Fussball
Das Geld macht alles möglich (Prediger 10:19, Einheitsübersetzung)
Neulich schauten zwei freundliche Jehova-Damen bei mir vorbei. Sie ließen den “Wachturm” und eine Sonderausgabe “Erwachet!” zum Thema Geld zurück. Da ich schon lange ein Fan von den Zeugen war, stürzte ich mich sofort auf die Lektüre. Und wirklich, gleich der Einstieg war ein echter Kracher! Da stand: “Krankheitsbild: Geldsorgen. Neuerdings leiden weltweit immer mehr Menschen unter einer Art Geldkrankheit.” Ein britischer Fachmann für psychische Krankheiten hat sogar noch eine Fachterminologie parat - das “Money Sickness Syndrom”. Zum Krankheitsbild gehören “Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen, unerklärliche Wutanfälle, Nervosität und negatives Denken.” Ich fühlte mich ertappt. Zumindest ein paar Symptome trafen haarschaf auf mich zu. Und dann
wurde noch ein Forschungsbericht zitiert der herausfand, dass sich manche Menschen “von Geld stark motivieren oder kontrollieren lassen.” Ob der ganzen Wissenschaftlichkeit wurde ich schon recht verunsichert. Schließlich war dem Artikel noch ein Checkbogen angehängt: “Beherrscht Geld mein Leben? Das kann der Fall sein, wenn....”
☐ ich Angst habe, das Thema Geld überhaupt anzusprechen
☐ ich zu unvernünftigen Spontankäufen neige
☐ ich nicht sicher bin, wie viel ich wirklich verdiene
☐ Rechnungen häufig höher sind als erwartet
☐ ich mehr arbeiten muss, nur um Rechnungen zu bezahlen
☐ mir regelmäßig vor dem Monatsende das Geld ausgeht
☐ ich zwanghaft versuche, an viel Geld zu kommen
Nun bin ich mir ziemlich sicher, dass der schnöde Mammon mein Leben regiert. Im Weg zu Gott werde ich versuchen meine Geldsucht zu heilen. Vielleicht kann Gott meine Schulden reinwaschen?
Fussball OHNE Rassismus - Arge ToR
Fussball und Politik teilen sich oft dieselbe Arena. Es gibt Klubs mit deklariert linken Fans und solche wo der Hitlergruß das Stadionbild dominert. Genug Gründe also, um sich nach dem Spiel abseits des Stations zu prügeln. Rassismus und Sexismus sind am Platz mindestens so präsent wie in der Gesellschaft insgesamt. Mit ersterem setzen sich engagierte Fans vom FC Blau-Weiss Linz auseinander, organisieren sich und treten rassistischen Tendenzen mit bunten Aktionen entgegen. Die Arge ToR sammelt Geld und mietet eine Werbebande im Donauparkstadion, auf der dann ein klares antirassistisches Statement zu lesen ist. Mangels regelmäßiger Meisterfeiern gibts einmal jährlich eine große Party in der KAPU, heuer mit Ausstellung, Wuzzelturnier, Bands, Infotisch und allerlei Spielchen. Mitgewuzzelt hat die "sportliche" Fraktion des Subversivmesseteams. Nach jahrelangem kräfteraubenden Training und bitteren Niederlagen kamen, sahen und siegten wir - endlich. Nach dem Glück im Spiel, warten wir nun etwas ängstlich auf das Pech in der Liebe... doch bis dahin genießen wir den Triumph.
Fotos: Katharina Lackner
Let's kick racism out of football!
Re:Fussball OHNE Rassismus - Arge ToR
was meint die doping-agentur?
Re:Fussball OHNE Rassismus - Arge ToR
leider alles regelkonform
es sei ihnen einmal vergönnt
immer wider österreich
zum glück gibt es die kategorie fussball. und heute haben die österreicher, wie immer wieder, verloren. blöd nur für kleki-petra, der sich auf das abenteuer ösi-trainer eingelassen hat. jetzt müssen nur noch die skispringer abstürzen, dann haben wir keinen sport-patriotismus mehr.
Re:Fussball OHNE Rassismus - Arge ToR
abstürzen?
mit tortenkanonen abschiessen!
Dopingagentur
die agentur hat uns nach dem sieg natürlich routinemäßig geprüft, aber der spiegel hat gereicht...
Ende der Fahnenstange
Das österreichische Fussballteam ist bei der Euro also doch noch ausgeschieden, Hickersberger zurückgetreten und das "Wunder von Wien" ausgeblieben. Für ein paar Tage, zwischen dem unverhofften Unentschieden gegen Polen und der verdienten Niederlage gegen Deutschland, wurde das Land von einer Patriotismuswelle überrollt, wie es sie normalerweise nur bei "ungerechten" Entscheidungen gegen "uns" gibt (z.B. der Ausschluss Karl Schranzs bei den olympischen Spielen 1972 oder auch die EU- Sanktionen gegen die schwarzblaue Bundesregierung im Jahr 2000).

Fussballpatriotismus hat in Österreich wie die jüngsten Ereignisse gezeigt haben immer etwas bizarres, hier verbindet sich der traditionelle (gesamtgesellschaftliche) Minderwertigkeitskomplex (gibts seit dem verlorenen österreichisch-preussischen Krieg 1866, spätestens aber 1918) mit einer fast schon habsburgischen Selbstüberschätzung, hinzu kommt noch katholischer Wunder(Aber)glaube.
Die Deutschen haben es vor zwei Jahren vorgemacht, als eine völlig totgeschriebene Mannschaft mittels deutscher Tugenden das Sommermärchen (PLatz 3.) möglich machte und Nationalfarben und Hymne endgültig salon- und feuilletonfähig wurden. Die letzten Skrupel wurden abgelegt (noch in den 70er Jahren war es deutschen Sportreportern untersagt allzu begeistert auf deutsche Erfolge zu reagieren, ein Torjubel à la Edi Finger sen. wäre undenkbar gewesen), der Nachfolgestaat des 3. Reichs kehrte zur scheinbaren Normalität zurück. Die Leitkultur- Debatte kurze Zeit davor hat dafür den Weg geebnet.

Österreich hatte wegen seiner Vergangenheit immer schon weit weniger Skrupel, fühlte sich eher schlecht behandelt als mitschuldig. Die deutsche Vorsicht mit Nationalismen fehlte beim kleinen Bruder genauso, wie eine adäquate Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit.
Obwohl ich kein Freund der DFB- Elf bin und die Arroganz deutscher Kommentatoren nur schwer ertrage, muss ich Ballack zu seinem Treffer gratulieren, denn hätte Österreich das Wunder von Wien geschafft, wären die letzten Grenzen des guten Geschmacks gefallen und der rot-weiß-rote Wahnsinn über uns Nicht-Patrioten hereingebrochen.
Und womöglich hätte sich der Gusi als Wellenreiter seiner Demontage nochmal entziehen können...
Halbzeitschnittchen und Freistoßluder
Dass eine enge Verbindung zwischen Nationalidentität und Fußball besteht, war ja schon immer klar. Leider war diese Verbindung traditionell vorwiegend dem männlichen Geschlecht vorbehalten, doch nun gibt die „Krone extra“ Entwarnung: „König Fußball ist längst keine reine Männerdomäne. Zum Glück! Denn vor allem Girls machen die Euro kess.“
Der Flaggenwahn war ja bereits im Vorfeld der EURO nicht zu übersehen: nicht nur Autos, Fenster und Balkongeländer werden mit Fähnchen bestückt, um die nationale Identität zum Ausdruck zu bringen, nein, auch Gassi geführte Hunde oder Horden an Volksschulkindern werden zu WerbeträgerInnen der Nation. Und nun fügt sich auch die Mode auf ihre Weise in die nationale Fußballeuphorie.
Die Kronenzeitung (wer sonst) stellt dafür gratis Rot-weiß-rot-Tattoos zur Verfügung (schließlich ist es „unsere Pflicht, mit allen Mitteln hinter unseren Fußballern zu stehen“), mit denen die Bevölkerung bereitwillig Wangen, Beine und Arme überzieht, gänzlich unbeeindruckt von den nicht gerade berauschenden spielerischen Leistungen der heimischen Mannschaft (die österreichische „jetzt-erst-recht“ – Philosophie…). Das Cape erlebt getarnt als Flagge ein Revival und exotische Kopfbedeckungen, vom Bierkrügerl bis zur Clownsperücke in Nationalfarben zieren die Häupter der lieben Fußballfans (die Regierung kann sich also die angekündigte Österreich-Imagekampagne sparen: wir sind nicht im Keller, wir sind die Rot-weiß-rote Narrengilde).
„Stolz auf Rot-weiß rot“ lautet der Dress Code der Saison. Der modische Exzess geht noch bedeutend weiter - nicht nur für die Republik Österreich und seine großen Söhne, auch für das weibliche Geschlecht bietet die EURO 08 Möglichkeiten, das Image zu polieren, die eigene Weiblichkeit neu zu definieren und sich im besten patriotischen Licht zu präsentieren (und wieder zeigt die Krone, wies geht): Die grölenden Massen zu ermuntern und mit Körpereinsatz bei Laune zu halten, wenn es am Spielfeld wieder einmal nicht so heiß hergeht, ist derzeit nationale Aufgabe des weiblichen Geschlechts. Kein Wunder, liegt doch die Analogiebildung nahe: Brüste sind ja eigentlich Bälle und beim Fußball geht’s ums Einlochen. Körperkontakt und sich gegenseitig Reibungsfläche zu bieten machen die Spiele überhaupt erst spannend.
Damit die Damen von Körpereinsatz nicht gänzlich ausgeschlossen sind, wurden von diversen Modelabels auch gleich eigene Kollektionen entworfen, die emanzipierte Rot-weiß-Rote Stimmung machen sollen: Titten werden als Fußbälle verpackt und mit „Spiel mit mir“ – Aufforderungen versehen. Knallenge Pants verkünden die Funktionen von „Halbzeitschnittchen“ und „Freistoßludern“ und für die weniger wohl geformten Körper sind XXL Shirts mit ermutigenden Sprüchen en vogue. Dagegen wirken die Sprüche der Tom Tailor Shirts fast radikalfeministisch: „Tausche Freund gegen Karten fürs Endspiel“.
Ein echter Fortschritt gegenüber den Zeiten, in denen sich unsere Aufgaben aufs Bier holen und Chips nachfüllen beschränkten.
Für die kleine Kassa kann frau sich in der Fanmeile auch einfach einen Fußballschal vor die Möpse halten oder nackt in eine Fahne hüllen, wie auf zahlreichen Abbildungen in diversen Kleinformaten demonstriert. Die Firma Turek hilft mit 20% Rabat auf rote und weiße Klamotten am Österreich Spieltag gegen Polen und wer bei all diesen Trends nicht mitspielt ist Flop – „Denn was wir sicher nicht brauchen, sind EURO Miesmacher“ (Krone).
Re:Halbzeitschnittchen und Freistoßluder
Nicht nur patriotische Damen-Arschbacken bereichern während des EM-Ausnahmezustands das private "Spielfeld", auch für die Freistoßluder selbst gibts was zum Gucken: prall gefüllte Herrenslips, die mit kreativen Fußball-Lines versehen sind, wos dann u.a. um "An die Latte", "Strafraum" oder "Freistoß" geht. Wie das dazugehörige Luder mit der sie konfrontierenden Situation umgeht, zeigt die auf einem Sujet abgebildete Damenhand (http://www.huberdiewaesche.com/).
Österreich ansehen!
Das gute Verhältnis zur „Kronen Zeitung“ wollte sich der Verkehrsminister W. Faymann offenbar nicht ruinieren. So erteilte er in Absprache mit G. Platter (Innenminister) rechtzeitig zur Fußball-EM einen Erlass, der das Mitführen nationaler Fahnen und Wimpel unter Straffreiheit stellt. Faymann: "Natürlich sollen patriotische Fußballfreunde ihr Auto mit dem österreichischen Wappen schmücken dürfen.“
Jetzt glaubt jeder Nationalist seine Gesinnung beim Auto raushängen lassen zu müssen. Fahnen werden staatsmännisch angebracht und stolz, steigende Benzinpreise ignorierend, ausgeführt. Alles erlaubt – selbst Adler mit Ball im Bauch- von der Kronenzeitung.
Falls jedoch jemand den patriotischen (Fußball-)Taumel mit einem Schmäh kontern will, wie jüngst die Initiative „Österreich zeigt Rückgrat“, als sie in ihrem Logo den Wappenadler mit einem Ball am Kopf abbildeten, gilt zero tolerance. Ein engagierter Polizist hat das Logo angezeigt. Das Strafamt des Stadtmagistrats verhängte kurzerhand eine Geldstrafe von 1500 Euro. Nächste Woche geht es in die Rückrunde.Brave Gewista
Die Gewista hat sich der Plakatszene angenommen. Mit edlen Motiven, wie wir meinen. Von ihrer Homepage erhalten wir die Infos dazu:
"Die GEWISTA hat es geschafft, die wesentlichen Vertreter der so genannten „Wildplakatierer-Szene“ ins Boot zu holen und ab Anfang 2008 wird die soeben neu gegründete KULTUR:PLAKAT GmbH eine sehr interessante Plakatwerbeform für die Veranstalter von Kultur- und Szeneevents anbieten. Zu äußerst kulanten Preisen können nun auch Veranstaltungen, für die nur ein kleines Werbebudget zur Verfügung steht, auffällig, attraktiv, imageträchtig und vor allem zuverlässig in ganz Wien beworben werden. Dies war bisher nicht möglich. Der neue Werbeträger (...) kann nun in ganz Wien gebucht werden. Er fügt sich elegant ins Stadtbild ein - schließlich soll sich Wien, auch in Hinblick auf die Fußball-EM 2008, von seiner schönsten Seite zeigen." (weiterlesen)
Und damit auch alles schön ist, werden die wilden Plakate grob heruntergespachtelt und mit "Plakatieren verboten"-Plakaten überklebt. Das ist subversiv und fügt sich schön ins Stadtbild ein. Damit die Fußballhooligans nicht von wilden Plakaten in ihrem ästhetischen Empfinden gestörrt werden.
Re:Das Geld macht alles möglich (Prediger 10:19, Einheitsübersetzung)