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Erfindung


"I saw two shooting stars last night..."

25.10.2008 by kle, filed under Erfindung
 
space chavez

 

Hugo Chavez mag zwar nicht die Befreiungsikone sein, auf die wir vor einigen Jahren noch gehofft haben, aber er fügt sich gut in die globale Entertainmentmaschine der medialen Politinszenierung. Gute Freunde schwärmen heute noch von den stundenlangen „Alo Presidente!“-Sendungen, die Chavez allsonntäglich für bekiffte Polittouristen und seinen Fanclub abzuhalten pflegt. Ich erinnere mich gut an den schwefeligen Geruch des Satans, den Hugo am Rednerpult George Bushs vor der UN wahrgenommen haben wollte.

 

Aber Kiffen hin und realpolitische Hoffnungen her: endlich gibt’s wieder Visionen! Nach dem bösen Westen, China und Indien schießen nun die Linken raffinierte Technik ins Universum: der venezuelanische Satellit „Simon Bolivar“ wird künftig den Globus umrunden. Laut Wissenschaftsministerin Nuris Orihuela um auch den Armen Latein- & Südamerikas eBillyBraggndlich Partizipation an moderner Kommunikation zu ermöglichen (Handytelefonieren und 100 TV-Sender); die Gründung eine karibischen Waltraumorganisation soll folgen.

Dem popkulturell sozialisierten Blogger bleibt mit Billy Bragg nur eine Frage: „Is it wrong to wish on space hardware?“

 

Alo Presidente 1

Alo Presidente 2

Alo Presidente 3

 


Profi am Werk

18.08.2008 by Harald Schmutzhard, filed under Erfindung, Untergraben, Aktion

Wahlplakate zu verändern und mit etwas Kreativität deren Botschaften zu unterlaufen ist ja ein "traditioneller" Denksport in Vorwahlzeiten. Das untenstehende Beispiel zeugt aber von einer Professionalität die nur durch langjähriges eigenhändiges Plakatieren zu erreichen ist. Hut ab und tiefer Kniefall vor der UrheberIn - oder ist die subversive Tat bereits in der Logistik der Werbefirma passiert und nicht erst durch das Arbeitsproletariat (mit dem Kleisterpinsel in der Hand)?

Die "echte" Wahl

 


Feuchtgebiete 1: Die Lektüre

08.08.2008 by Rosa Abart , filed under Erfindung, Untergraben, Lebensweisheit, Aktion

FeuchtgebieteIm Frühjahr 2008 erschienen, avancierte Charlotte Roches Debütroman Feuchtgebiete (Dumont) - als Skandalroman gehandelt - rasch zum Bestseller. Im kommenden Herbst wird der Roman  am Neuen Theater in Halle als gleichnamiges Stück erstmals inszeniert. hier gehts zum link

Feuchtgebiete erfreut sich in erstaunlich vielfältigen LerserInnenkreisen großer Beliebtheit. Offenbar entspricht die Wirkung dem Inhalt: Wie bei einem schrecklichen Unfall gibt es viele Schaulustige. Angeregt durch die sehr unterschiedlichen Rezeptionen der AugenzeugInnen  und die öffentliche Diskussion steht das Werk nun auch in meinem Bücherregal, zwischen Catherine Millet und Virginie Despentes. 

 

Die Geschichte handelt von der erst 18jährigen Helen Memel, die nach einer missglückten Intimrasur auf der Inneren Abteilung eines Krankenhauses liegt und sich nicht nur den als „unmädchenhaft“ geltenden Stellen ihres Körpers widmet, sondern auch den langsam und im Verlauf des Romans immer stärker auseinander klaffenden Wunden ihrer Seele.  Roche

 

„Ich sehe meinen Roman ja durchaus als Masturbationslektüre: Es gibt eine nachdenkliche Ebene, und es gibt die Ebene, die Männer und Frauen aufgeilen soll“, so die Autorin im Süddeutsche-Interview

.

 

Die literarische Verschränkung dieser beiden Ebenen ist im Roman auch sehr gut gelungen, Lust und Verletzlichkeit durch den eigenen Körper werden in provokanten, amüsanten und berührenden Episoden thematisiert. Wirklich ekelerregend sind nur die wenigsten Stellen, vor denen mich der Buchhändler beim Erwerb des Werkes auch gleich eindringlich zu warnen versuchte. Der Eindruck, der bereits aus der öffentlichen Diskussion des Romans entstanden ist, mit seitenweise Brechreiz erweckenden Ausführungen provozieren zu wollen, bestätigte sich bei der Lektüre überhaupt nicht. Einzig die „Gulaschmahlzeit“ und die eigenwillige Art der Toilettenreinigung lesen sich als Überschreitung, andere Schmankerl aus Helens „Körperrecycling“ kommen eher lustig daher.

Letztendlich ist das Scheidungskind Helen auf der Suche nach Zuwendung. Sie ist eine zerbrechliche Antiheldin, die Tabus bricht, weil ihre Familie zu den Fragen, die ihr auf der Seele brennen, schweigt. Witzig und traurig zugleich ist der Roman unbedingt lesenswert (!!!) und noch eines auf jeden Fall: subversiv. Gängige Identitätsangebote und Verhaltensregeln für Frauen werden auf radikale Weise – zumindest literarisch – untergraben (für die Praxis sind wir ja selbst zuständig ;). Ganz nebenbei gibt’s auch noch brauchbare Tipps zur Avocadozucht. Ein Happy End findet aber nur, wer eines haben will…

Avocado 

 


Erfolgreicher Utopist

31.07.2008 by Rosa Abart , filed under Erfindung, Wien, Lebensweisheit

Erfolgreicher Utopist… ja, Utopien denken, … denn der (einzige?) Vorteil des Moratoriums ist ja, dass mensch in der Zwischenzeit wenn schon realistischerweise nicht hoffen, so doch zumindest Visionen entwickeln und sich den Luxus zu träumen gönnen kann…

Von Utopia und daraus folgenden philosophischen bzw staats- und stadttheoretischen Auseinandersetzungen ließen sich übrigens auch schon der eine oder die andere aus dem bürgerlichen Lager inspirieren, wenn auch aus deutlich pragmatischeren Motiven, z. Bsp. zur Erlangung eines Doktorgrades;))

Wir erinnern uns an einen amüsanten Vorfall: Vor gut einem Jahr meldete Plagiatjäger Stefan Weber Bedenken an der ausgerechnet  von Wissenschaftsminister Johannes Hahn 1987 eingereichten Dissertation "Perspektiven der Philosophie heute - dargestellt am Phänomen Stadt" an; und zwar wegen »Nichteinhalten grundlegender wissenschaftlicher Arbeitstechniken« : U.a. wären weite Teile von Leopold Kohrs  einige Jahre zuvor erschienenem Buch "Die überentwickelten Nationen" abgeschrieben worden, ohne entsprechend auf das Original zu verweisen.

Die Uni Wien verzichtete auf die Einleitung eines Plagiatprüfungsverfahrens, da laut Ombudsstelle der Universität Zürich, zuständig für Fragestellungen der guten wissenschaftlichen Praxis, nicht von einem Plagiat gesprochen werden könne. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, findet bei orf.at noch die Gegenüberstellung von Textpassagen aus Hahns Dissertation und Kohrs Buch. hier gehts zum link

 

 


Umverteilung anders

10.06.2008 by Harald Schmutzhard, filed under Erfindung, Niederlage, , Lebensweisheit, Aktion

umverteilungEin obdachloser Mann klinkte sich in die Datingbörse Millionairematch.com ein und überzeugte 13 Personen in sein neues Business-Venture zu investieren. Leider investierte er die so "erwirtschaftete" Summe von ca. 100.000 Dollar aber in Automaten von Spielcasinos. Siehe http://www.nbc10.com/


Scheiss Gentrification

31.05.2008 by gudrun_tieraerztin, filed under Erfindung, , Wien, Aktion

Kürzlich habe ich im Standard Immobilienteil einen neuen Wiener Gemeindebezirk entdeckt, den "SOHO-Bezirk". In diesem neuen "Künstlerviertel Wiens" kann ich mir geräumige (150 bis 250m²) Eigentumswohnungen mit Dachterrasse kaufen. Heute ist im Falter über das Soho-in-Ottakring-Phänomen (SIOP) und über Leute, denen Bezirke mit mehr als einer Ziffer eigentlich am Arsch vorbeigehen (darum heißt der 16. jetzt SOHO-Bezirk?) zu lesen. Und mir fällt ein, dass nicht nur Kieze in Hamburg oder Berlin Opfer übler Aufwertung werden/wurden, sondern auch Wien an diesem Phänomen teilhaben darf/wird.

Zurück zur Überschrift: mit dem Abwertungskit™ Bastelbogen vom Aktions-Netzwerk gegen Gentrification kann ich (sagen die ErfinderInnen aus Hamburg) die Mieten ab sofort selber drücken.

abwert

Hier gehts zum Download

"...mit wenigen Handgriffen lässt sich das Erscheinungsbild deiner Wohnung nach außen verschlechtern. Schon bald setzt der "broken windows effect" ein: Wohlhabende ziehen weg, Wohnungen sind nur noch schwer zu vermieten, die Preise purzeln in den Keller..."

aber aufgepasst: die optische Abwertung darf nicht übertrieben werden, denn sonst wittern die Investoren womöglich Street-Art hinter der Aktion, dazu fällt mir folgende Geschichte click von Diana Artus (Jungle World 30/2007) ein: Banksy veröffentlichte vor einiger Zeit eine an ihn adressierte E-Mail, in der ihn zwei Leute aus einer einfachen Wohngegend Londons bitten, seine Sachen in Zukunft woanders zu sprühen, da mehr und mehr Yuppies und Studenten -angelockt von seinen Schablonengraffiti- ins Viertel zögen in der Annahme, es sei jetzt cool...die nahe liegende Befürchtung der beiden war, dass sie sich bald keine Wohnung mehr in der Gegend leisten können.


Das radikale Nähkränzchen...

30.05.2008 by gudrun_tieraerztin, filed under Erfindung, Aktion, Theorie

... ist ab jetzt im Blog zu finden (war anfangs auf der Startseite):

Ein neues Strickmuster (erstellt mit knitPro) ist eingetroffen und für alle "FreundInnen der Subversiv Messe" als Download mit Strickanleitung bereitgestellt! Hier gehts zur Anmeldung als FreundIn!

fuco

 


Bombig: "Media Reality"

13.04.2008 by Maxi Mala, filed under Erfindung, Aktion

Am 17. Juni 2007 erregt eine Aktion der subversiven KünstlerInnengruppe ztohoven im tschechischen Frühstücksfernsehen zunächst für wenig Aufregung. Die Gruppe hatte sich in eine der Panoramabild-Kameras eingehackt und dem spärlichen Morgenpublikum eine Atombombenexplosion im tschechischen Riesengebirge präsentiert.

Durch die große Medienpräsenz  in den darauffolgenden Stunden und Tagen kann der Zweck der über drei Jahre vom Künstler Roman Tyc geplanten Aktion als geglückt gelten, der eine Diskussion über die "Manipulierbarkeit von TV-Bildern" anfachen wollte.

Die Aktion ist eine Reminiszenz an Orson Welles Hörspiel von 1938, welches basierend auf H.G. Wells Roman War of the Lords, einen Angriff Außerirdischer auf New Jersey so erfolgreich vortäuschte, dass Panik ausbrach.

Roman Tyc und die KünstlerInnengruppe erhielten für die fingierte Bombenexplosion übrigens nicht nur den Kunstpreis der Prager Nationalgalerie, sondern wurden am 25. März 2008 auch von der Anklage der "Panikmache" und der "Verbreitung falscher Informationen" freigesprochen.

 


Klassik

10.04.2008 by Maxi Mala, filed under Erfindung, Theorie

Kunst und politisch motiviertes Engagement als die klassischen Felder subversiver Praktiken werden hier wohl immer wieder im Vordergrund stehen. Prinzipiell bin ich aber auch für die Darstellung niederschwelligerer Projekte und Aktionen, ohne jedoch diesen Blog zur Kuriositätensammlung werden zu lassen.

Soweit der Anspruch.

Und jetzt gleich die Brechung, indem ich meine Beiträge an diesem Ort mit Subversionshistorie beginne.

Zwei unterschiedliche Klassiker: 

Das "Handbuch der Kommunikationsguerilla" , selbst sowohl Meilenstein als auch Grundlage subversiven Wissens bzw. subersiver ""Theorie"", leitet mit dem schönen Beispiel von Karl Marx und der Veröffentlichung des "Kapitals" ein. Das liest sich dann folgendermaßen:

"[...] Als Karl Marx im Jahre 1859 sein Werk 'Zur Kritik der Politischen Ökonomie' veröffentlichte, wurde es von den führenden deutschen Nationalökonomen schlicht ignoriert. Um dem 'Kapital' dasselbe Schicksal zu ersparen, organisieren Friedrich Engels und andere sofort nach Erscheinen des Buchs die Veröffentlichung von erfundenen Rezensionen und Kommentaren in verschiedenen Presseerzeugnissen. Um die 'bürgerliche Verschwörung' des Schweigens' zu durchbrechen, lancierte Engels unter falschem Namen regelrechte Verrisse des 'Kapitals' in der bürgerlichen Presse und zwang damit die Nationalökonomen zu einer Stellungnahme. Bis Juli 1868 erschienen mindestens 15 erfundene Rezensionen in bürgerlichen Zeitungen. Schon Marx und Engels lehren uns also, daß es manchmal nicht entscheidend ist, welchen Inhalt eine Berichterstattung hat, sondern eher, daß sie überhaupt stattfindet."

Das bürgerliche Zeitungs- und Meinungssystem kennen und für die eigenen Zwecke funktionieren zu lassen. Subversiv oder jenseits der Grenze zur Affirmation?


Brave Gewista

06.04.2008 by Hans Hochhaus, filed under Fussball, Erfindung, Wien

Die Gewista hat sich der Plakatszene angenommen. Mit edlen Motiven, wie wir meinen. Von ihrer Homepage erhalten wir die Infos dazu:

"Die GEWISTA hat es geschafft, die wesentlichen Vertreter der so genannten „Wildplakatierer-Szene“ ins Boot zu holen und ab Anfang 2008 wird die soeben neu gegründete KULTUR:PLAKAT GmbH eine sehr interessante Plakatwerbeform für die Veranstalter von Kultur- und Szeneevents anbieten. Zu äußerst kulanten Preisen können nun auch Veranstaltungen, für die nur ein kleines Werbebudget zur Verfügung steht, auffällig, attraktiv, imageträchtig und vor allem zuverlässig in ganz Wien beworben werden. Dies war bisher nicht möglich. Der neue Werbeträger (...) kann nun in ganz Wien gebucht werden. Er fügt sich elegant ins Stadtbild ein - schließlich soll sich Wien, auch in Hinblick auf die Fußball-EM 2008, von seiner schönsten Seite zeigen." (weiterlesen)

Und damit auch alles schön ist, werden die wilden Plakate grob heruntergespachtelt und mit "Plakatieren verboten"-Plakaten überklebt. Das ist subversiv und fügt sich schön ins Stadtbild ein. Damit die Fußballhooligans nicht von wilden Plakaten in ihrem ästhetischen Empfinden gestörrt werden.



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