Lebensweisheit
Das Geld macht alles möglich (Prediger 10:19, Einheitsübersetzung)
Neulich schauten zwei freundliche Jehova-Damen bei mir vorbei. Sie ließen den “Wachturm” und eine Sonderausgabe “Erwachet!” zum Thema Geld zurück. Da ich schon lange ein Fan von den Zeugen war, stürzte ich mich sofort auf die Lektüre. Und wirklich, gleich der Einstieg war ein echter Kracher! Da stand: “Krankheitsbild: Geldsorgen. Neuerdings leiden weltweit immer mehr Menschen unter einer Art Geldkrankheit.” Ein britischer Fachmann für psychische Krankheiten hat sogar noch eine Fachterminologie parat - das “Money Sickness Syndrom”. Zum Krankheitsbild gehören “Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen, unerklärliche Wutanfälle, Nervosität und negatives Denken.” Ich fühlte mich ertappt. Zumindest ein paar Symptome trafen haarschaf auf mich zu. Und dann
wurde noch ein Forschungsbericht zitiert der herausfand, dass sich manche Menschen “von Geld stark motivieren oder kontrollieren lassen.” Ob der ganzen Wissenschaftlichkeit wurde ich schon recht verunsichert. Schließlich war dem Artikel noch ein Checkbogen angehängt: “Beherrscht Geld mein Leben? Das kann der Fall sein, wenn....”
☐ ich Angst habe, das Thema Geld überhaupt anzusprechen
☐ ich zu unvernünftigen Spontankäufen neige
☐ ich nicht sicher bin, wie viel ich wirklich verdiene
☐ Rechnungen häufig höher sind als erwartet
☐ ich mehr arbeiten muss, nur um Rechnungen zu bezahlen
☐ mir regelmäßig vor dem Monatsende das Geld ausgeht
☐ ich zwanghaft versuche, an viel Geld zu kommen
Nun bin ich mir ziemlich sicher, dass der schnöde Mammon mein Leben regiert. Im Weg zu Gott werde ich versuchen meine Geldsucht zu heilen. Vielleicht kann Gott meine Schulden reinwaschen?
Freiheitliche Mogelpackung
Unsere Freunde vom Ring freiheitlicher Jugend sind wirkliche Lausbuben. Ein nicht mehr ganz neuer Aufkleber der blauen Dumpfbacken sorgt jetzt für Aufregung. Er zeigt eine Zigarettenpackung der "Gemischten Sorte", versehen mit dem Hinweis "Zuwanderung kann tödlich sein". Der Chefdirigent des Linzer Brucknerorchesters, ein Gastarbeiter aus Ohio, fühlt sich diskriminiert und hat Anzeige erstattet. Besonders ärgerlich ist, dass die stupide Propaganda mit Steuergeldern finanziert wird (der RFJ erhält 20.000 Euro vom Land OÖ). Der Umgang mit der Kritik ist dann wieder mal typisch österreichisch. Der RFJ ist sich keiner Schuld bewusst und argumentiert: "...bei der Zuwanderung ist es wie bei Zigaretten: Ein und zwei Stück sind nicht gefährlich, in größeren Dosen konsumiert allerdings schon." Die bösartige und absurde Gleichsetzung von MigrantInnen und einem Suchtgift sagt eh schon alles. Hört man sich die reflexartige Rechtfertigung der Landes-FPÖ an, wird einmal mehr deutlich, wie schwer es die Kameraden in unserer links-linken Mediokratie haben, denn auch Lutz Weinzinger darf
das Kind nicht beim Namen nennen. Für ihn nimmt der Aufkleber Bezug auf einen Vorfall, "wo ein Zuwanderer von einem anderen Zuwanderer ermordet wurde." Klingt fast noch ein bisschen dümmer und ist es wohl auch, vom Widerspruch zu ersterer Erklärung mal ganz abgesehen. Die Beliebigkeit solcher "Argumentationen" und das zahnlose Desinteresse mit dem österreichische Medien sich für dumm verkaufen lassen, ist die eigentliche Tragödie. Blaue Abschottungsfantasien sind rassistisch, keine Frage. Vielleicht noch wichtiger ist aber, dass sie ein grundlegendes Element von Kultur und Zivilisation negieren, denn wenig ist in den Wissenschaften so unumstritten, wie die Tatsache, dass jede Kultur, jeder Fortschritt auch von Migration, Vermischung und Austausch geprägt ist. Migration ist konstituierender Bestandteil von Zivilisation und ich hab
keine Lust wieder auf die Bäume zu steigen. Die blauen Kameraden sind entweder bösartig oder ungebildet, womöglich sogar beides. Vielleicht sollten wir z.B. Kärnten abtrennen und ein paar Jahrzehnte Abschottung erproben lassen. Das darauffolgende böse Erwachen wäre heilsam für das ganze Land.
Wer nicht solange warten will, kann hier protestieren.
geister fahren!
nicht nur landeshauptmänner stellen im strassenverkehr eine ernste gefahr dar. nirgens gibt es so viele geisterfahrer wie in österreich und nirgens gibt es so viele krude begründungen, warum österreich noch nicht so weit sei. zum beispiel für homoehe oder kreisverkehr. gestern irritierte uns eine meldung im ö3-verkehrsfunk, die während 35 minuten 5 mal wiederholt wurde und in der letzten ansage so klang: "achtung, achtung, ein geisterfahrer ist auf der A7 der mühlkreisautobahn zwischen knoten linz und der vöest unterwegs. die polizei versucht seit einer halben stunde die 12 km-strecke abzufahren. wir, die geübten rechner, wunderten uns über die durchschnittsgeschwindigkeit von 24 km/h der streife. und dann, wie immer, "der geisterfahrer hat die autobahn verlassen". wie macht das der geisterfahrer? überlegt euch das mal genau. das ist eine finte. jedenfalls fuhren wir 6 stunden später wieder die a7 entlang, in die gegengesetzte richtung, und wieder (derselbe?) geisterfahrer. die polizei sperrte 2 tunnel und so weiter ...
aufnahmen von geisterfahrern gibt es auch. wer angst im strassenverkehr hat, sollte sich folgendes videolieber entgehen lassen.
Re:geister fahren!
das mit dem geisterfahrer hängt fundamental vom blickwinkel ab. so können es auch mal mehr werden. das habe ich mir mal gedacht, als in rumänien auf unserer spur plötzlich einige autos angefahren kamen.
Re:geister fahren!
Von Affen und TalibanInnen
Am Dienstag wählen die USA einen neuen Präsidenten. Nichts Neues, seit über einem Jahr wird wahlgekämpft. Einmal mehr werden evangelikale Christen (etwa 20% der Wahlberechtigten) den Urnengang entscheiden. Obama hat überhaupt nur deshalb Chancen, weil auch die gottesfürchtigen Fundis um ihren Kontostand bangen und Mc Cain wirtschaftspolitisch nichts zutrauen.
Evangelikale sind noch unheimlicher als herkömmliche Christen, weil sie doch tatsächlich die Bibel beim Wort nehmen. Freaks also, Abtreibungsgegner, Hardcore-Individualisten, homophobe und rassistische Mittelklasse. Sie sehen die Vereinigten Staaten als das neue Zion, sie fühlen sich von Gott auserwählt und berechtigt den Rest der Welt ins Licht zu führen. Zu Hause sind sie im sogenannten Bible Belt zwischen Texas und Virginia und zu Hause unterrichten sie auch oft ihre Kinder, um sie vor den schädlichen Einflüssen staatlicher Schulen zu bewahren. Seit den 80er Jahren sind sie wieder auf dem Vormarsch, mächtiger und einflussreicher denn je. Dabei waren sie schon einmal geschlagen, von der Vernunft besiegt, der Lächerlichkeit preisgegeben. 1925 war das, in Dayton, Tennessee. Der Lehrer John Thomas Scopes stand vor Gericht, weil er in Biologie die Evolutionstheorie nach Charles Darwin unterrichtete. In Tennessee war das seit kurzem verboten, weil ja Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat, vor ungefähr 6000 Jahren. Und der Mensch wurde natürlich nach seinem Ebenbild geformt und ist sicher keine zufällige Weiterentwicklung irgendwelcher Primaten.
Scopes wurde zu 100 Dollar Strafe verurteilt, der Prozess war trotzdem ein Meilenstein, denn Gott blieb die Beweisführung schuldig, die Vertreter der Anklage blamierten sich im Zeugenstand und die liberale Presse beider Küsten machte sich wochenlang über die einfältigen Hinterwäldler des Südens lustig
(zu sehen unter anderen in einem großartigen Film mit Spencer Tracey). Politisch waren die Fundis damit erledigt. Auf Jahrzehnte, bis ein gewisser George Bush senior mit ihrer Hilfe zum Präsidenten gewählt wurde. Wichtigstes Anliegen der neu formierten radikalen Christen ist neben der Abtreibungsfrage die Rückkehr der Schöpfungslehre an die amerikanischen Schulen. Kreationismus und Intelligent Design heißen die pseudowissenschaftlichen Disziplinen, die sich dem 6-Tage-Märchen verschrieben haben.
Es wird spannend, wieder einmal muss sich auch der alte Darwin einer Wahl stellen. Vote for Charles and fuck religion!
Re:TalibanInnen
Sehr geehrte Socke,
der Plural von "Talibaan" ist "Talibanette".
Re:Von Affen und TalibanInnen
wohl eher noch talibaneuse, aber weibliche taliban können eh nicht lesen und schreiben..
Bilder auf Ebay
...Bilder die in den kommenden Tagen/Wochen/Monaten sicherlich nicht auf ebay versteigert werden...
Vol. 1:
ein euro fünfzig
die letzten wochen zeichneten sich durch eine schreckliche desolidarisierung aus. während regierungen rund um die uhr arbeiteen und sich um die rettung des okonomischen flows bemühten, lehnen sich die bevölkerungen zurück und legen ihr erspartes auf sparbücher.
nach einem kassasturz möchte ich diese passivität nun durchbrechen und zu einer bieterInnengemeinschaft zum ankauf der aua aufzurufen. ich steig mit einem euro fünfzig ein.
angebote bitte hier deponieren, vielleicht können wir nach linz schon mit sub-air fliegen oder dort jumbo-mäßig übernachten. bitte nur ernstgemeinte angebote!
Re:ein euro fünfzig
Blogliturgie und Wahlergebnis
Aber: die Liturgie des politischen Blog
ist streng und verlangt ein wenigstens kurzes Eingehen auf das
Wahlergebnis zur österreichischen Nationalratswahl 2008.
Zuerst das Gute: Wilhelm Molterer (oder „Pater Willi“, wie Jörg Haider und ich ihn nennen) ist endlich weg. Ein tapferer, kleiner Mann, dessen by-any-means-necessary-Haltung ich am Schluss schon fast respektvoll goutierte. Immerhin haben er und die Plassnik sich recht konsequent mit der Krone angelegt. Nichtsdestotrotz: endlich ist sie weg, die Zwiederwurz'n.
Dann das Zweitschlechte: Herr
Dichand und seine Partei haben "gewonnen". Das finde ich persönlich
und ... äh... „demokratiepolitisch“ (das ist mir jetzt
unangenehm) sehr bedenklich. Aber Darth Fader gewinnt nun mal gerne,
und Werner Skywalker wird schon noch sehen, was er davon hat.
Frühestens 2009 (eher später) will die EU wieder eine Abstimmungsrunde zu einem
abgeänderten EU-Vertrag angehen, spätestens dann wird Herr Dichand
den Preis für seinen Support fordern. Wahrscheinlich aber früher.
Dann das wirklich Schlechte: die
rechtsextremen Schwesterparteien BZÖ und FPÖ haben gemeinsam fast
30% der Stimmen errungen. Das kann man jetzt natürlich mit
„Proteststimmen“ begründen, es als „Denkzettel“ für die
„Streithanseln“ interpretieren. Oder aber man sagt: ein Drittel
der ÖsterreicherInnen trägt latent rechtsextremes Gedankengut mit
sich rum. Was wiederum auf eine weitere Schlechtigkeit
verweist: das Potential für bürgerlich-linke oder liberale
Parteien scheint nicht recht viel mehr als 10% zu betragen. Zumindest
deckt sich diese vorsichtige Mutmaßung des Herrn Filzi (der
Prohaska der Innenpolitik) mit meiner lebensweltlichen Wahrnehmung
des Wahlmobs.
Was das für uns (schreibtischarbeitende, suchtmittelgesetzumgehende, mehrheitsösterreichische, sozialversicherte BerufssuderantInnen) bedeutet: herzlich wenig. Für die, die jetzt schon in der Scheiße sitzen, wird’s aber sicher nicht besser: AsylwerberInnen, MigrantInnen, Prekarisierte, ArmutsgrenzeunterschreiterInnen, formal schlecht Gebildete.
Zum Schluss noch - Mein Koalitionstipp: Rot-Schwarz. Was wäre cool: Minderheitsregierung. Was sollte wirklich hurtig angegangen werden: Bleiberecht, Fremdenrechtsreform, Bildungsreform. Diese Sache mit dem Finanzkapital, dem sogenannten. Und das mit der Prohibition... aber davon träum' ich nicht einmal mehr. Goverments suck!
Man darf Dämlichkeit nicht mit Doofheit entschuldigen
Eine Binsenweisheit, gerade für das kleine liberale, intellektuelle, linke, ... Segment der österreichischen Wählerschaft. Gerne entschuldigt die sozialdemokratische Fraktion dieses Segments den moralischen, politischen und intellektuellen Niedergang der SPÖ mit ebenjener Doofheit der WählerInnen – wolle man zumindest das Schlimmste (die ÖVP?) verhindern, müsse die Partei eben vorbehaltslos mit an der Spirale schrauben und aktiv in den Niederungen der österreichischen Seele um Stimmen buhlen. Sicher sei das eklig, aber ansonsten bräuchte man ja nicht einmal antreten zur Wahl...
STOP! Das muss ja einmal ein Ende
haben! Man darf Dämlichkeit nicht mit Doofheit entschuldigen! Wer
glaubt, dass man die Wendewendewendepolitik der SP strategisch
rechtfertigen kann, wer argumentiert, dass der Kniefall vor Dichand
natürlich peinlich, aber letztendlich berechtigt (weil siegbringend)
ist, der verdrängt eines: der Sieg einer solchen Partei ist nicht
der einer linken Partei, die sich im Wahlkampf halt opportunistisch
gibt, sondern der einer opportunistischen Partei, die sich nicht
einmal im Wahlkampf links gibt. Ein roter Kanzler mag uns zwar aus
doofen (siehe oben) Gründen besser vorkommen als ein schwarzer, aber
politisch ist das dann angesichts der inhaltlichen Verluste kaum noch
argumentierbar.
Deshalb noch einmal: man darf Dämlichkeit nicht mit Doofheit entschuldigen!
Re:Man darf Dämlichkeit nicht mit Doofheit entschuldigen
Die Fratze des Bösen
Eine liebe Freundin zeigte sich bei der Filmbesprechung erstaunt über die sympathisch wirkenden PLO- Aktivisten, die die Bombe unter ihrem Bett scheinbar gar nicht verdient hätten. Ganz "normale" Männer, höflich, umgänglich, Familienväter - genau wie die israelischen Agenten auch. Da stellt sich die Frage: gibt es das Böse überhaupt? Die Dichotomie zwischen Gut und Böse bedient eine ureigene menschliche Sehnsucht nach Sicherheit, nach Klarheit. Gott ist gut, der Teufel böse. Dazwischen gibt's nichts, kein Platz für Schattierungen, Graustufen und differenzierte Sichtweisen. Wie einfach wäre das Leben, wenn diese christliche Schwarzweiß- Sicht funktionieren würde. Die einzige Herausforderung für die "Guten" bestünde dann darin, das Böse oder die Bösen zu erkennen und dann zu bekämpfen, zu verachten, nicht zu grüßen, aus der Partei auszuschließen oder im Bedarfsfall auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Als Kinder werden wir in dieser gefährlich- naiven Weltsicht sozialisiert. Das Erwachsenwerden konfrontiert uns dann immer öfter mit der grauen Realität. Klar hat der Mann Böses getan, aber warum? Weil er böse ist? Weil sein Vater schon böse zu ihm war? Gibt es etwa gute Gründe böse zu sein und ist das dann überhaupt noch böse? Jemanden zu töten ist eigentlich ein böser Akt. Hitler zu töten wäre eine Heldentat gewesen.
Die Aufklärung hat das dichotome Bild etwas relativiert, zumindest der Bildungselite ist klar, dass Gut und Böse keine Zustandsbeschreibungen und schon gar keine Wesensdefinitionen sind, sondern, den individuellen Handlungsspielraum der Menschen beschreiben. Geht es nach Karl Jaspers ist nicht das Ergebnis einer Handlung entscheidend für deren moralische Kategorisierung, sondern das Motiv, der Antrieb und die Mittel. Wer also aus niederen, triebhaften Motiven handelt, handelt böse, egal was dabei rauskommt. Umgekehrt spielen die oftmals verheerenden Konsequenzen von "gut gemeinten" Aktionen keine Rolle für deren Bewertung.
Rupert Neudeck ist so ein guter Mensch. So sieht er sich wohl selbst und auch Jaspers würde ihm dies bescheinigen. Mit seiner Hilfsorganisation Cap Anamur sammelt der zweifellos sympathische Aktivist Geld, um im Sudan Sklaven freizukaufen (Ja, Sklaverei gibt's noch und ein Ende ist nicht abzusehen). Für die einzelnen freigekauften Individuen bedeutet das die Rettung, sie werden wieder in ihre Dörfer zurückgebracht. Für das Problem der Sklaverei im Sudan insgesamt sind die Folgen derartiger Aktionen fatal, denn schon bald bildete sich ein regelrechtes Geschäftsdreieck heraus. Die NGOs sammeln Geld und bezahlen für die Ware Mensch, Zwischenhändler streifen einen guten Teil der Spenden ein und professionelle Menschenfänger sorgen für genug Nachschub. Die gut gemeinte Aktion führte zu einem dramatischen Anstieg der Verschleppungen, das Problem wurde verschärft, anstatt gemildert. Böse, oder nicht?
Re:Die Fratze des Bösen
Die Klassenlotterie
Mein subversives Potential erschöpft sich in einer rebellischen Adoleszenz und der nachhaltigen Umgehung des Betäubungsmittelgesetzes. Immerhin, möchte ich betonen, denn manche sind einfach nur so doof.
Der Werdegang ist also klassisch, vom Klein- zum Bildungsbürger, mit einigen Jugendsünden (ich habe z.B. im Jahr 1999 einmal die SPÖ gewählt, um Schwarz/Blau zu verhindern und habe mich auch manchmal ohne jeden Grund gerauft; für beides schäme ich mich sehr). Es verwundert in Folge nicht einmal mich selber, dass ich ohne einen Wimperzucker etwas wechsle, das manche Altvorderen „Klasse“ nennen. Also vom unmotivierten Arbeitnehmer zum unmotivierten Jungunternehmer (aka „Neuer Selbstständiger“) mutiere. Unfreiwillig, weil es mir wie vieles im Leben halt so passiert und die zufällig anwesende Abendessenrunde mich einhellig darin unterstützt hat. Und diese ganze Klassenrhetorik ja eh tendenziell großer Humbug ist.
Und jetzt stehe ich da, als
umsatzsteuerbefreiter Kleinunternehmer mit SVA-Selbstversicherung,
Angst vor der Einkommenssteuerprüfung und dem festen Vorsatz, nie
wieder krank zu werden. Weil soviel verdienen, dass ich mir 20%
Selbstbehalt beim Arzt leisten kann, möchte ich eigentlich gar
nicht. Ich bin nämlich insgeheim der Meinung, dass Verdienste im
vierstelligen Eurobereich die Unmoral fördern sowie überhaupt
deppert machen können.
Dass die arbeitsteilige Gesellschaft ihre Produktivkräfte auch durch individuelle Initiative zu neuen Höhen der Entfesselung führen muss, glaube ich Euch sofort. Sogar als guter Sozialist, der ich nicht bin. Aber eigentlich will ich damit nichts zu tun haben und ich sag's euch gleich: mit mir wird kein Wirtschaftswachstum bestritten und keine Rezession abgewehrt. Einberufen könnt ihr mich, aber wenn's ernst wird leg` ich mich auf die Couch und tu' das was ich am besten kann: ich umgehe das Betäubungsmittelgesetz.
Re:Die Klassenlotterie
die zufällig anwesende abendessenrunde lehnt jede verantwortung für deinen klassenverrat ab.
Re:Abendessenrunde
Die Abendessenrunde hieß mich freudig in ihrem Kreise willkommen!
Re:Das Geld macht alles möglich (Prediger 10:19, Einheitsübersetzung)