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Das etwas andere Eva-Prinzip

12.07.2008 by socke, filed under Aufstand, Theorie

Eva HermanIm Sommer 2006 veröffentlichte die (bald darauf) ehemalige ARD- Tagesschausprecherin und journalistische Dumpfbacke Eva Herman ein vielzuvieldiskutiertes Buch über die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Sie plädiert in "Das Eva-Prinzip" für eine Rückkehr zu den klassischen Rollenverhältnissen, Frauen sollten ihr Glück in der Mutterschaft suchen und auf egoistische Alleingänge (gemeint sind Karriere und Unabhängigkeit) verzichten. Wirklich tragisch ist, dass ausgerechnet die biblische Eva für den Titel dieses reaktionären Werkes herhalten musste, da sie ja eigentlich der mythologische Ausgangspunkt für Subversion und damit Emanzipation ist.

Mein Blogger- Kollege Hans Hochhaus hat bereits im April von der subversiven Eva berichtet. Gerade für unsere vom institutionalisierten Christentum gebeutelte Gesellschaft eine wichtige Erkenntnis und Grund genug die Thematik noch etwas zu vertiefen.

In seiner Vorlesung "Subversive Theorie" im WS 1989/90 an der FU Berlin ging der Politikwissenschaftler Johannes Agnoli der Geschichte der Subversion nach und skizzierte diese von ihren Anfängen im "Paradies" bis zur Französischen Revolution.*

StinkefingerEmanzipation als Produkt und Folge der Subversion bedeutet für Agnoli vor allem die Subjektwerdung des Menschen. Sowohl in der christlichen, als auch in der griechischen Mythologie ist der Mensch Objekt des einen Gottes bzw. der olympischen Götterschaar. Er ist unwissend, manipulierbar, ein unbewusster pflanzlicher Gegenstand. Als solcher lebt es sich ganz gut im Paradies, ein bisschen wie im Freigehege, aber immerhin. Adam fühlt sich ausgesprochen wohl und hört nur auf die Stimme seines Schöpfers. Ausgerecht die doppelt abgeleitete/abhängige Eva (abgeleitet von Gott und dann auch noch geformt aus Adams Rippe) aber, gibt sich nicht mit diesem Urzustand zufrieden. Sie vollzieht als erste in unserer Mittelmeerkultur den Schritt vom Objekt zum Subjekt, vom unbewussten zum bewussten Menschen, vom Mythos zum Logos, vom Glauben zum Denken. Das alles indem sie der Stimme der Ratio und nicht der Stimme Gottes Gehör schenkt und sich gegen die göttliche Ordnung auflehnt. Laut dieser darf nur der Schöpfer wissen, was Gut und was Böse ist, der unwissende Mensch ist somit ganz auf ihn angewiesen, das Ordnungsprinzip ist das Verbot vom Baum der Erkenntnis zu essen.

girls kick assEva bricht mit der Fremdbestimmung und Abhängigkeit, weil sie den Rat der Schlange befolgt und herzhaft zulangt (obs ein Apfel war ist bis heute umstritten, in der Bibel steht nichts davon). Wie fast immer in der Geschichte reagiert auch Gott auf Subversion mit Repression und schmeisst den armen Adam und die aufmüpfige Eva aus seinem Kleingarten.

Warum hat sich das im Religionsunterricht ganz anders angehört? Warum ist Eva nicht cool, sondern diejenige, die Schuld daran hat, dass wir aus dem Paradies geflogen sind und uns mit Hunger, Arbeit, Krankheiten, Alter und Schlechtwetter herumplagen müssen?

Das Christentum war anfangs ein vielfältiges und buntes Sammelsurium an Sekten, Glaubensgemeinschaften und Denkschulen, die nach und nach mit Feuer und Schwert ausgerottet bzw. von der Institution der Kirche aufgesaugt wurden. SchlangeSo z.B. die Ophiten, die Gott als das Böse ansahen und die Schlange als Vertreterin Luzifers (ein zu Unrecht von Gott gestürzter Engel) positiv interpretierten. Hätten sie sich durchgesetzt würde die Geschichte wohl etwas anders gepredigt werden. Der emanzipatorische Charakter der neuen jüdischen Glaubensrichtung wurde aber spätestens als sie römische Staatsreligion wurde endgültig ins Gegenteil verkehrt und ad absurdum geführt.

Schade drum? Irgendwie schon..

 

 

* Agnoli, Johannes: Subversive Theorie. "Die Sache selbst" und ihre Geschichte. Eine Berliner Vorlesung; ca ira Verlag, Freiburg, 1999


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