Niederlage
In Leonding fühlen sich ALLE wohl
Leonding ist eine Stadt zum Wohlfühlen. 25.500 EinwohnerInnen leben in 22 Ortschaften, die 1975 zur Stadtgemeinde erhoben wurden. Vielen in Leonding gehts gut, die Wirtschaft ist stark, Mittelstand wohin man blickt. Vorzeigefirmen wie der Feuerwehrausstatter Rosenbauer füllen das Stadtbudget. Hier existieren die alten dörflichen Strukturen neben den vielen Zugezogenen. Die "Großstadt" Linz ist quasi nebenan, wer in Leonding aufwächst hat beides: Stadt und Land. Einfamilienhäuser zwischen Maisfeldern und Textilfabriken. Die Stadt kann sich einiges leisten, moderne Infrastruktur, Kultureinrichtungen, Freibäder, Seniorenwohnstätten und Sportanlagen schiessen nur so aus dem Boden. In Leonding meint es jeder gut mit jedem, alle verstehen sich, politische Konflikte drehen sich fast ausschließlich um Banalitäten, wie die Aufstellung von Mülltonnen. Und Leonding wird seit fast 100 Jahren von der SPÖ regiert. So weit so gut.
Wenn da nicht dieser blöde Zufall wäre: 1899 suchte ein pensionierter k.k. Zollbeamter mit seiner Familie ein Haus in der Umgebung von Linz und wurde ausgerechnet hier fündig. Alois Hitler war sein Name, sein Sohn Adolf verbrachte acht Jahre seiner Kindheit hier. Die Eltern liegen auf dem Leondinger Friedhof begraben. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde das Wohlfühl-Kaff plötzlich zur "Weihestätte des deutschen Volkes". Illegale Nazis benutzten das Elterngrab als Aufmarschplatz, als Möglichkeit sich trotz des Verbots öffentlich zu deklarieren. Im Laufe der Jahre pilgerten hunderttausende (!) Fans nach Leonding, der Besuch am Elterngrab war Pflicht. Göring, Goebbels, Schirach - alle waren sie da. Bis zu 15.000 Funktionäre auf einmal marschierten in militärischer Formation vor dem Grab auf und besichtigten das Haus, in dem Hitler angeblich seine
Visionen entwickelte. Er selbst war zweimal zu Besuch. Der Führertourismus ebbte nach der Befreiung zwar ab, hörte aber nie ganz auf. Noch heute kommen Besucher aus allen Teilen der Welt und besichtigen z.B. das Sofa, auf dem der alte Alois Hitler angeblich sein Leben ausgehaucht hat.
Wie geht eine so unschuldige Gemeinde damit um? Ein Dorf in dem niemand anecken will, in dem noch heute betont wird, wie alle während des Krieges zusammenhielten, egal ob Nazis oder Sozis, Bauern oder Arbeiter. Die Antwort ist einfach: gar nicht. Und das jahrzehntelang. Es dauerte 60 Jahre, bis sich zu den beiden Kriegerdenkmälern ein Denkmal für die Opfer des NS- Regimes gesellte. Das Hitler-Haus ist passenderweise ein Sarglager der Leondinger Bestattungsfirma, das Grab wird unkommentiert gepflegt.
Weint doch.
Von Waldstein und Wailand, Finanzbildungsbürgertum, geldverteilenden Regierungs-Negerlein und raschen Reaktionen
Es gibt da dieses wunderbare österreichische Monatsmagazin für den persönlichen Vorteil - erhältlich in allen Trafiken. Dies Magazin bedient eine Zielgruppe, die unter anderem von Beat Weber und Martin Schürz in ihrem im April 2008 erschienenen Buch Das Wissen vom Geld ausführlich beschrieben wurde:
Früher war Ökonomie eine Angelegenheit für Experten. Soziale Sicherheit war zentrale Aufgabe des Wohlfahrtsstaates. Heute wird soziale Sicherheit zur Privatsache erklärt und wir werden ermahnt, zu Fachleuten in Finanzangelegenheiten zu mutieren, um den Weg zum persönlichen Glück auch finanzieren zu können. Ein Finanzbildungsbürgertum ist auf dem Vormarsch, das Finanzwissen für den Schlüssel zum Erfolg hält.
Abgesehen davon, dass jenes Monatsmagazin auch hier im Blog bereits euphorisch zitiert wurde, besitzt es zwei gutaussehende Herausgeber: den Herrn Georg Waldstein und den Herrn Professor Doktor Georg Wailand. Es klafft zwar anscheinend eine unauffällige Lücke zwischen den akademischen Graden von Georg & Georg, trotzdem gestalten Waldstein & Wailand in jeder Ausgabe ein gemeinsames Editorial. Jeder eine halbe Seite. Da wird dann üblicherweise militant herumpolemisiert - für mehr privat und weniger Staat, gegen jegliche Steuern und Gebühren, für Heil und Erlösung durch den Markt und gegen alles, was den oberflächlichen Anschein erwecken könnte, es würde immer noch sowas geben wie eine österreichische Sozialdemokratie.
Angesichts der Ereignisse der letzten Wochen und Monate sind die beiden natürlich in einer - gelinde gesagt - etwas unpässlichen Situation. Überall wird in einem bisher nicht gekannten Ausmass verstaatlicht oder zumindest staatlicherseits das Riskio "garantiert". Die angeblich ganz automatisch für das bestmögliche Wohl aller sorgende "unsichtbare Hand des Marktes" sorgt nur mehr für Panikreaktionen. Aber: Innehalten gilt nicht, jeglicher Zweifel unangebracht, Flucht nach vorne, hoch lebe das irakische Informationsministerium: "Be assured Baghdad is safe, secure and great." In Folge kam es vermutlich zur Gestaltung folgender Seite:
Ist es eine Art Amok-Lauf? Herr Waldstein ist ganz ausser sich und deliriert in seinem kurzen "Gleichnis" geschlagene 21 mal über verschiedene Arten von "Negerleins". Um uns irgendwas näherzubringen. Oder auch nicht. Was wohl als eine Art verzweifelter Schlag ins Gesicht der "Political Correctness"™ gemeint ist, könnte eventuell eher einem finanzbildungsbürgerlichen Harakiri gleich kommen. Beziehungsweise: Könnte vielleicht jemand diesem Provo-Charme-Bolzen die Brille oder sonstwas von seiner delirierenden Fresse retouschieren?
Und der Herr Professor? Der schliesst am Ende seines trotzig-weinerlichen Pamphlets mit folgendem weisen Resümee:
Marktwirtschaftliche Systeme brauchen auch Regeln, aber ihr grosser Vorzug ist, dass sie rasch reagieren.
Na, da sind wir aber froh, dass die rasch reagieren, die marktwirtschaftlichen Systeme. Vor allem in den letzten Wochen und Monaten haben wir erlebt, wie schön rasch die reagieren, diese Systeme. Egal wie - aber es ist ausserordentlich wichtig, dass besonders rasch reagiert wird.
Eventuell sollte vor allem auf derartige Editorial-Freakshows rasch reagiert werden. Wobei: nichts gegen Freakshows, nicht grundsätzlich zumindest.
Hausbemaler Banksy
Montag, 13. Oktober, 10:30 Uhr
2 RestauratorInnen schneiden die Wand auf...
Mittwoch, 15. Oktober, 13:30 Uhr
Platte drauf und trocknen lassen...
Montag, 20. Oktober, 12:00 Uhr
Loch in der Wand - Banksy in der Galerie
Oder hat die Schleifmühlgasse bloß Angst vor der Gentrifizierung?
Feiertagsleküre
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Aus dem Verfassungsgesetz vom 8. Mai 1945 über das Verbot der NSDAP (Verbotsgesetz 1947) in der Fassung der Verbotsgesetznovelle 1992
Nationalfeiertag ist. Schon wieder. Ein seltsamer Tag und Anlaß genug für den semiprofessionellen Medienkonsumenten, sich die österreichischen Printmedien zu Gemüte zu ziehen. Schließlich wüßten wir ohne diese wohl gar nicht, dass heute der 26.10. ist. Und dass wir die Uhr umstellen müssen.
Dass „Österreich“ (das Land, nicht die Zeitung) eine ganz spezielle Mentalität innewohnt, dass „Österreich“ eine ganz bestimmte Kultur beheimatet, dass „Österreich“ eine Chimäre zwischen Moderne, Postfaschismus und internalisierten Klischees ist, wurde mir heute wieder aus einem speziellen Grund klar, der sich mir im semidialektischen Dreischritt nach vergleichender Zeitungslektüre erschloß:
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Von 10 frischgebackenen ParlamentarierInnen wissen nur 4, was ein Beharrungsbeschluß ist (Kurier vom 26.10.08). Soviel zur Professionalität und Kompetenz einer politischen Elite.
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Über 60% der ÖsterreicherInnen nennen die österreichische Küche, die schöne Landschaft und ihre Sippschaft als wichtigste Faktoren für ihre Heimatverbundenheit (Presse vom 26.10.08). Soviel zur gelungenen Konstitutierung einer politischen Nation und zur politischen Selbstreflexion einer Gesellschaft.
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Das verbindende Moment liegt so nah: am 26.10.08 ist es der Krone immer noch möglich, die Verbrechen der Naziwehrmacht zu relativieren, die russische Befreiungsarmee zu verteufeln und den Mythos der „sauberen“ Wehrmacht zu reproduzieren, ohne dass es juristische, politische oder sonstwelche Konsequenzen haben wird:
Man kann gar nicht soviel fressen, wie man kotzen möchte.
Erwin Togger (Autor des Krone-Textes)
Wer ist Erwin Togger?
Dr. Media: Er schreibt seit Jahrzehnten in der "Krone", doch keiner in der Branche kennt den Kollegen. Also wohl ein Pseudonym? Richtig. Unter Erwin Togger schreibt einer der mächtigsten Journalisten des Landes: Hans Dichand. Zuletzt am 10. Dezember in der "Krone Bunt" über die französische Präsidentschaftskandidatin Royal: "Eine beachtenswert schöne Frau". Man merkt: Hier schreibt ein Kenner.
Quelle:
http://www.journalistin.at/heft.cfm?abo_id
=Gast&show_jahr=2006&show_ausgabe=
12&show_rubrik=Rubriken&show_id=1810
Dirty Diana
Als erster Schritt ein BZÖ-Landeswahlkampf 2009, der auf dem Mythos eines Toten aufbaut („Jörgl schau oba“). Kärnten liegt darnieder in Heldenverehrung. Ein Elton-John-Double singt tagein, tagaus „Candle In The Wind“. Wahlsieg des BZÖ; Dörfler übernimmt legitimiert von einer Absoluten die Landesführung, im Hintergrund zieht Petzner die Fäden. Erste politische Handlung nach Amtsantritt: Errichtung einer überlebensgroßen Stute von Petzners „Lebensmenschen“ vor dem Landhaus. Verkleinerte Kopien werden im Laufe der Zeit allen Gemeinden Kärntens zur Verfügung gestellt, Bedingung ist die Umbenennung der Hauptplätze in Dr.-Jörg-Haider-Plätze. Einzelne Exemplare werden bis nach Libyen und Nordkorea exportiert. Nach nur wenigen Monaten hängt in allen Kärntner Wohnzimmern ein Bild von Haider mit Heiligenschein, vorzugsweise im Herrgottswinkel. Das Bärental wird zur Erlebniswelt „Haiderland“ mit Museum, Achterbahn und Bu(r)schenschank. Bereits 2011 werden 71 Prozent aller männlichen Neugeborenen „Jörg“ getauft. 2013 löst sich die SP selbst auf, ein Jahr später die Volkspartei. Ein Rest Freiheitlicher bildet die Opposition und wird als „Linksabweichler“ zuerst diskreditiert und schließlich vom orangen Mob gejagt. 2015 gilt Kärnten als „slowenenfrei“, bis 2018 als „ausländerfrei“. 2021 hat Petzner seine erste Jörg-Erscheinung und schwingt sich zum absoluten Landeshauptmann von Gotten Gnaden auf, gelenkt vom seligen Propheten Jörg Haider himself. Pilger rutschen auf Knien von Kärnten nach Bad Goisern in die „Geburtskirche“. Der Opus-Dei drängt im Vatikan heftig auf eine Heiligsprechung von „Sankt Jörg“ (so heißt jetzt auch die Landeshauptstadt). 2028 erklärt sich Kärnten unabhängig, tritt aus Österreich sowie der EU aus. Wien überlegt die Sendung von Bundesheersoldaten zur Rückeroberung, ist aber letztendlich eh heilfroh. Einige Monate später anektiert „Vater Petzner“ auf direkten Befehl Gottes Slowenien. „Nach Osten“ flüstere im der Prophet Jörg im Schlafe zu, und Petzner folgt. Trotz Hautkrebs!
Erst 2031 hat der Spuk ein Ende: die NATO schickt Flugzeugträger in die Adria, schwere Bomber verwüsten die im ganzen Land errichteten Schreine und Altäre. Internationale Friedenstruppen schießen auf alles, was noch zuckt. Doch erst die Drohung, die Reliquien des inzwischen tatsächlich heiligen Jörg im slowenischen Boden zu vergraben, lässt Petzner und die letzten Gotteskrieger aufgeben. Den Haag wartet schon.
Der Mossad war's
Warum es wie üblich die üblichen Versächtigen waren: http://www.khklement.at/component/option,com_jd-wp/Itemid,25/p,259/
;-)
Re:Dirty Diana
jetzt ist es übrigens offiziell: 1,8 promille, 162 kmh.
"Noch so ein Sieg und wir sind verloren"
...könnte Werner Faymann am Wahlabend bilanziert haben. Im engsten Kreise, wie es die Spielregeln der Politik für Ehrlichkeit vorgesehen haben. Er wars aber nicht.
Das Zitat, das exakt die Situation der SPÖ beschreibt, stammt von einem ehrgeizigen griechischen König, der 280 v. Chr. auszog, um Unteritalien vor dem Zugriff des Römischen Reichs zu bewahren.
Pyrrhus von Epirus war ein geschickter Politiker und genialer Feldherr. Mit taktischer Raffinesse und seinen Kriegselefanten eilte er von Sieg zu Sieg. Zuerst gewann er zwei große Schlachten gegen die Römer, danach vertrieb er die Karthager aus Sizilien. Doch mit jeder gewonnenen Schlacht schrumpften seine Aussichten den Krieg insgesamt zu gewinnen. Hohe Verluste und das ungünstige strategische Umfeld schwächten die Position des Pyrrhus, bis er schließlich von einer römischen Armee geschlagen wurde und Italien räumen musste. Der Krieg markiert den Aufstieg Roms zur Großmacht im Mittelmeerraum.
"Pyrrhussiege" sind eigentlich Niederlagen, weil für sie unverhältnismäßig viele Ressourcen geopfert werden müssen oder sie in eine auswegslose strategische Lage führen. Oft auch beides. Ein Blick in den Irak zeigt eindrucksvoll, wie auch heute noch Pyrrhussiege erfochten werden. Aber was dem alten Griechen sehr wohl bewußt war, konnte sich der ahnungslose George W. nicht mal im Traum vorstellen. Amis verlieren nicht gerne, schon gar nicht, wenn sie ja schon gewonnen haben.
Von Faymann war zum Glück noch kein "mission accomplished" zu hören, denn Politik ist permanenter Krieg und nach der Schlacht ist vor der Schlacht. Die SPÖ schrumpft sich von Sieg zu Sieg und das nur, weil die ÖVP noch stärker schrumpft und sich das dritte Lager auf keinen gemeinsamen Führer einigen kann. Schon nächstes Mal könnte die Party vorbei sein, denn die Römer haben einen neuen General ins Feld geschickt. Der Faymann-Truppe ist außer dem Lorbeerkranz wenig geblieben: das schlechteste Ergebnis aller Zeiten, schwach bei den Frauen, noch schwächer bei den Jungen, die treuen Stammwähler bekommen fast alle mittlerweile Essen auf Rädern und - last but not least - der Pakt mit dem Kleinformat. Glaubwürdigkeit - eine mitunter kriegsentscheidende Ressource - wurde gegen ein paar Elefanten ausgetauscht, zwar furchteinflößende, aber auch sehr störrische Tiere, die auch schon mal aus Versehen in den eigenen Reihen wüten.
Frau Prammer wenigstens wird ihren Job behalten dürfen, ansonsten findet sich Österreich fest im Griff der Rechten . Und die Linke (sofern es sowas bei uns gibt) steht mit heruntergelassenen Hosen da. Keine Visionen, keine Perspektiven, keine Angebote. Die Grünen stagnieren und altern, KPÖ und Die Linke treten schlauerweise getrennt voneinander an und die SPÖ ist oft nur aufgrund der anachronistischen Sitzordnung im Parlament als links zu erkennen.
Was sie von Pyrrhus lernen könnte? Gewinnen kann gefährlich sein, vor allem, wenn es notwendige Veränderungen blockiert. Warum etwa Josef Cap immer noch Feldmarschall spielen darf, ist mir völlig unverständlich.
Unten: Original- Luftaufnahme der Schlacht bei Ausculum
Blogliturgie und Wahlergebnis
Aber: die Liturgie des politischen Blog
ist streng und verlangt ein wenigstens kurzes Eingehen auf das
Wahlergebnis zur österreichischen Nationalratswahl 2008.
Zuerst das Gute: Wilhelm Molterer (oder „Pater Willi“, wie Jörg Haider und ich ihn nennen) ist endlich weg. Ein tapferer, kleiner Mann, dessen by-any-means-necessary-Haltung ich am Schluss schon fast respektvoll goutierte. Immerhin haben er und die Plassnik sich recht konsequent mit der Krone angelegt. Nichtsdestotrotz: endlich ist sie weg, die Zwiederwurz'n.
Dann das Zweitschlechte: Herr
Dichand und seine Partei haben "gewonnen". Das finde ich persönlich
und ... äh... „demokratiepolitisch“ (das ist mir jetzt
unangenehm) sehr bedenklich. Aber Darth Fader gewinnt nun mal gerne,
und Werner Skywalker wird schon noch sehen, was er davon hat.
Frühestens 2009 (eher später) will die EU wieder eine Abstimmungsrunde zu einem
abgeänderten EU-Vertrag angehen, spätestens dann wird Herr Dichand
den Preis für seinen Support fordern. Wahrscheinlich aber früher.
Dann das wirklich Schlechte: die
rechtsextremen Schwesterparteien BZÖ und FPÖ haben gemeinsam fast
30% der Stimmen errungen. Das kann man jetzt natürlich mit
„Proteststimmen“ begründen, es als „Denkzettel“ für die
„Streithanseln“ interpretieren. Oder aber man sagt: ein Drittel
der ÖsterreicherInnen trägt latent rechtsextremes Gedankengut mit
sich rum. Was wiederum auf eine weitere Schlechtigkeit
verweist: das Potential für bürgerlich-linke oder liberale
Parteien scheint nicht recht viel mehr als 10% zu betragen. Zumindest
deckt sich diese vorsichtige Mutmaßung des Herrn Filzi (der
Prohaska der Innenpolitik) mit meiner lebensweltlichen Wahrnehmung
des Wahlmobs.
Was das für uns (schreibtischarbeitende, suchtmittelgesetzumgehende, mehrheitsösterreichische, sozialversicherte BerufssuderantInnen) bedeutet: herzlich wenig. Für die, die jetzt schon in der Scheiße sitzen, wird’s aber sicher nicht besser: AsylwerberInnen, MigrantInnen, Prekarisierte, ArmutsgrenzeunterschreiterInnen, formal schlecht Gebildete.
Zum Schluss noch - Mein Koalitionstipp: Rot-Schwarz. Was wäre cool: Minderheitsregierung. Was sollte wirklich hurtig angegangen werden: Bleiberecht, Fremdenrechtsreform, Bildungsreform. Diese Sache mit dem Finanzkapital, dem sogenannten. Und das mit der Prohibition... aber davon träum' ich nicht einmal mehr. Goverments suck!
Kulturpolitik – Zukunft ohne Gegenwart
Die illustre Runde der Gäste:
- Wolfgang Zinggl (Kultursprecher der Grünen im Nationalrat)
- Christian Denkmair (Landesgeschäftsführer der SPÖ Oberösterreich)
- Erich Watzl (Vizebürgermeister und Kulturreferent der Stadt Linz)
- Betty Wimmer (Vorsitzende KUPF - Kulturplattform OÖ)
Abb1.: Wimmer, Zinggl, Wassermair, Watzl, Denkmair
Zweck der Diskussion war wohl Thematisierung von Kulturpolitik anlässlich eines unpolitischen Wahlkampfes, Anlass das Erscheinen des Buches „Kampfzonen in Kultur & Medien“, herausgegeben vom Moderator Wassermair. Das Ziel: grundsätzliches in der Kulturpolitik zu diskutieren, ideologische und pragmatische Scheuklappen beiseite zu schieben, PolitikerInnen zu konkreten Aussagen zu zwingen und die Positionen der freien Szene in den Köpfen der PolitikerInnen und der Öffentlichkeit zu verankern. Kulturpolitik als solche zu erkennen und zu bearbeiten. Oder, ganz im Sinne der KUPF: das Feld des sogenannten Realpolitischen nicht den RealpolitikerInnen zu überlassen und das politische Feld als solches zu Beackern.
Das konkrete Ergebnis erinnerte leider an die derzeit stattfindenden Wahlkampfkonfrontationen im Öffentlich-Rechtlichen. Die drei Politiker (zwei davon aus Bundesregierungsparteien, der dritte immerhin aus einer Landesregierungspartei) redeten viel und sagten wenig. Wolfgang Zinggl versuchte wenigstens in die Tiefe der Sache vorzudringen, Watzl und Denkmair zogen statt Kaninchen nur Binsenweisheiten aus dem Ärmel. Der Moderator sprach viel über sein Buch, schien aber mehr sich selbst hören zu wollen als auf die Argumentationen der Gäste einzugehen. Und weder der KUPF-Vertreterin am Podium noch den zahlreichen Szene-AktivistInnen im Publikum gelang es, den (Un-)Kommunikationsprofis etwas entgegen zu halten. Die zarten Versuche, anstatt einer Budgetdebatte eine über Förderstandards, Arbeitsbedingungen oder gesellschaftliche Funktionen der Kulturarbeit anzustiften, verhallten ungehört. Die unterschiedlichen Positionen der Parteien wurden kaum ausdifferenziert, und nach 2 Stunden schienen alle froh zu sein, dass es endlich vorbei war.
Das Gegenteil von gut ist immer noch gut gemeint. Inhaltliche Debatten, losgelöst von dem Mühen der Ebene, scheinen in Zeiten der medialen Politinszenierungen und Quotenprostitution kaum möglich. Formate wie eine Podiumsdiskussion scheitern schnell am Anspruch einer gewissen Klub2-Romantik. Konkrete Fragen hätten vielleicht bessere Antworten der Podiumsgäste erzwungen, abzuarbeitende Themenkataloge vielleicht einen roten Faden erkennbar gemacht. Vielleicht aber auch nicht. Aber so war's einfach nur langweilig. Schad' drum.
Links:
Es reicht!
Mit einem hat Molterer recht: Schön langsam reichts. Die ersten Wochen waren ganz witzig, aber auch einem hartgesottenen Politikbeobachter wie mir kanns mal zuviel werden. Heute war es soweit. Zum dritten Mal innerhalb von 16 Stunden musste ich die Stehsätze von Waldsportler Strache über mich ergehen lassen. Zur Prime Time war er bei der Elefantenrunde in der Wahlarena auf Puls 4, danach um 23.30 gemeinsam mit dem "Pummerin statt Muezzin"- Dichter Herbert Kickl im zweiten ORF- Wahlformat Wahl08-Ihre Frage und schließlich heute im Ö1- Mittagsjournal. Noch schlimmer hab ichs mit Jörg Haider erwischt. Zusätzlich zu den drei genannten Sendungen und den
klassischen Zweier- Konfrontationen, ging mir der "Nordslowene mit oberösterreichischem Migrationshintergrund" (Zitat Robert Heinrich I) auch in der Pressestunde auf die Nerven. Trauriger Höhepunkt war aber ein gemeinsamer Auftritt mit seinem Kofferträger Stefan Petzner im Journal Panorama. Der Ö3- Verkehrsfunk hatte mich zielsicher vom Autobahnstau in den Bundesstrassenstau gelotzt, sodaß ich kaum eine andere Wahl hatte, als mir zum xten Mal die großartige Bilanz der Kärntner Landespolitik auftischen zu lassen. Nicht zu vergessen jene Folge der Daily Soap vom letzten Freitag, die aus Gründen der Abwechslung in den Plenarsaal des Parlaments verlegt wurde. Alles in allem ein Overkill, der zum wichtigsten Charakteristikum des heurigen Wahlkampfes werden dürfte.
Die Nationalratswahlen sind mehr denn je ein Medienspektakel, das eher an eine Castingshow erinnert. "Österreich sucht den Bundeskanzler", im Anschluss analysiert der Polit- Prohaska Filzmaier den Spielverlauf. Dass die beiden Privatsender ATV und Puls 4 ebenfalls ihre eigenen Wahlkampfformate auf Sendung brachten, macht die Sache nicht besser. Obwohl ich gestehen muss, dass mir das Frageteam von Puls 4 am besten gefallen hat. Josef Broukal und Manuela Reidl schafften es noch am ehesten den Politsprech der KandidatInnen in den Griff zu bekommen. Die ORF- Sendung Wahl08-Ihre Frage hingegen besticht durch unfähige ModeratorInnen und ein Sendungskonzept, das eher an einen Schildbürgerstreich
erinnert. Zielgruppe: SchülerInnen; Sendezeit: eine halbe Stunde vor Mitternacht. Roman Raffreider kann auch diesmal nicht verbergen, dass er mit Politik eigentlich nichts am Hut hat und eher zufällig immer wieder damit beschäftigt wird. Würde sein Anzug nicht so gut sitzen, er wäre wohl längst zum Kabelträger befördert worden.
Der Verdacht, dass die österreichische Innenpolitik nur mit Betäubungsmittelgesetzesverstößen zu ertragen ist, drängt sich förmlich auf. Vielleicht sollten der amtlichen Wahlinformation, die diese Tage in unsere Postkastln flattert, in Zukunft ein paar Joints beigelegt werden, um die Politikverdrossenheit nicht in einen kollektiven Auszucker münden zu lassen.
Man darf Dämlichkeit nicht mit Doofheit entschuldigen
Eine Binsenweisheit, gerade für das kleine liberale, intellektuelle, linke, ... Segment der österreichischen Wählerschaft. Gerne entschuldigt die sozialdemokratische Fraktion dieses Segments den moralischen, politischen und intellektuellen Niedergang der SPÖ mit ebenjener Doofheit der WählerInnen – wolle man zumindest das Schlimmste (die ÖVP?) verhindern, müsse die Partei eben vorbehaltslos mit an der Spirale schrauben und aktiv in den Niederungen der österreichischen Seele um Stimmen buhlen. Sicher sei das eklig, aber ansonsten bräuchte man ja nicht einmal antreten zur Wahl...
STOP! Das muss ja einmal ein Ende
haben! Man darf Dämlichkeit nicht mit Doofheit entschuldigen! Wer
glaubt, dass man die Wendewendewendepolitik der SP strategisch
rechtfertigen kann, wer argumentiert, dass der Kniefall vor Dichand
natürlich peinlich, aber letztendlich berechtigt (weil siegbringend)
ist, der verdrängt eines: der Sieg einer solchen Partei ist nicht
der einer linken Partei, die sich im Wahlkampf halt opportunistisch
gibt, sondern der einer opportunistischen Partei, die sich nicht
einmal im Wahlkampf links gibt. Ein roter Kanzler mag uns zwar aus
doofen (siehe oben) Gründen besser vorkommen als ein schwarzer, aber
politisch ist das dann angesichts der inhaltlichen Verluste kaum noch
argumentierbar.
Deshalb noch einmal: man darf Dämlichkeit nicht mit Doofheit entschuldigen!
Re:In Leonding fühlen sich ALLE wohl
es ist wahr und aergerlich, dass staendig frische blumen und brennende grablicher am "fuehrer-grab" zu finden sind, aber dass sich die stadtgemeinde leonding ueberhaupt nicht mit ihrer braunen vergangenheit auseinandersetzt stimmt nicht.
nachfolgenden text findet man auf der website der stadt leonding zur derzeit laufenden ausstellung: spurensuche 2008 - 1938 - 1898 im stadtmuseum leonding (turm 9, daffingerstr. 55). die ausstellung setzt sich genau mit dem thema hitler und leonding auseinander und ist noch bis 19. april 09 zu sehen:
"Zufälligkeiten können für eine Ortschaft nachhaltige Folgen hervorrufen, die als Belastung empfunden werden. Einer jener Zufälligkeiten begegnet man in Leonding, wenn im Jahre 1898 die Familie Alois Hitler ein Haus kauft und dort einzieht. Weniger zufällig waren im Jahre 1938 die Ausnahmeregelungen für die Gemeinde, die nicht nur darin bestanden, dass eine Eingemeindung nach Linz verhindert wurde, sondern auch dass der Ort zum beliebten Tourismusziel avancierte. Die Folgen dieser Umstände, aber auch der Umgang mit dem ungeliebten Erbe, der sich in den Nachkriegsjahren zwangsläufig ergab, sollen in der Ausstellung und in der begleitenden Publikation zum Thema gemacht werden."
vgl.: http://www.leonding.at/index.php?id=331
die sehr ausfuehrliche publikation ist in zusammenarbeit mit dem ooe landesmuseum und der uni linz entstanden. viele bisher unveroeffentlichte bilder und fakten sind dort zu finden. (vielleicht zu viele, das werk hat seine laengen...)
falls sich dieses buch noch nicht in deinem besitz befindet, borge ich dir gerne meines!
lg
isa
Re:In Leonding fühlen sich ALLE wohl
vielleicht war gerade die ausstellung inkl. buch und vortragsprogramm anlass für den blog? ;-)
Re:In Leonding fühlen sich ALLE wohl
... wenn das so ist, finde es unserioes, wenn diese nicht einmal erwaehnt werden, sondern da steht:
"Wie geht eine so unschuldige Gemeinde damit um? (...) Die Antwort ist einfach: gar nicht."
obwohl ich natuerlich der meinung bin, dass die geschichtsaufarbeitung reichlich spaet stattfindet.