Provinz
Freiheitliche Mogelpackung
Unsere Freunde vom Ring freiheitlicher Jugend sind wirkliche Lausbuben. Ein nicht mehr ganz neuer Aufkleber der blauen Dumpfbacken sorgt jetzt für Aufregung. Er zeigt eine Zigarettenpackung der "Gemischten Sorte", versehen mit dem Hinweis "Zuwanderung kann tödlich sein". Der Chefdirigent des Linzer Brucknerorchesters, ein Gastarbeiter aus Ohio, fühlt sich diskriminiert und hat Anzeige erstattet. Besonders ärgerlich ist, dass die stupide Propaganda mit Steuergeldern finanziert wird (der RFJ erhält 20.000 Euro vom Land OÖ). Der Umgang mit der Kritik ist dann wieder mal typisch österreichisch. Der RFJ ist sich keiner Schuld bewusst und argumentiert: "...bei der Zuwanderung ist es wie bei Zigaretten: Ein und zwei Stück sind nicht gefährlich, in größeren Dosen konsumiert allerdings schon." Die bösartige und absurde Gleichsetzung von MigrantInnen und einem Suchtgift sagt eh schon alles. Hört man sich die reflexartige Rechtfertigung der Landes-FPÖ an, wird einmal mehr deutlich, wie schwer es die Kameraden in unserer links-linken Mediokratie haben, denn auch Lutz Weinzinger darf
das Kind nicht beim Namen nennen. Für ihn nimmt der Aufkleber Bezug auf einen Vorfall, "wo ein Zuwanderer von einem anderen Zuwanderer ermordet wurde." Klingt fast noch ein bisschen dümmer und ist es wohl auch, vom Widerspruch zu ersterer Erklärung mal ganz abgesehen. Die Beliebigkeit solcher "Argumentationen" und das zahnlose Desinteresse mit dem österreichische Medien sich für dumm verkaufen lassen, ist die eigentliche Tragödie. Blaue Abschottungsfantasien sind rassistisch, keine Frage. Vielleicht noch wichtiger ist aber, dass sie ein grundlegendes Element von Kultur und Zivilisation negieren, denn wenig ist in den Wissenschaften so unumstritten, wie die Tatsache, dass jede Kultur, jeder Fortschritt auch von Migration, Vermischung und Austausch geprägt ist. Migration ist konstituierender Bestandteil von Zivilisation und ich hab
keine Lust wieder auf die Bäume zu steigen. Die blauen Kameraden sind entweder bösartig oder ungebildet, womöglich sogar beides. Vielleicht sollten wir z.B. Kärnten abtrennen und ein paar Jahrzehnte Abschottung erproben lassen. Das darauffolgende böse Erwachen wäre heilsam für das ganze Land.
Wer nicht solange warten will, kann hier protestieren.
„Martin Blumenau ist Dieter Bohlen für Arme“...
Ersterer wirft zweiterem via
ORF-Webspace vor, ein verkappter Spießer zu sein, der eigentlich
lieber übers Staatsopernballett schreiben wolle als über
alternative
Konzerte. Zweiterer schlägt online zurück, bezichtigt
ersteren der Dauerhalluzination und überhaupt und sowieso.
Das ganze wäre wirklich lustig, wenn die beiden berufsjugendlichen Herren nicht zu den bekanntesten Popjournalisten der Nation zählen würden. Und als solche könnten sie inhaltliche Differenzen auf einem anderen Niveau als Alien vs. Predator diskutieren und persönliche Abneigungen zumindest auf die Einleitung beschränken.
Über Pop reden ist wichtig, und über Pop schreiben auch. Vielleicht ist zweiteres sogar Voraussetzung für das erste: theoretische Reflexionen, wissenschaftliche Rahmen und nicht zuletzt seriöser und kritischer Journalismus sind nun mal Basis eines ernstzunehmenden Diskurses. Und Pop (als erstens immer noch das Einzige, das die Welt eventuell doch noch retten könnte bzw. zweitens als Ausdruck und trotzdem Arena einer tatsächlichen Massengesellschaft) verdient einen ernstzunehmenden Diskurs. Das sollten gerade diese beiden alten Hasen wissen. Österreichische Diskursfähigkeit ist ja ohnehin beschränkt, und von kulturwissenschaftlicher „Excellence“ (es gibt Wörter, die haben sie einem echt versaut...) oder tatsächlichem Qualitätsjournalismus wagt hierzulande ja eh niemand zu träumen. Aber dafür verstehen wir uns auf großes Entertainment – hierzulande brauchen wir keine Dschungelshow, wir sind eine Dschungelshow!
Der Catfight in chronologischer Reihenfolge (die jahrelange Vorgeschcihte bitte selber recherchieren):
- Aufzeichnungen aus der Talsohle
- Blume? Blech.
- Diskussions-Kultur und ein Fortschritt
-
Blume? Blech. pt.2
Ortstafel-Lüftchen - Kleingeist kanns nicht lesen
Wenn sich Einfalt und Bosheit begegnen, dann haben oft kleine Provinzfunktionäre der FPÖ ihre Hände im Spiel. Manchmal - und dann wird's lustig - ist der Name auch Programm. Günther Kleinhanns etwa, seines Zeichens für die Blauen im Linzer Gemeinderat, hat sich den Start ins Kulturhauptstadtjahr wohl etwas anders vorgestellt. Da begegnen ihm doch neuerdings an allen größeren Einfahrtsstraßen fremdsprachige Ortstafeln. Nein, noch schlimmer, diese Tafeln sind nicht nur in einer anderen Sprache, sondern gar noch in einem fremden Schriftsystem verfasst. Untragbar in der deutschesten aller österreichischen Städte. Was also tun? Einen
Ortstafelsturm nach Kärntner Vorbild spielts in Linz nicht, also am besten hinsetzen und krampfhaft nach Wegen suchen, das Projekt zu sabotieren. So stell zumindest ich mir die Genese des FP-Gemeinderatsantrages vom 8.2.09 vor, der den Bürgermeister auffordert, die Schilder mit einem deutlich lesbaren "lateinischen Linz" zu versehen. denn Verkehrsschilder müssen "erkennbar" sein. Glücklicherweise können wir uns weitere juristische Denkübungen sparen, da Kleinhanns übersehen hat, dass es sich nun mal um keine Hinweiszeichen nach §53 handelt. Der Antrag ist also ein Rohrkrepierer und wird es auf keine Tagesordnung schaffen. Abgesehen davon hat der Text durchaus humoristische Elemente, wenn der Kulturkämpfer etwa von "autochtonen Mehrheiten" spricht, für welche die Tafeln "völlig unleserlich" wären - ein Lokalaugenschein habe den überraschenden
Verdacht bestätigt. Null-Null-Kleinhanns fand heraus, "dass die Ortstafel an der Leonfeldnerstrasse in Armenisch abgefasst ist, für die Mehrheit der Verkehrsteilnehmer völlig unbekannt."
Lei Lei
Re:Ortstafel-Lüftchen - Kleingeist kanns nicht lesen
Das freut mich aber zu hören, dass sich so ein Scherzbold gefunden hat, der sich über das Projekt aufregt. Ein bisserl mehr öffentliche Diskussion da drüber kann nur gut sein. Insofern sollte Günther Kleinhanns vielleicht zum Ober-Faschingsprinzen von Linz erklärt werden - oder ist das auf dem Foto da ohnehin schon die entsprechende Fotomontage?
linzer FPÖ fällt ihren kärntner gesinnungsgenossen in den rücken!
und fordern also nun ZWEISPRACHIGE ORTSTAFELN für linz. gar nicht so übel!
Re:Ortstafel-Lüftchen - Kleingeist kanns nicht lesen
Das Foto zeigt einen völlig unschuldigen Karnevals-Jecken aus Münster. Kleinhanns versteckt sein Gesicht leider hinter einem dicken Brett..
Re:Ortstafel-Lüftchen - Kleingeist kanns nicht lesen
Den kompletten FP-Antrag und eine Stellungnahme von Social Impact gibts auf http://www.kommenundgehen.at
Re:Ortstafel-Lüftchen - Kleingeist kanns nicht lesen
blogeintrag zum thema: http://www.martinhof.net/2009/01/fp-will-zweisprachige-ortstafeln.html
Antrag abgelehnt
Auf die Tagesordnung hat's der Ortstafelantrag zwar geschafft, SPÖVP und die Grünen stimmten jedoch dagegen:
http://www.linz.at/Politik/GrSitzungen/index.asp?S_ID=49#18
Re:Ortstafel-Lüftchen - Kleingeist kanns nicht lesen
hab heute ein pickerl an der bushaltestelle in linz-urfahr erblickt: "man spricht deutsch" war darauf zu lesen, im hintergrund eine ortstafel (LINZ). urheber: RFJ (ring freiheitliche jugenldiche)
Re:Ortstafel-Lüftchen - Kleingeist kanns nicht lesen
es ist schön wenn sich gleichgesinnte in einem blog treffen, aber habt ihr schon mal bei den linzer tagesblättern online die kommentare zu kommenundgehen gelesen?
bitte macht das und postet, um ein bißchen leben in die provinziellen kleinkarierten kommentare einzuhauchen!!!
Re:Ortstafel-Lüftchen - Kleingeist kanns nicht lesen
und welche "linzer tagesblätter" meinst du? ich bin selten in derartigen foren, da kann ich ja gleich das "freie wort" in der kronenzeitung lesen.
und warum eigentlich, lieber anonymous, postest DU nichts, in besagten blättern?
Re:Ortstafel-Lüftchen - Kleingeist kanns nicht lesen
nicht grad sehr Originell,
Re:Ortstafel-Lüftchen - Kleingeist kanns nicht lesen
das ist Plagiat der übelsten Art!
Re:„Martin Blumenau ist Dieter Bohlen für Arme“...