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Niederlage
Tja, nun ist es passiert. Chávez hat die Klappe nicht gehalten und entgegen meiner Prognose vom 7.1. ist vor wenigen Tagen eine Synagoge in Caracas überfallen worden. 15 Bewaffnete überwältigten das Sicherheitspersonal und tobten sich die ganze Nacht aus. Antijüdische und Pro-Islamische Parolen zieren nun die Wände des Tempels, Thora-Rollen wurden entweiht und die Bibliothek verwüstet. Dem Angriff waren verbale und diplomatische Auseinandersetzungen mit Israel vorausgegangen. Die Regierung hat sich zwar von dem Gewaltakt distanziert und verspricht umfassende Aufklärung der Straftat, einen Zusammenhang mit der antiisraelischen Rhetorik des Präsidenten will man naturgemäß aber nicht eingestehen. Chávez vermutet oppositionelle Kräfte hinter dem Überfall, der die venezolanische Regierung kurz vor dem wichtigen Referendum über eine unbegrenzte Wiederwahl des Präsidenten, diskreditieren soll. Denkbar wäre das, wahrscheinlicher ist jedoch, dass chávistische Gruppen oder z.B. die "Hisbollah Venezuela" ihre Finger im Spiel hatten. Selbst wenn die Opposition hinter dem antisemitischen Überfall stünden - möglich wurde dieser Schachzug nur durch die Polemik des Präsidenten rund um den Nahostkonflikt. Chávez hat das Klima dafür geschaffen und darf sich nicht wundern, wenn die eigenen Leute "drübergehen" oder die Opposition eine taktische Gelegenheit wie diese nutzt. Vergessen wir nicht, dass in Venezuela quasi bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen und im Krieg ist jedes Mittel recht. Die bolivarische revolution läuft Gefahr die letzten Reste an Sympathie zu verspielen, was für die Menschen im Land fatale Konsequenzen haben könnte.
Zumindest eines bleibt Geschichte anscheinend immer: ein Jubiläum. Manchmal ist es Anlass zu mehr, manchmal wird's routinemäßig absolviert. Letzteres kann dazu führen, dass "Vergangenheitsbewältigung" nicht über ein laues Betroffenheitszeremoniell hinausgeht. Und das wiederum spielt jenen in die Hände, die dafür plädieren Schlussstriche zu ziehen und Vergangenheit eben vergangen sein zu lassen. Dabei ist es unlogisch - wenn ich mein Auto mehrmals so kräftig gegen die Wand fahre, dann wär es doch blöd, nicht über Ursachen und Konsequenzen nachzudenken. In Österreich haben wir's zugegeben nicht ganz leicht. 600 Jahre quasi im Privatbesitz einer einzigen Familie und dann plötzlich klein und allein. Es folgte der totale Zivilisationsbruch, die große Selbstamputation, bei der Mittel- und Osteuropa eine seiner ältesten Kulturen verlor. Wer soll da noch Kraft haben, sich mit den Ereignissen vom Februar 1934 zu beschäftigen? Fast vergessen sind die über 300 Toten der Kämpfe, kaum diskutiert wird über die österreichisch-katholische Form des Faschismus, die für die einen Wegbereiter Hitlers, für die anderen der verzweifelte Versuch war, das Land vor den Nazis zu retten. Genauso widersprüchlich sind die Interpretationen des 12. Februar: antifaschistischer Aufstand vs. sozialistischer Putschversuch, Bürgerkrieg eben..
Auch wenn wenig bewältigt (im Sinne von Analysieren & Reagieren) wird, Vergangenheitspolitik betreiben SPÖVP allemal. Warum zum Teufel hängt das Portrait von Dollfuß noch immer im ÖVP-Parlamentsklub?
Also darüber sollte doch noch mal gespochen werden, oder gezeichnet, geschrieben, gesungen... Hier hilft das Jubiläum weiter, denn es bieten sich in Linz doch einige Gelegenheiten:
- Die KAPU zeigt die Comic-Ausstellung "Als die Nacht begann", in der der Wiener Künstler Thomas Fatzineck die Ereignisse rund um den Februar 34 in Linolschnitten, gedruckt auf Büttenblättern, eindrucksvoll nachzeichnet (Vernissage: Freitag 6. Februar, 19.00 - KAPU).
- Der Infoladen Treibsand organisiert einen kommentierten Dokumentarfilmabend (12.2.-19.00-KAPU) und eine Stadtwanderung am 14.2.
- Das Archiv der Stadt Linz zeigt im Wissensturm eine sehenswerte Ausstellung über das 34er Jahr und die Vorgeschichte in Linz (läuft bis 25. Februar).
- Die Veranstaltungsreihe Civil Wars beschäftigt sich mit Bürgerkriegen und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft am Beispiel von Spanien, Österreich, Italien und Jugoslawien (Podiumsdiskussion am 12.2. "Am 75. Jahrestag: Was blieb vom Februar 34?", Kepler Salon)
Unten: "Als die Nacht begann", Comic von Thomas Fatzineck
Nur selten werden in diesem Blog Könige zitiert, angesichts der jüngsten chávistischen Aktionen sei aber an die Worte des spanischen Monarchen Juan Carlos erinnert, der Chávez aufforderte, doch mal die Klappe zu halten: Venezuela hat gestern den israelischen Botschafter aus Protest gegen den Krieg in Gaza ausgewiesen ..
Der Chavismo lebt von Konfrontation und klaren Feindbildern. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Arschlöcher gibt es in Venezuela genug. Die Oligarchie hat das Land 500 Jahre lang ausgesaugt, trotz des enormen Rohstoffreichtums leben die allermeisten Menschen in Dreck und Elend. Antiimperialismus hat naturgemäß in einer ehemaligen Kolonie eine andere Bedeutung als bei uns. Schade ist nur, dass Chávez' strategische Partnerschaften (Iran) und antiimperialistische Rhetorik gelegentlich die Grenze zum Antisemitismus überschreiten. Er selbst ist viel zu clever um Antisemit zu sein und doch passierts ihm einmal im Jahr. Zum Einen, weil er sich halt schlecht im Griff hat, zum Anderen, weil die Problematik an sich in Venezuela keine Rolle spielt, also weder er, noch seine Gefolgschaft dafür sensibilisiert sind. In Venezuela leben etwa 25.000 Juden, die meisten flüchteten Ende der 30er Jahre aus Europa. Die Bevölkerung nimmt sie kaum war, sie gelten als "Turcos", genauso wie Libanesen, Syrer, Armenier etc. Turcos, also Türken, deshalb weil die ersten jüdischen Einwanderer im 17. und 18. Jh aus dem Osmanischen Reich kamen und alle in einen Topf geworfen wurden. Probleme gibts eigentlich keine, Beiträge der jüdischen Venezolaner zu Kultur und Wirtschaft werden durchaus gewürdigt. Auf Israel zu schimpfen sei aber was anderes und darauf beruft sich der Comandante. (Bild rechts: eine der Synagogen in Caracas)
Panik ist trotzdem nicht angebracht, antisemitische Ausschreitungen etc. kennt das Land nicht, die jüdische Gemeinde verteidigte Chávez sogar, als dieser in einer Weihnachtsrede von Christusmördern sprach, die Bolívar auf dem Gewissen hätten und jetzt die Welt beherrschen würden. Sein langjähriger Berater Norberto Ceresole, eine fanatischer Antisemit, wurde nach dem ersten Wahlsieg entfernt. Daß die Venezolaner mit den Palästinensern sympathisieren ist nicht überraschend, auch weil Israel als Verbündeter der USA wahrgenommen wird. Es gibt genug Gründe Chávez zu kritisieren, ihn nur deswegen zu verteufeln wäre aber unangemessen. Deshalb belasse ich es vorerst dabei, ihn aufzufordern, doch endlich mal die Klappe zu halten.
..Jahr? Nein, sondern auf einen neuen Krieg wird heute angestoßen. Wahlkämpfende israelische Politiker, radikalislamische Fundis, verrückte Siedler, der Iran und wohl auch der eine oder andere Waffenschieber haben viel zu feiern. Sie alle leben von dem Dauerkonflikt in diesem allerheiligsten Stück Wüste. Diesen Leuten zu unterstellen, dass sie an eine militärische Lösung glauben, wäre eine grobe Beleidigung. Kein Mensch glaubt das ernsthaft.
Für interessierte Medienkonsumenten ist der Nahostkonflikt ein echtes Problem, eigentlich spannend, aber ob der Endlosschleife im Laufe der Jahre auch ziemlich ermüdend. Eine Tagesschau aus den 80er Jahren unterscheidet sich kaum von der gestrigen. Frisuren haben sich geändert, der Wahnsinn ist derselbe. Ab und zu gönn ich mir eine Auszeit und beschränke mich ein paar Monate darauf, nur mehr die Schlagzeilen zu lesen. Wie das Amen im Gebet kommt es dann immer wieder zu einer neuen großen Krise bzw. Krieg, der mich aus meinem Aufmerksamkeitsboykott reißt und mich zwingt, einmal mehr in die Logiken dieses Irrsinns abzutauchen.
Das Verrückte ist, dass die Lösung ja irgendwie auf der Hand liegt und alle Beteiligten scheinen das eigentlich auch zu wissen. Zwei Möglichkeiten geistern durch die amateurhaften Couchdiskurse: erstens die goldene Utopie, wonach beidseits die Eliten vertrieben werden und ein gemeinsames Schlaraffenland entsteht, indem religiöse Zugehörigkeit keine Rolle mehr spielt. Seit einigen Jahren kommentier ich diese Vorstellung nicht mehr. Die andere ist der nüchternste, pragmatischste, unaufgeregteste und einzig vorstellbare Kompromiss: eine Zweistaatenlösung auf Basis der Grenzen von 1967 (vor dem 6Tagekrieg), Jerusalem als gemeinsame Hauptstadt, kein Rückkehrrecht für die palästinensischen Flüchtlinge und Aufgabe sämtlicher Siedlungen. So einfach und unwahrscheinlich das klingt, alles andere ist viel unwahrscheinlicher. Jetzt geh ich mal davon aus, dass die internationale Gemeinschaft keinen Blogger braucht, um diesen genialen Plan zu entwickeln. Nur verdammt nochmal warum tut sich nix?
Bild oben: Der römische Feldherr Titus zerstörte 70 n.Chr. Jerusalem
Bild weiter oben: Britische Soldaten in Jerusalem
Bild ganz oben: Kreuzritter in Jerusalem
Bild unten: Österreichisch-Ungarische Infanterie beim Verlassen Jerusalems 1916

die berichte über schußwaffengebrauch der polizei in österreich haben viel kurioses und enden für so manchen beteiligten tödlich. ein sprecher der wiener polizei meinte, dass 2008 in wien 33 mal von der schußwaffe gebrauch gemacht wurde, davon insgesamt 17 mal gegen tiere. wildgewordene tiere haben also eine knapp schlechtere überlebenschance als menschen, die aus welchen gründen auch immer, vor der polizei flüchten. die medialen berichterstattungen sind kurz und geglättet und es kostet etwas fantasie, sich eine konkrete szene aufzurufen. ich lade zu einem versuch ein.
wien favoriten. unter tags. ein unangenehmer zeitgenosse lärmt und es stinkt aus seiner wohnung. nachbarn rufen die polizei. traritrara. er wird gestellt. greift mit einem besenstiel an. verletzt einen beamten. dieser, sagen wir mal, ein guter mensch, sprüht pfefferspray zur verteidigung. der wind ist ungünstig. der unangenehme zeitgenosse entkommt. der gute mensch, verletzt, verfolgt mit seinen kollegen den unangenehmen zeitgenossen. dieser läuft. die troststrasse entlang. warnschüsse werden abgegeben. in die luft? nein. sie treffen 2 parkende autos. dann ein vorbeifahrendes auto. dann ein geschäft. und dann doch. 4 mal den unangenehmen zeitgenossen, der wie die polizei zu protokoll gibt, “immer wieder mit seinem messer drohte”. eine empfehlung: die sitze im auto immer so gut es geht zurücklehnen, das senkt die wahrscheinlichkeit getroffen zu werden. der unangenehme zeitgenosse wird überwältigt, gottlob!, von ihm wird in nächster zeit keine gefahr ausgehen. und von den polizisten? man muß sie verstehen, das ist jetzt schon amtlich und die zertifizierte zivilgesellschaft hat dies auch schon bestätigt.
heinz patzelt, amnesty international, sagte bereits am nächsten morgen im radio, alles wäre in ordnung und sachbeschädigung bei verhaftungen müßten in kauf genommen werden. hatte er eine eigene ermittlungs-task-force? wurde er gefragt? handelte es sich bei dem unangenehmen zeitgenossen um ein justiz-, polizei-, oder folteropfer? nein.
aber am vortag beschloß die bundesregierung spendengelder für humanitär tätige ngos steuerlich absetzbar zu machen. und der staatssekretär im finanzminister, schieder, sagte um 22 uhr 12 in der ZIB 2, dass die frage ob spenden für amnesty auch dazu gehören, offen sei. 9 stunden später, um 7 uhr 12, parlierte patzelt ungefragt im ö1-morgenjournal. das ist österreich. die großkoalitionäre subventionshand funktioniert wieder, als herrschaftsinstrument.
Wenn der Besitzer („mir g'hört des
da ois“) der schicken Galerie im ersten Bezirk...
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den Namen der produzierenden
Künstlerin nicht kennt,
-
aber „als Mann natürlich“ so
eine „Emanzenaktion“ unterstützt,
-
weil die Frauenbewegung die
Emanzipation bereits „erfolgreich zum Abschluss“ gebracht hat -
-
und falls doch nicht eben diese
von den Frauen selbst vorangetrieben werden müsse („wie wir von
der Arbeiterbewegung wissen“)
-
und BH's kenntnisreich als
ehemalige „Symbole Unterdrückung“ und nunmehrige „Symbole
befreiter Weiblichkeit“ erkennt,
...dann weiß ich, warum mir der
Kunstbetrieb so gewaltig auf meine zarten Hoden geht. Ansonsten war
die von Renee Stieger choreographierte und produzierte und von 13 Künstlerinnen aufgeführte Performance zum feministischen
Klassiker „Die gelbe Tapete“ von Charlotte Perkins Gilman sehr
gelungen.
Art makes me wanna smoke crack.
Leonding ist eine Stadt zum Wohlfühlen. 25.500 EinwohnerInnen leben in 22 Ortschaften, die 1975 zur Stadtgemeinde erhoben wurden. Vielen in Leonding gehts gut, die Wirtschaft ist stark, Mittelstand wohin man blickt. Vorzeigefirmen wie der Feuerwehrausstatter Rosenbauer füllen das Stadtbudget. Hier existieren die alten dörflichen Strukturen neben den vielen Zugezogenen. Die "Großstadt" Linz ist quasi nebenan, wer in Leonding aufwächst hat beides: Stadt und Land. Einfamilienhäuser zwischen Maisfeldern und Textilfabriken. Die Stadt kann sich einiges leisten, moderne Infrastruktur, Kultureinrichtungen, Freibäder, Seniorenwohnstätten und Sportanlagen schiessen nur so aus dem Boden. In Leonding meint es jeder gut mit jedem, alle verstehen sich, politische Konflikte drehen sich fast ausschließlich um Banalitäten, wie die Aufstellung von Mülltonnen. Und Leonding wird seit fast 100 Jahren von der SPÖ regiert. So weit so gut.
Wenn da nicht dieser blöde Zufall wäre: 1899 suchte ein pensionierter k.k. Zollbeamter mit seiner Familie ein Haus in der Umgebung von Linz und wurde ausgerechnet hier fündig. Alois Hitler war sein Name, sein Sohn Adolf verbrachte acht Jahre seiner Kindheit hier. Die Eltern liegen auf dem Leondinger Friedhof begraben. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde das Wohlfühl-Kaff plötzlich zur "Weihestätte des deutschen Volkes". Illegale Nazis benutzten das Elterngrab als Aufmarschplatz, als Möglichkeit sich trotz des Verbots öffentlich zu deklarieren. Im Laufe der Jahre pilgerten hunderttausende (!) Fans nach Leonding, der Besuch am Elterngrab war Pflicht. Göring, Goebbels, Schirach - alle waren sie da. Bis zu 15.000 Funktionäre auf einmal marschierten in militärischer Formation vor dem Grab auf und besichtigten das Haus, in dem Hitler angeblich seine Visionen entwickelte. Er selbst war zweimal zu Besuch. Der Führertourismus ebbte nach der Befreiung zwar ab, hörte aber nie ganz auf. Noch heute kommen Besucher aus allen Teilen der Welt und besichtigen z.B. das Sofa, auf dem der alte Alois Hitler angeblich sein Leben ausgehaucht hat.
Wie geht eine so unschuldige Gemeinde damit um? Ein Dorf in dem niemand anecken will, in dem noch heute betont wird, wie alle während des Krieges zusammenhielten, egal ob Nazis oder Sozis, Bauern oder Arbeiter. Die Antwort ist einfach: gar nicht. Und das jahrzehntelang. Es dauerte 60 Jahre, bis sich zu den beiden Kriegerdenkmälern ein Denkmal für die Opfer des NS- Regimes gesellte. Das Hitler-Haus ist passenderweise ein Sarglager der Leondinger Bestattungsfirma, das Grab wird unkommentiert gepflegt.
Fortsetzung folgt..
Von Waldstein und Wailand, Finanzbildungsbürgertum, geldverteilenden Regierungs-Negerlein und raschen Reaktionen
Es gibt da dieses wunderbare österreichische Monatsmagazin für den persönlichen Vorteil - erhältlich in allen Trafiken. Dies Magazin bedient eine Zielgruppe, die unter anderem von Beat Weber und Martin Schürz in ihrem im April 2008 erschienenen Buch Das Wissen vom Geld ausführlich beschrieben wurde:
Früher war Ökonomie eine Angelegenheit für Experten. Soziale Sicherheit war zentrale Aufgabe des Wohlfahrtsstaates. Heute wird soziale Sicherheit zur Privatsache erklärt und wir werden ermahnt, zu Fachleuten in Finanzangelegenheiten zu mutieren, um den Weg zum persönlichen Glück auch finanzieren zu können. Ein Finanzbildungsbürgertum ist auf dem Vormarsch, das Finanzwissen für den Schlüssel zum Erfolg hält.
Abgesehen davon, dass jenes Monatsmagazin auch hier im Blog bereits euphorisch zitiert wurde, besitzt es zwei gutaussehende Herausgeber: den Herrn Georg Waldstein und den Herrn Professor Doktor Georg Wailand. Es klafft zwar anscheinend eine unauffällige Lücke zwischen den akademischen Graden von Georg & Georg, trotzdem gestalten Waldstein & Wailand in jeder Ausgabe ein gemeinsames Editorial. Jeder eine halbe Seite. Da wird dann üblicherweise militant herumpolemisiert - für mehr privat und weniger Staat, gegen jegliche Steuern und Gebühren, für Heil und Erlösung durch den Markt und gegen alles, was den oberflächlichen Anschein erwecken könnte, es würde immer noch sowas geben wie eine österreichische Sozialdemokratie.
Angesichts der Ereignisse der letzten Wochen und Monate sind die beiden natürlich in einer - gelinde gesagt - etwas unpässlichen Situation. Überall wird in einem bisher nicht gekannten Ausmass verstaatlicht oder zumindest staatlicherseits das Riskio "garantiert". Die angeblich ganz automatisch für das bestmögliche Wohl aller sorgende "unsichtbare Hand des Marktes" sorgt nur mehr für Panikreaktionen. Aber: Innehalten gilt nicht, jeglicher Zweifel unangebracht, Flucht nach vorne, hoch lebe das irakische Informationsministerium: "Be assured Baghdad is safe, secure and great." In Folge kam es vermutlich zur Gestaltung folgender Seite:

Ist es eine Art Amok-Lauf? Herr Waldstein ist ganz ausser sich und deliriert in seinem kurzen "Gleichnis" geschlagene 21 mal über verschiedene Arten von "Negerleins". Um uns irgendwas näherzubringen. Oder auch nicht. Was wohl als eine Art verzweifelter Schlag ins Gesicht der "Political Correctness"™ gemeint ist, könnte eventuell eher einem finanzbildungsbürgerlichen Harakiri gleich kommen. Beziehungsweise: Könnte vielleicht jemand diesem Provo-Charme-Bolzen die Brille oder sonstwas von seiner delirierenden Fresse retouschieren?
Und der Herr Professor? Der schliesst am Ende seines trotzig-weinerlichen Pamphlets mit folgendem weisen Resümee:
Marktwirtschaftliche Systeme brauchen auch Regeln, aber ihr grosser Vorzug ist, dass sie rasch reagieren.
Na, da sind wir aber froh, dass die rasch reagieren, die marktwirtschaftlichen Systeme. Vor allem in den letzten Wochen und Monaten haben wir erlebt, wie schön rasch die reagieren, diese Systeme. Egal wie - aber es ist ausserordentlich wichtig, dass besonders rasch reagiert wird.
Eventuell sollte vor allem auf derartige Editorial-Freakshows rasch reagiert werden. Wobei: nichts gegen Freakshows, nicht grundsätzlich zumindest.
29.10.2008
by
gudrun_tieraerztin,
filed under
Niederlage
Montag, 13. Oktober, 10:30 Uhr 
2 RestauratorInnen schneiden die Wand auf...
Mittwoch, 15. Oktober, 13:30 Uhr 
Platte drauf und trocknen lassen...
Montag, 20. Oktober, 12:00 Uhr 
Loch in der Wand - Banksy in der Galerie
Oder hat die Schleifmühlgasse bloß Angst vor der Gentrifizierung?
Dazu fällt mir diese click und diese click Geschichte ein.
Nach §3g wird auch bestraft, wer in einem Druckwerk [...]oder sonst öffentlich auf eine Weise, daß es vielen Menschen zugänglich wird,
den nationalsozialistischen Völkermord oder andere nationalsozialistische Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnet, gröblich verharmlost, gutheißt oder zu rechtfertigen sucht.
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Aus dem Verfassungsgesetz
vom 8. Mai 1945 über das Verbot der NSDAP (Verbotsgesetz 1947) in
der Fassung der Verbotsgesetznovelle 1992
Nationalfeiertag ist. Schon wieder. Ein
seltsamer Tag und Anlaß genug für den semiprofessionellen
Medienkonsumenten, sich die österreichischen Printmedien zu Gemüte
zu ziehen. Schließlich wüßten wir ohne diese wohl gar nicht, dass
heute der 26.10. ist. Und dass wir die Uhr umstellen müssen.
Dass „Österreich“ (das Land, nicht
die Zeitung) eine ganz spezielle Mentalität innewohnt, dass
„Österreich“ eine ganz bestimmte Kultur beheimatet, dass
„Österreich“ eine Chimäre zwischen Moderne, Postfaschismus und
internalisierten Klischees ist, wurde mir heute wieder aus einem
speziellen Grund klar, der sich mir im semidialektischen Dreischritt nach vergleichender Zeitungslektüre erschloß:
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Von 10 frischgebackenen
ParlamentarierInnen wissen nur 4, was ein Beharrungsbeschluß ist
(Kurier vom 26.10.08). Soviel zur Professionalität und Kompetenz
einer politischen Elite.
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Über 60% der ÖsterreicherInnen
nennen die österreichische Küche, die schöne Landschaft und ihre
Sippschaft als wichtigste Faktoren für ihre Heimatverbundenheit
(Presse vom 26.10.08). Soviel zur gelungenen Konstitutierung einer
politischen Nation und zur politischen Selbstreflexion einer
Gesellschaft.
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Das verbindende Moment liegt so
nah: am 26.10.08 ist es der Krone immer noch möglich, die
Verbrechen der Naziwehrmacht zu relativieren, die russische
Befreiungsarmee zu verteufeln und den Mythos der „sauberen“
Wehrmacht zu reproduzieren, ohne dass es juristische, politische
oder sonstwelche Konsequenzen haben wird:
Man kann gar nicht soviel fressen, wie man kotzen möchte.
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Re:Der Aufstand - 75 Jahre 12. Februar 1934