Revolution
Checkpoint Scharnstein
Aus gegebenen Anlass. Als Scharnstein am Rande der Anarchie stand:
"als wir ankamen, sahen wir uns mit einem polizeiaufgebot von 6 personen
konfrontiert. unsere gruppe bestand aus 17/18 personen. außerdem
war auch die feuerwehr anwesend. schließlich nahm die polizei mit
uns kontakt auf, indem sie um feuer fragte. sie waren anfangs sehr entgegenkommend
um nicht zu sagen unterstützend.
also stellten wir uns mit 2 transparenten, 2 tischen (tee+kaffee) und einer bank auf der straße auf. schnell bemerkten wir jedoch, dass nahezu der gesamte verkehr vor unseren augen umgeleitet wird und entschlossen uns, dass wir uns auf der entsprechenden kreuzung plazieren. auch in diesem fall war die polizei entgegenkommend. dort bauten wir uns erneut auf und begannen mit den autofahrern kontakt aufzunehmen.
es kamen auch positive rückmeldungen z.b. eine hauptschullehrerin, welche mir versicherte, das thema im unterricht zu besprechen. oder ein lkw fahrer, welcher sich kurzfristig entschlossen hatte, seinen lkw mitten auf der kreuzung abzustellen.
irgendwann kam der zeitpunkt, wo die polizei diese nicht angemeldete
aktion für beendet erklärte. nach 30 minuten mussten wir die
strasse räumen und unsere personalien angeben. hätten wir dies
nicht getan, wären wohl einige verhaftet worden. wir waren eigentlich
davon ausgegangen, dass diese demonstration angemeldet sei - so stand es
auch vorher in der zeitung.
neben den positiven rückmeldungen wurden wir beschimpft. wir sollen doch: arbeiten gehen, steuern zahlen. ob wir den verstand verloren hätten. ich als scharnsteiner kann jedenfalls behaupten, dass keiner dieser autofahrer mit einer solchen aktion in scharnstein (wo die welt noch in ordnung ist) gerechnet hat. doch bin ich der meinung, dass diese aktion ein wenn auch kleiner erfolg war. immerhin setzten wir das zeichen, dass man auch in einem ländlichen ort wie scharnstein politisch aktiv sein kann."
(Tatblatt +156/157 S. 9–12)
Warum hältst du nicht die Klappe, Chávez ?
Nur selten werden in diesem Blog Könige zitiert, angesichts der jüngsten chávistischen Aktionen sei aber an die Worte des spanischen Monarchen Juan Carlos erinnert, der Chávez aufforderte, doch mal die Klappe zu halten: Venezuela hat gestern den israelischen Botschafter aus Protest gegen den Krieg in Gaza ausgewiesen ..
Der Chavismo lebt von Konfrontation und klaren Feindbildern. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Arschlöcher gibt es in Venezuela genug. Die Oligarchie hat das Land 500 Jahre lang ausgesaugt, trotz des enormen Rohstoffreichtums leben die allermeisten Menschen in Dreck und Elend. Antiimperialismus hat naturgemäß in einer ehemaligen Kolonie eine andere Bedeutung als bei uns. Schade ist nur, dass Chávez' strategische Partnerschaften (Iran) und antiimperialistische Rhetorik gelegentlich die Grenze zum Antisemitismus überschreiten. Er selbst ist viel zu clever um Antisemit zu sein und doch passierts ihm einmal im Jahr. Zum Einen, weil er sich halt schlecht im Griff hat, zum Anderen, weil die Problematik an sich in Venezuela keine Rolle spielt, also weder er, noch seine Gefolgschaft dafür sensibilisiert sind. In Venezuela leben etwa 25.000 Juden, die meisten flüchteten Ende der 30er Jahre aus Europa. Die Bevölkerung nimmt sie kaum war, sie gelten als "Turcos", genauso wie Libanesen, Syrer, Armenier etc. Turcos, also Türken, deshalb weil die ersten jüdischen Einwanderer im
17. und 18. Jh aus dem Osmanischen Reich kamen und alle in einen Topf geworfen wurden. Probleme gibts eigentlich keine, Beiträge der jüdischen Venezolaner zu Kultur und Wirtschaft werden durchaus gewürdigt. Auf Israel zu schimpfen sei aber was anderes und darauf beruft sich der Comandante. (Bild rechts: eine der Synagogen in Caracas)
Panik ist trotzdem nicht angebracht, antisemitische Ausschreitungen etc. kennt das Land nicht, die jüdische Gemeinde verteidigte Chávez sogar, als dieser in einer Weihnachtsrede von Christusmördern sprach, die Bolívar auf dem Gewissen hätten und jetzt die Welt beherrschen würden. Sein langjähriger Berater Norberto Ceresole, eine fanatischer Antisemit, wurde nach dem ersten Wahlsieg entfernt. Daß die Venezolaner mit den Palästinensern sympathisieren ist nicht überraschend, auch weil Israel als Verbündeter der USA wahrgenommen wird. Es gibt genug Gründe Chávez zu kritisieren, ihn nur deswegen zu verteufeln wäre aber unangemessen. Deshalb belasse ich es vorerst dabei, ihn aufzufordern, doch endlich mal die Klappe zu halten.
Griechische Weihnachten
Nachdem die Unruhen in Griechenland noch immer nicht versandet sind, seh ich mich gezwungen meinen Senf dazuzugeben. Was passiert da eigentlich? Ein Volksaufstand? Jugendkrawalle? Autonome Traditionspflege? Oder ein bisschen was von allem?
Kaum ein westeuropäisches Land ist so im Arsch wie Griechenland. Der demokratische Aufbruch eines Perikles ist längst vergessen, das 20. Jahrhundert war auch für Griechenland ein Desaster: Kriege gegen Osmanen und Türken, deutsche Besatzung, Bürgerkrieg und Militärdiktatur.
Seit dem Sturz der Junta wechseln sich die beiden Großparteien an der Macht ab, Repression, Korruption und Klientelismus begleiten das nunmehrige EU-Mitglied auf Schritt und Tritt. Den Euro haben sie sich erschummelt, die Wirtschaft ist am Boden und das Bildungssystem miserabel. Der Stillstand ist spürbar. Ein paar Jahre zu spät fängt die konservative Regierung nun an neoliberale Reformen umzusetzen. Streiks sind an der Tagesordnung. Genug Gründe um ein Auto anzuzünden. Der Tod des Jugendlichen war der Funke, der zur Explosion führte. Die Botschaft ist einfach und nachvollziehbar: Uns reichts, wir haben nichts zu verlieren, ihr könnt uns alle mal kreuzweise. Die 600euro-Generation steigt auf die Barrikaden, 100erte Schulen sind besetzt, Polizeistationen werden angegriffen, Fernsehsender gestürmt und Ministerpräaidentenreden unterbrochen.
Sehen wirs mal optimistisch. Ein System dankt ab, der neoliberale auf Erdöl basierende Kapitalismus fährt die Welt mit Höchsttempo gegen die Wand. An der Peripherie der Trutzburg Europa brodelt es. Vielleicht der Beginn eines Aufstandes, oder doch nur logische Begleiterscheinung des Untergangs?
Ach ja, falls irgendwer daran gezweifelt haben sollte: mit der in Griechenland besonders gschissenen Polizei hab ich kein Mitleid. Ein Junge wurde erschossen und jetzt kriegen sie kräftig auf die Mütze. Gut so.
Re:Griechische Weihnachten
Dieses Exemplar eines amtshandelnden Exekutivorgans hält den Gummiknüppel verkehrt herum, damit es mehr weh tut..
Re:Griechische Weihnachten
Einen kleinen Anhang würde ich gerne noch posten: Die Revolte in Griechenland aus Sicht der MigrantInnen, erschienen auf indymedia.Sehr lesenswert.
http://de.indymedia.org/2008/12/236466.shtml
Re:Griechische Weihnachten
Alle diese Ereignisse in Griechenland sind ein großer Flecken.. Wirklich schade, dass solche Sachen immer noch passieren.
Re:Warum hältst du nicht die Klappe, Chávez ?