Home » Blog » Feuchtgebiete 2: Praktische Emanzipation
Log in
· Become Friend · Forgot Password?
Subversiver Feed
Dieses Weblog via RSS abonnieren.
» RSS-Feed
» Was ist RSS?
 

Feuchtgebiete 2: Praktische Emanzipation

08.08.2008 by Rosa Abart , filed under Untergraben, Lebensweisheit

Eine andere Frage, die die Diskussion um den Roman in den Raum stellt, ist jene nach seinem feministischen Gehalt. In dieser Hinsicht bleibt die Geschichte vage, ambivalent und lässt eine grundlegende Botschaft vermissen. Was prinzipiell ja dem Zeitgeist entspricht.

Die im Roman aufgegriffene Forderung nach Selbstbestimmung über den eigenen –weiblichen -  Körper ist bekanntlich feministisch. Anatomische und sexuelle Selbsterforschung wie –erfahrung erlangten bereits vor knapp 40 Jahren Bedeutung in feministischem Diskurs und Praxis. Etwas später zeigte Nina Nina HagenHagen auf legendäre Weise (Club 2) vor, wie Frauen erfolgreich zum Orgasmus kommen. Feuchtgebiete erweitert diese Tradition um etliche Sexualpraktiken, interessante Masturbationstechniken, ein beachtliches Vokabular („Perlenrüssel“, „Vanillekipferl“ usw.) und unglaubliche Alternativen zum Konsum diverser Hygieneartikel – die allerdings nicht unbedingt zum Nachahmen animieren. Dennoch keine Frage, der Bruch mit Tabus und Weiblichkeitsnormen ist auch heute relevant. Die Lockerheit, mit der sich die Lektüre „gegen Hygienehysterie und sterile Frauenzeitschriftästhetik“ sowie gegen den „standardisierten Umgang mit dem weiblichen Körper“ (Roche) wendet, wirkt stellenweise tatsächlich regelrecht befreiend. In dieser Hinsicht ist das Buch jedenfalls als Beitrag zur Emanzipation zu werten.

Achselhaar

„Frauen haben nach der Lektüre meines Buches gesagt: Jetzt ist mir nichts mehr peinlich.“  (Roche)

hier gehts zum link

 

Emanzipation vom Emanzentum?

 Verstehen wir Feminismus aber als politische Bewegung mit dem Ziel der Gleichstellung von und Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen, reichen sexuelle Lust, selbstbewusste Provokation und trotziger Individualismus nicht mehr aus; es ist nicht zu vermuten, dass exzessiver Sex oder der Verzicht auf Körperhygiene zur Aufhebung der Einkommensschere führt, die Charlotte Roche im Spiegel Interview als Beleg für die noch nicht erreichte Gleichstellung anspricht. Roche selbst führt die Einkommensschere darauf zurück, dass Frauen erst lernen müssten, ihr Gehalt vernünftig zu verhandeln. hier gehts zum link

Die Abgrenzung zum „Schwarzer“ – Feminismus markiert Roche (auch im Spiegel Interview) über die Forderung nach lustvoller Freizügigkeit statt politisch korrektem Sexualverhalten. Klar, aber Alice Schwarzers Zeit als symbolisch feministische Integrationsfigur ist doch bekanntlich lange und definitiv vorbei (Wetten dass???) und die entsprechende Schwarzer(Sexual)Moral auch!? Würde mich interessieren, wie viele Frauen, die das Bedürfnis danach verspüren, sich tatsächlich wegen Alice Schwarzer von Porno schauen und SM Praktiken abhalten lassen… also nicht so ganz nachvollziehbar diese Forderung.
Außerdem gabs neben jenen Feministinnen, die heterosexuelle Praktiken dogmatisch als Unterdrückung von Frauen betrachteten, immer auch feministisch gesinnte Menschen, die das subversive Potential von Sexualität exzessiv (be)lebten.

Charlotte Roche nimmt das von den Medien angetragene Label einer neuen „Feministin“ zwar gerne an, die von ihr im Interview explizierte Botschaft des Romans fällt dann aber enttäuschend aus: „Aber wenn ich einen zarten Appell formulieren darf, dann so: Ich hätte gerne, dass es auf Frauen einen weniger großen Druck gibt, sich komplett zu enthaaren. Frauen rasieren sich aus einem vorauseilenden Gehorsam. Ich glaube, dass sogar Männer über ein paar weibliche Schamhaare ganz dankbar wären, weil sie ja mit Frauen, nicht mit Kindern schlafen wollen.“ (Das würde vermutlich auch Alice gefallen;))
Trotzdem soll Helens sympathischer Lösungsvorschlag nicht vorenthalten werden: „Ich finde, wenn Männer rasierte Frauen wollen, sollen sie auch das rasieren übernehmen, Und nicht den Frauen die ganze Arbeit aufhalsen. Frauen wäre es doch ohne Männer ganz egal, wie behaart sie sind. Wenn beide sich so gegenseitig rasieren, wie sie es am hübschesten finden, dann ist das das beste Vorspiel, das ich mir vorstellen kann.“ (Helen in Feuchtgebiete)


Add comment

You can add a comment by filling out the form below. Plain text formatting.

(Required)
(Required)
(Required)
(Required)
...get involved as Friend and log in to add comments.
« Dezember 2008 »
So Mo Di Mi Do Fr Sa
  1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31      
Recent comments
Re:New York, Helsinki und die Kultur der zerbrochenen Scheiben Anonymous Couch Addicted 28.11.2008
Re:Andreas Wahl: "09" Fritz Phantom 24.11.2008
Re:Andreas Wahl: "09" anne 24.11.2008
Re:In Leonding fühlen sich ALLE wohl isa 18.11.2008
Re:In Leonding fühlen sich ALLE wohl Anonymous User 17.11.2008
Re:In Leonding fühlen sich ALLE wohl isa 17.11.2008
Auch NC vom Winde verweht giro 10.11.2008
Re:Von Affen und TalibanInnen giro 02.11.2008
nichts als die wahre wahrheit! kle2 01.11.2008
Re:TalibanInnen kle2 01.11.2008