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Sieg


1.Mai 09 in Linz: erster Freispruch für Angeklagten; Ermittlungen gegen Beamte?

13.06.2009 by jürgen lüpke, filed under Linz, Polizei, Sieg

Anlässlich des spektakulären Freispruchs gegen einen der am 1.Mai Festgenommen (das Urteil kam zustande, weil die Polizei-Aussagen durch ein internes Polizei-Video, dass die Verteidigung kurz vor Prozessbeginn ohne Wissen der Exekutive auftreiben konnte, als widersprüchlich und teilweise unwahr erkannt wurden) dokumentiert das Subversivmesse-Original-Text-Service ungefragt und unkommentiert folgende Prozessbeobachtung, veröffentlicht ursprünglich auf at.indymedia.org.

 

Nach einem Bericht der Polizeioffiziere wurden fünf Personen angezeigt. Die Vorwürfe lauten entweder Widerstand gegen die Staatsgewalt oder versuchte schwere Körperverletzung. Hierbei muss erwähnt werden, dass jede auch noch so leichte Verletzung an einem Beamten nach dem Gesetz eine schwere Körperverletzung ist. Die von Demonstrant_innen den Polizisten angeblich zugefügten Verletzungen am 1. Mai sind leichte Schwellungen zweier Finger eines Beamten und ein Hämatom am Knie eines anderen.
Die Verfahren gegen vier der Betroffenen, unter ihnen Vizedirektor Rainer Zendron, befinden sich zur Zeit noch in der Phase des Ermittlungsverfahrens. Da die Polizei in ihren eigenen Erhebungen darauf verzichtete, wurden nun von der Staatsanwaltschaft jene Beamten einvernommen, die in die Verhaftung von Rainer Zendron und der einer jungen Demonstrantin involviert waren.
Das von den Medien kolportierte Gerücht im Juli gäbe es den nächsten Prozess kann nicht bestätigt werden. Es handelt sich dabei zumindest um keinen der schon angesprochenen fünf Betroffenen, die bei der verhinderten 1. Mai Demonstration auf der Blumau verhaftet wurden, da erst gegen einen ein Strafantrag vorliegt und somit ein Verhandlungstermin fixiert wurde.
Bemerkenswert ist, dass die von der Polizei ins Treffen geführten Aussagen im Ermittlungsverfahren im diametralen Widerspruch zu den unverfälschten Videobeweisen stehen und deshalb zu befürchten ist, dass das Interesse der Polizei nicht auf einer objektiven Aufklärung, sondern auf eine nachträglichen Legitimation ihres unverhältnismäßigen Einschreitens ausgerichtet ist.

Der erste Prozess, der erste Freispruch

Der erste Prozess begann am Freitag den 12. Juni um 13 Uhr im Landesgericht Linz. In dem Strafantrag vom 13. Mai 2009 gegen jenen Aktivisten der vor Gericht stand, wurde diesem ein Vergehen nach § 269 Abs 1 StGB (in Verbindung mit § 15 Abs 1 StGB) vorgeworfen, also das Vergehen des versuchten Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Hier sei an das ORF-Video erinnert, das diese Verhaftung dokumentiert und zeigt wie ein Greiftrupp der Einsatzeinheit Lentos den Demosntranten brutal aus der Demonstration prügelte. In diesem Strafantrag ist zu lesen, der Demonstrant hätte am 1. Mai in Linz "dadurch, dass er mit Händen und Füßen um sich schlug, Beamte mit Gewalt an einer Amtshandlung, nämlich an der Identitätsfeststellung zu hindern versucht." Einer Identitätsfeststellung übrigens, für die es keine Rechtsgrundlage gab. Nachdem nun die ersten Ermittlungsergebnisse der Polizei vorliegen - die sich darauf beschränken, dass einige Beamten gemeinsam einen Amtsvermerk erstellten - werden in diesem Fall auch noch Maßnahmenbeschwerden beim UVS eingebracht.
Ausschlaggebend für den Freispruch (das Urteil ist noch nicht rechtskräftig) war ein Polizei-Video das sowohl den gesamten Zugriff der Einsatzeinheit Lentos wie auch die Verhaftung des Beschuldigten dokumentierte, und das besser als alle ORF-Videos die bisher bekannt sind als Beweis der Verteidigung dienen konnte. Dieses Video widerlegte alle Anschuldigungen. Darauf ist klar zu sehen, dass es von Seiten der Polizei keine individuelle Aufforderung zur Identitätsfeststellung gab und das von dem Demonstranten nie der vorgeworfene aktive Widerstand geleistet wurde. Im Nachhinein wird ersichtlich wie absurd diese Anschuldigung war, in einer Situation in der jemand von einer ganzen Horde von Polizisten umringt und geschlagen wird und sich in erster Linie einmal schützen muss, scheint es unmöglich auch noch Widerstand zu leisten. Übrigens wurde dieses Video, um der Verteidigung wie auch der Staatsanwaltschaft und dem Gericht vorzuenthalten, von der Polizei einem anderen Akt zugefügt. Erst zwei Tage vor der Verhandlung konnte der Anwalt des Beschuldigten dieses Video auftreiben. Die Widersprüche in den Aussagen der geladenen Polizisten mit den schriftlichen Aktenvermerken machten auch kein gutes Bild der Polizeiarbeit. Konkret ging es um einen Amtsvermerk der von allen beteiligten Beamten unterzeichnet wurde. Einer der Polizisten gab dazu an: "Ich habe ihn nur überflogen und unterschrieben, weil mein Name drinnen stand." Ein weiterer Zeuge gab zu, den Vermerk "nicht genau studiert" zu haben.
Der geleistete passiven Widerstand wurde vom Einzelrichter dezidiert als rechtskonform gewertet. "Mein Mandant ist unschuldig. Die Amtshandlungen im Aktenvermerk sind schlichtweg falsch und grenzen an den Tatbestand der Verleumdung", erklärte der Verteidiger Rene Haumer bei der Verhandlung. Weiters wurde vom Anwalt während der Verhandlung die Befürchtung geäußert, da das besagte Video nicht von der Polizei dem Akt zugefügt wurde, dass die Polizei versucht durch einen Schuldspruch eine nachträgliche Legitimation ihres Vorgehens am 1. Mai zu bekommen. Dieser Versuch scheint nun zumindest in diesem Fall schief gegangen zu sein.

Ermittlungen gegen die Polizei

Hierbei muss unterschieden werden in die Ermittlungen gegen einzelne Beamt_innen und der Untersuchung des gesamten Einsatzes. Drei Behörden beschäftigen sich nun mit der Frage wie rechtmäßig der Einsatz verlaufen ist, ob und wie das Gebot der Verhältnismäßigkeit verletzt wurde und ob das Recht auf Demonstrationsfreiheit verletzt wurde.
Neben dem Unabhängigen Verwaltungssenat haben nun auch die Staatsanwaltschaft Linz und das Büro für interne Angelegenheiten (BIA) des Bundesministeriums für Inneres die Ermittlungen aufgenommen. Letzterer Institution, dessen Glaubwürdigkeit und Objektivität selten hoch eingeschätzt wird, wird vor allem von der oberösterreichischen Sicherheitsdirektion die Aufgabe zuerkannt über die Rechtmäßigkeit der polizeilichen Übergriffe am 1. Mai zu urteilen. Damit stehen sie aber ziemlich allein auf weiter Flur. Dies zeigt auch das die Staatsanwaltschaft nur aufgrund des öffentlichen Drucks und ohne Anzeigen der Betroffenen die Ermittlungen aufgenommen hat.
Nach den vorliegenden Informationen gibt es ein Ermittlungsverfahren gegen einen unbekannten Polizisten. Es dürfte sich dabei um jenen Polizisten handeln der Rainer Zendron mit seinem Schlagstock so stark gegen den Rücken schlug, dass dieser abbrach. Der abgebrochene Teil des Schlagstockes wurde auch schon der Staatsanwaltschaft Linz als Beweismittel übergeben.
Gegen jenen Polizisten, der den nun vor Gericht stehenden Demonstranten geschlagen hat, ist noch kein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Hier wird interessant sein wie die Staatsanwaltschaft Linz mit dem Verhalten des Polizisten nach der heutigen Hauptverhandlung umgeht, insbesondere ob gegen diesen Polizisten ein Ermittlungsverfahren wegen unverhältnismäßigem Waffengebrauch eingeleitet wird. Weiters ist noch offen ob die Maßnahmenbeschwerden beim UVS wie so oft im Sand verlaufen oder doch einmal zu Konsequenzen führen.

Maßnahmenbeschwerden beim UVS

Neben den Maßnahmenbeschwerden die durch den Anwalt der Betroffenen beim UVS eingebracht wurden und einzelne Aspekte der Amtshandlung thematisieren sind zwei Beschwerden eingereicht worden die auch die Amtshandlung in ihrer Gesamtheit, die Einkesselung und die Verhinderung der Demo beinhalten. Vom Anmelder der 1. Mai Demo wurde eine Maßnahmenbeschwerde beim Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS) wegen der Polizeiwillkür am 1. Mai eingebracht. Er erhebt als Beauftragter des Aktionskomitees 1. Mai Beschwerde gegen die Sicherheitsdirektion für Oberösterreich und die Bundespolizeidirektion Linz wegen Verhinderung einer ordnungsgemäß angemeldeten und genehmigten Demonstration. Damit sieht er das verfassungsmäßige Grundrecht der Demonstrationsfreiheit in Frage gestellt bzw. aufgehoben. Vor allem hält er es als mit der Demonstrationsfreiheit unvereinbar, wenn die Polizei die Teilnahme an einer Demonstration von einer präventiven Identitätsfeststellung abhängig macht.
Die zweite Beschwerde wurde von einem weiterem Aktivisten eingebracht, der am 1.Mai durch eine Pfeffesprayattacke für zwei Stunden das Augenlicht verlor. Ihm wurde aus nächster Nähe Pfefferspray in die Augen gesprüht, als er versuchte, einem anderen, der zu Boden gegangen war, aufzuhelfen. Die Beschwerde wurde gestellt wegen Verletzung des Rechts auf Versammlungsfreiheit und Verletzung des Rechts auf körperliche Integrität.

Medieninteresse, Bündnis, Soli-Arbeit

Auch wenn sich die anfängliche starke Empörung der so genannten Zivilgesellschaft in der Zwischenzeit wieder anderen Themen zuwendet, ist das mediale Interesse an den Verfahren und vor allem an der Arbeit des "Bündnis gegen Polizeigewalt und für Demonstrationsfreiheit" ungebrochen stark (https://antifa.servus.at/pressespiegel). Dies zeigte auch das Echo der zweiten Pressekonferenz am 9. Juni, bei dem neben dem heutigen Prozess und den eingebrachten Maßnahmenbeschwerden auch die Debatte in der letzten Gemeinderatsitzung thematisiert wurde, in der zwei Resolutionen der Grünen und der SPÖ beschlossen wurden in denen die lückenlose Aufklärung der Ereignisse am 1. Mai gefordert werden. Das Bündnis, das in der Zwischenzeit von 165 Organisationen und mehr als 800 Einzelpersonen unterstützt wird, gibt sich mit einer solchen allgemein Formulierten Willenserklärung nicht zufrieden und fordert, weil den internen Ermittlungen der Exekutive kein Vertrauen geschenkt wird, eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft (http://gegenpolizeigewalt.servus.at).
Weiters ist es dem Bündnis ein anliegen in der Diskussion neben den laufenden Verfahren auch die demokratiepolitischen Aspekte nicht außer Acht zu lassen. Die Bündnissprecherin betonte: "Das Vafassungsrecht auf Demonstrationsfreiheit kann niemals durch angebliche Verwaltungsübertretungen ausgehebelt werden. Hier wurde das Gebot der Verhältnismäßigkeit offensichtlich grob verletzt." Auch wenn bei den Aussagen und Presseerklärungen vom Bündnis immer wieder eine Hoffnung in den Rechtsstaat mitschwingt so ist es diesem zu verdanken, dass einerseits die Gewalt der Polizei thematisiert wird und darüber die dem Staat immanente Gewalt zumindest andiskutiert werden kann und das der Druck auf die staatlichen Organe keine Kriminalisierung der antifaschistischen Bewegung zu versuchen real so stark ist, das diese Organe selber unter Druck geraten. Immer wird immer darauf hingewiesen dass die Gewalt von der Polizei (und somit vom Staat) ausgegangen ist. Mit einer, vom Bündnis unabhängigen, kleineren Aktion wurde heute vor dem Gericht auch die Repression gegen die Tierrechtsaktivist_innen thematisiert.
Die Linzer Polizei reagierte schon im Mai mit einer Image-Kampagne die neben Werbespots in den beiden regionalen Fernsehsender auch wöchentliche Kolumnen von Sicherheitsdirektor Dr. Alois Lißl und dem Polizeidirektor von Linz, Dr. Walter Widholm in der "Heute" beinhaltet.
Neben dem Bündnis entstanden eine Vielzahl von kleineren Soli-Projekten, die in erster Linie darauf abzielen Geld zu sammeln. Es ist noch nicht absehbar was das den Betroffenen kosten wird. Diese Aktionen werden vor allem durch Initiativen und Projekten der freien Kunst- und Kulturszene organisiert (https://antifa.servus.at/solidaritaetsaktionen).

Betroffen sind einige, gemeint sind wir alle!




Re:1.Mai 09 in Linz: erster Freispruch für Angeklagten; Ermittlungen gegen Beamte?

Kommentar von Anonymous User am 18.06.2009 04:18

"...dass das Interesse der Polizei nicht auf einer objektiven Aufklärung, sondern auf eine nachträglichen Legitimation ihres unverhältnismäßigen Einschreitens ausgerichtet ist."
Mhh, hat jemals wer was anderes erwartet???

BtW some good news: "Urteil gegen Susanne Winter bestätigt

Das Urteil gegen die FPÖ-Abgeordnete Susanne Winter wegen Verhetzung bleibt aufrecht. Das hat das Oberlandesgericht Graz Mittwochabend in einer Berufungsverhandlung entschieden. Dennoch gab es einen Teilerfolg für Winter."

Re:1.Mai 09 in Linz: erster Freispruch für Angeklagten; Ermittlungen gegen Beamte?

Kommentar von Star am 25.01.2010 06:45
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Re:1.Mai 09 in Linz: erster Freispruch für Angeklagten; Ermittlungen gegen Beamte?

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Fussball OHNE Rassismus - Arge ToR

08.02.2009 by socke, filed under Fussball, Sieg

kapu_argetor

 

Fussball und Politik teilen sich oft dieselbe Arena. Es gibt Klubs mit deklariert linken Fans und solche wo der Hitlergruß das Stadionbild dominert. Genug Gründe also, um sich nach dem Spiel abseits des Stations zu prügeln. Rassismus und Sexismus sind am Platz mindestens so präsent wie in der Gesellschaft insgesamt. Mit ersterem setzen sich engagierte Fans vom FC Blau-Weiss Linz auseinander, organisieren sich und treten rassistischen Tendenzen mit bunten Aktionen entgegen. Die Arge ToR sammelt Geld und mietet eine Werbebande im Donauparkstadion, auf der dann ein klares antirassistisches Statement zu lesen ist. Mangels regelmäßiger Meisterfeiern gibts einmal jährlich eine große Party in der KAPU, heuer mit Ausstellung, Wuzzelturnier, Bands, Infotisch und allerlei Spielchen. Mitgewuzzelt hat die "sportliche" Fraktion des Subversivmesseteams. Nach jahrelangem kräfteraubenden Training und bitteren Niederlagen kamen, sahen und siegten wir - endlich. Nach dem Glück im Spiel, warten wir nun etwas ängstlich auf das Pech in der Liebe... doch bis dahin genießen wir den Triumph.

sieger

Fotos: Katharina Lackner

 

Let's kick racism out of football!

 


Re:Fussball OHNE Rassismus - Arge ToR

Kommentar von Anonymous User am 11.02.2009 11:15

was meint die doping-agentur?

Re:Fussball OHNE Rassismus - Arge ToR

Kommentar von Anonymous User am 11.02.2009 12:14

leider alles regelkonform
es sei ihnen einmal vergönnt

immer wider österreich

Kommentar von Anonymous User am 12.02.2009 00:08

zum glück gibt es die kategorie fussball. und heute haben die österreicher, wie immer wieder, verloren. blöd nur für kleki-petra, der sich auf das abenteuer ösi-trainer eingelassen hat. jetzt müssen nur noch die skispringer abstürzen, dann haben wir keinen sport-patriotismus mehr.

Re:Fussball OHNE Rassismus - Arge ToR

Kommentar von Anonymous User am 12.02.2009 20:38

abstürzen?
mit tortenkanonen abschiessen!

Dopingagentur

Kommentar von kle am 12.02.2009 20:39

die agentur hat uns nach dem sieg natürlich routinemäßig geprüft, aber der spiegel hat gereicht...

Die USA, der 4.November 2008 und warum die Welt nun tatsächlich ein besserer Ort ist

07.11.2008 by kle, filed under Volksfest, Sieg
usa

 

Am 4.November 2008 hielt die Welt den Atem an: unzählige Menschen strömten in den USA zu den Wahllokalen, hofften auf Glück bei den Wahlmaschinen und auf eine historische Wende zum Besseren. Schliesslich ging's diesmal wirklich um was - selten ließ sich die Welt so klar in "gut" und "böse" unterteilen: auf der einen Seite die Stimme der Vernunft, Wissenschaft und Würde, auf der anderen Seite Rückwärtsgewandtheit, Fundamentalismus und Verblendung. Und - als trotz guter Vorzeichen eigentlich schon niemand mehr so recht dran glauben wollte (man traut den Amis ja ALLES zu) - dann geschah das Wunder, der Schritt nach Vorne, der Durchbruch in eine bessere Welt: am 4.November 2008 wurde demokratisch entschieden, dass in Massachusetts, USA von nun an der Besitz von bis zu einer Unze (ca. knappe 30 Gramm) Marihuana nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden darf. Allenfalls eine Verwaltungsstrafe von max. 100$ ist drin.

God Bless America!

 

Massachusetts Ballot Question 2

Voters approve marijuana law change

 



Re:Die USA, der 4.November 2008 und warum die Welt nun tatsächlich ein besserer Ort ist

Kommentar von polo1 am 27.01.2010 11:46
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Yes they did it

06.11.2008 by socke, filed under Aufstand, Sieg

kkk-süd

Virginia, Colorado, New Mexico, Nevada - Südstaaten, Cowboyland, seit Jahrzehnten fest in republikanischer Hand, haben vorgestern gemeinsam mit allen swing states und den demokratischen Hochburgen Barak Hussein Obama zum ersten nicht-weißen Präsidenten der USA gewählt. Vor zwei Jahren noch undenkbar. Die höchste Wahlbeteiligung seit 100 Jahren und eine noch nie dagewesene Welle der Euphorie hat diesen historischen Schritt möglich gemacht. Und freilich George W., der unbeliebteste Präsident der Neuzeit, der acht Jahre lang den Boden dafür bereitet hat.

Darf sich ein Linker darüber freuen?

jfkObama kann nicht zaubern, auch ist er kein Sozialist, er wird den Kapitalismus nicht abschaffen, wird die gleichgeschlechtliche Ehe nicht zulassen, er wird kein schärferes Schusswaffengesetz initiieren und auch er wird nicht mit Osama verhandeln.

Trotzdem ist es eine Zeitenwende. Erstmals haben sich die demographischen Verschiebungen der letzten 20 Jahre auch auf ein Wahlergebnis ausgewirkt. Endlich dominiert nicht mehr das Land über die Stadt. Endlich sind auch die Jungen kkkzur Wahl gegangen, und die Schwarzen und die Hispanics. Endlich ein Präsident, der eine zeitgemäße Biographie hat, teilweise im Ausland aufgewachsen ist, eine lukrative Karriere als Top-Jurist ausgeschlagen hat und für 12 000$ im Jahr als Sozialarbeiter tätig war. Wichtiger als die Person ist die Wahlbewegung, die ihn ins weiße Haus getragen hat. Wer die Videos von den spontanen Partys in den Straßen rund um den Globus gesehen hat, bekommt einen kleinen Eindruck, was politische Mobilisierung bewirken kann. Sogar George W. wurde um seinen unverdienten Schlaf gebracht, als Tausende das Weiße Haus umlagerten und ausgelassen feierten. Es war ergreifend zu sehen, dass sogar der alte Haudegen Jesse Jackson die Freudentränen nicht zurückhalten konnte.

Also um die Frage zu beantworten: Ja, ich freue mich.freude Scheiss auf linken Dogmatismus und Radikalkritik an allem und jedem, zumindest heute und morgen. Es ist nicht egal wer im Weißen Haus sitzt, es ist nicht egal ob Obama oder Bush/McCain die Verhandlungen über eine globale Regulierung der Finanzmärkte führen. Es ist nicht egal wer künftig mit den iranischen Mullahs über ihr Vernichtungsspielzeug verhandelt und es ist nicht egal wer das marode Gesundheitssystem reformiert. Wenn es so wäre hätten wir uns alle über Bush nicht aufregen müssen.

faymann und pröllEinen Nebeneffekt hat die Wahlnacht allerdings auch gehabt. Österreichische Innenpolitik kann ich von nun an noch weniger ertragen, als das ohnehin schon der Fall war. Unpackbar und zum Glück für die Welt auch relativ irrelevant.

     


Auch NC vom Winde verweht

Kommentar von giro am 10.11.2008 15:13

Nach längerer Auszählerei ist nun eine weitere Bastion des Südens gefallen. North Carolina wählte Obama.

Die Mühlen mahlen langsam

09.10.2008 by Hans Hochhaus, filed under Wien, Sieg

Das Leopold Museum mit Werbung! Laut Indymedia von Kunstschutz= offizier_innen angebracht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Umgang mit der eigenen Nazivergangenheit ist in Österreich seit jeher durch Verleugnen, Verdrehen und Verdrängen gekennzeichnet. Eine spezielle Rolle spielte dabei der Umgang mit den von den Nazis geraubten und unter Zwang gekauften Besitztümern. Nach der Niederlage des Deutschen Reichs waren die BürokratInnen der 2.Republik tunlichst darum bemüht möglichst wenig Besitz an die großteils jüdischen EigentümerInnen zurück zu geben. Da viele beraubte JüdInnen ermordet wurden, Dokumente auf der Flucht verloren gingen bzw. schlicht keine Unterlagen vorhanden gewesen sind, die die Besitzverhältnisse ausgewiesen hätten, fiel es den Zuständigen nicht schwer, die Rückgabeforderungen vor Gericht in die Länge zu ziehen, die EigentümerInnen mit billigen Kaufangeboten abzuspeisen, oder den Naziraub einfach sang und klanglos in staatlichen Besitz übergehen zu lassen.


Darunter fällt auch der Umgang mit NS-Raubkunst. Erst als 1998 zwei Bilder aus der Sammlung Leopold (Schieles "Bildnis Wally" und "Tote Stadt III") in den USA beschlagnahmt wurden, beschloss die Republik ihre Archive zu öffnen, und gezielt Nachforschungen anzustellen. (siehe auch: Provenienzforschung). Dazu wurde ein Kunstrückgabegesetz verabschiedet - ausdrücklich ausgenommen ist hierbei skurrilerweise die Sammlung Leopold, die als Stiftung geführt wird und vom Bund subventioniert wird.


Jahrelang konnte Rudolf Leopold jeden Raubkunstvorwurf erfolgreich von sich weisen, und mit absurden Argumentationen vor Gericht punkten. Das Bild “Der Sensendengler” von Albin Egger-Lienz, könne, laut Leopold unmöglich NS-Raubkunst sein, weil der Maler nicht dem durchschnittlichen Geschmack von JüdInnen entsprochen hätte. Falls die Beweise doch gefunden werden, was Leopold offenbar befürchtet, sei trotzdem von einer Restitution abzusehen. Den Betroffenen würde es nur ums Geld gehen, so Leopold mit dem Verweis auf die Familie Rothschild, die ihre aus dem Kunsthistorischen Museum restituierten Kunstwerke versteigern ließen.


Weil Leopold im Frühjahr 2008 seine stolze Sammlung an Albin Egger-Lienz Bildern zu dessen 140 jährigen Geburtstag in einer Sonderausstellung präsentierte, wurden von JournalistInnen und der IKG (Israelitische Kultusgemeinde) erneut Nachforschungen angestellt. Prompt fielen einige Werke unter den Verdacht der NS-Raubkunst. Die Kunst&Kulturministerin Claudia Schmied plante daraufhin das Kunstrückgabegesetz zu novellieren. So sollte auch das Museum Leopold diesem Gesetz unterstellt werden. Willhelm Molterer, die Kärtner Landesregierung, und natürlich Rudolf Leopold machten gegen die Novelle mobil. Damit wieder Ruhe ins Museum einzieht,  wurde vorläufig ein Kompromiss geschlossen. Eine Forscherin und ein Forscher gehen nun den NS-Raubkunstvorwürfen im Museum Leopold nach – über 60 Jahre nachdem die Nazis von den Alliierten besiegt worden sind.


Re:Die Mühlen mahlen langsam

Kommentar von jacky am 10.10.2008 08:19

das graffiti auf dem leopold war leider nur für einige stunden sichtbar, dann wurde es für einige tage notdürftig mit einer platte abgedeckt und dann wurde es mühsamst weggeschliffen. ich arbeite im mq und hab mich diebisch gefreut...

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