dictionary of sabotage
Diese Geschichte aus der „TäterInnen“-Perspektive wird anonymisiert im „Lexikon der Sabotage“ veröffentlicht. Unsere Absicht ist, ein Gegengewicht zur momentan praktizierten Verherrlichung der Lohnarbeit zu schaffen. Peter A. Krobath (AT), eingereicht am 28.07.2008„Ich schrieb kleine Briefe an die Kunden: Guter Rat einer ehrlichen Mitarbeiterin: Diese Firma bescheißt Sie nur“, erzählt eine Frau, die bei einem Babyartikel-Versand arbeitete. „Von da an kreuzte ich die Pflanzen einfach untereinander, ließ sie quasi fremdgehen“, beichtet die Biologin, die bei einer Hybridmaiszucht jobbte.
Seit drei Jahren sammelt der Kuserutzky-Klan Geschichten über Sabotage, Verweigerung, Betrug, Racheakte und Unfug am Arbeitsplatz. Nicht aus der Perspektive der Polizei oder der Unternehmensberater, sondern der „TäterInnen“. Geschichten aus den Graubereichen der Arbeitswelt, die ansonsten nicht oder nur im vertrauten Kreis erzählt werden. Geschichten vom notwendigen Aufbessern des Gehalts in prekären Arbeitsverhältnissen; vom Mitschneiden und Mitnaschen, weil es die andern und ganz besonders „die da oben“ auch tun; von der zwar nicht erlaubten, aber legitimen Eigeninitiative und der sozialen Rebellion; aber auch vom kindischen Unfug, sanften Verweigern, cleveren Austricksen und kreativen Schabernack.
In Linz wollen wir diese Arbeit präsentieren (Band 1 wird heuer im Herbst im Sonderzahl Verlag erscheinen) und mit Hilfe des „Sabotage-Beichtstuhls“ fortsetzen. Der „Beichtstuhl“ kam schon mehrmals zum Einsatz (erstmals 2006 bei Soho in Ottakring) und ist im Grunde ein von einer beidseitig mit Sätzen aus den Sabotage-Geschichten bedruckten Plane gebildeter Raum, der für ein derartiges Gespräch eine gewisse Intimität schafft.
Bei einer Lesung am letzten Messetag sollen auch schon anonymisierte Linzer Sabotage-Geschichten vorgelesen werden.
Im Eingangsbereich des Planenraumes wollen wir mit Videos (zwei Bildschirme plus Kopfhörer) und Texten zwei weitere Projekte des Kuserutzky-Klan präsentieren:
„Wellness für Loser“ (Soho-in-Ottakring 2007) und „Colonia Catering“ (2008)