das kein Honiglecken ist. Marschieren auf Tuchfühlung mit der Ordnungsmacht, Bundesgrenzschutz an beiden Seiten, Vermummungsverbot, penibles Abfilmen der TeilnehmerInnen, USK- Greiftrupps an jeder Straßenlaterne und zwecks statistischer Rechtfertigung des Polizeiaufgebots willkürliche Verhaftungen gegen Demo- Ende. Was eigentlich kaum noch zu toppen ist, hat die (noch) absolutistisch regierende CSU ehrgeizig in Angriff genommen.
Die Herausforderung: Wie verunmögliche ich künftig jedwede Unmutsäußerung auf der Straße, ohne das im Grundgesetz zugesicherte Demonstrationsrecht offiziell abzuschaffen (was auch ein noch so eigenwilliger Freistaat nicht kann).
Die Lösung: Ich demontiere es Stück für Stück
Zu diesem Zweck plant die bayrische Landesregierung ein neues Versammlungsrecht, für den Würzburger Verfassungsrechtler Helmuth Schultze-Fielitz die „stärkste Einschränkung der Versammlungsfreiheit seit den fünfziger Jahren“ -click-
Hier ein paar Highlights:
- Künftig fallen schon Meinungsäußerungen von zwei Personen unter das Versammlungsrecht [Art. 2 (1)]
- Der Name der AnmelderIn muss auf sämtlichen Demoaufrufen abgedruckt sein [Art. 3 (3)]
- Die AnmelderIn muss „geeignete Maßnahmen ergreifen“ um einen „gewalttätigen Verlauf der Versammlung“ zu unterbinden [Art. 4]
- Passiert dennoch was, muss die Versammlung sofort beendet werden, schafft die AnmelderIn das nicht umgehend, droht ein Jahr Haft [Art.4 (3)]
- Wer sich nicht umgehend von einer aufgelösten Versammlung entfernt, riskiert eine Festnahme und bis zu 3000 € Strafe [Art. 5 (3)]
- Militanzverbot: untersagt das Tragen gleichartiger „Kleidungsstücke als Ausdruck einer gemeinsamen politischen Gesinnung (...) sofern damit eine einschüchternde Wirkung verbunden ist “ [Art.7 (1)]; und weiter die Teilnahme (!) „an einer [...] Versammlung (...) die dazu beiträgt, dass die Versammlung oder ein Teil hiervon (...) paramilitärisch geprägt wird oder sonst den Eindruck von Gewaltbereitschaft vermittelt und damit eine einschüchternde Wirkung verbunden ist.“ [Art. 7 (2)]; Bei Verstoß droht erneut bis zu einem Jahr Haft
- Art. 9 (2) u. (3) legalisiert die bisher ungesetzliche aber gängige Praxis des massiven Abfilmens der Demos
- Die Anmeldung muss künftig 72 Stunden zuvor passieren, die Polizei kann VersammlungsleiterInnen als ungeeignet ablehnen, ebenso OrdnerInnen [Art.13 (1) (5) (6)]
- Generelles Versammlungsverbot rund um das Landhaus in München [Art.17] -click-
Die Erfahrung zeigt, dass bayrische Vorstöße in Sachen Repression rasch auch auf das restliche Bundesgebiet übergreifen und irgendwann zu geeignetem Anlass auch das ohnehin demonstrationsarme Österreich einholen. Alle jetzt vielleicht verunsicherten Ärzte und Milchbauern darf ich aber beruhigen, das alles gilt natürlich nur für wirklich unerwünschte Manifestationen.
Auch NC vom Winde verweht
Nach längerer Auszählerei ist nun eine weitere Bastion des Südens gefallen. North Carolina wählte Obama.